Der üble Wille

Es geht mir so auf die Nerven. Diese ewige Wahnvorstellung, dass Leute mit anderer Meinung von finsteren Mächten für die Äußerung ihrer anderen Meinung bezahlt werden. Wenn ein Forscher an irgendeinem Aspekt der globalen Erwärmung zweifelt, dann wurde er von der Erdölindustrie dafür bezahlt! Wer sagt, dass dieser oder jenes Fett gar nicht so ungesund ist, wurde von McDonald’s dafür bezahlt! Wer Gentechnik gut findet, wurde von Monsanto dafür bezahlt! Wer hat diese paranoiden Nörgler eigentlich bezahlt?

Nun werden ja tatsächlich alle möglichen Leute für alle möglichen Dinge bezahlt, denn ansonsten hätten wir kein Geld und würden verhungern. Interessanterweise richtet sich das allgemeine Misstrauen aber nicht gegen die ganze Menschheit, die „bezahlt“ wird, sondern nur gegen bestimmte produktive Industrien. So sprechen nur wenige von den finsteren Machenschaften der Solarzellen- oder Windkraftindustrie, von den Schatten-Vertretern der ökologischen Landwirtschaft, von den rücksichtslosen humanitären Organisationen, die schon zahllose Regime und Terrorgruppen künstlich am Leben erhalten haben durch Ihre Spendengelder. Nein. Das sind laut Definition die Guten. Die werden nicht „bezahlt“. Die werden allenfalls „entschädigt“ für ihren Einsatz für das Gute.

Man kann gleichzeitig extrem paranoid und extrem naiv sein. In der Tat tritt beides häufig gemeinsam auf. Linke Aktivisten sind häufig extrem paranoid gegenüber vermeintlich rassistischen und sexistischen Aussagen. Zugleich sind sie extrem naiv gegenüber den eigenen Reihen, der eigenen Partei, der eigenen Ideologie. Kommunistische Regimes können 100 Millionen Menschen töten, aber dass sie ähnliche destruktive Maßnahmen umsetzten, wie sie heute von Linken noch gefordert werden, das fällt nicht ins Gewicht. Links ist gut.

Diese Geisteshaltung betrifft wohl alle Anhänger eines irrationalen Wahnsystems. Und alle anderen Subjektivisten, die glauben, Ihre eigene, willkürlich festgelegte Wahrheit wäre die Wahrheit.

Die vernünftige Weise, an so etwas heranzugehen, lautet:

  1. Niemanden ohne konkreten Anlass verdächtigen, als Marionette von Dritten zu handeln. Und im Unrecht zu sein. Auch Marionetten können Recht haben.
  2. Prüfen, ob der begründete Verdacht mangelnder Objektivität gerechtfertigt ist. Das kann bei Studien ganz schön aufwändig sein. Am Ende muss man sogar was vom Fach verstehen.
  3. Bei der Konfrontation die Belege für die mangelnde Objektivität klar benennen.
  4. Oder sich einweisen lassen und die paranoiden Wahnvorstellungen den Ärzten erzählen.