Tocqueville über den Islam

Théodore Chassériau: Alexis de Tocqueville (1850)

Théodore Chassériau: Alexis de Tocqueville (1850)

In dieser Reihe übersetze und veröffentliche ich die Meinungen von nicht-muslimischen historischen Persönlichkeiten aus Ost und West über den Islam. Diesmal äußert sich Alexis de Tocqueville (1805-1859), ein französischer Politiker und Historiker.

Alexis de Tocqueville gilt als Begründer der vergleichenden Politikwissenschaft. Zwischen 1839 und 1848 war er ein Abgeordneter der gemäßigten Opposition im französischen Parlament. Dort setzte er sich für die Abschaffung der Sklaverei ein. Tocquevilles Abhandlung „Über die Demokratie in Amerika“ (1835/1840) wird heute noch an Universitäten gelehrt. Der Politikwissenschaftler beschreibt darin die amerikanische Demokratie und behandelt zwei Gefahren, die sie bedrohen: Eine „Tyrannei der Mehrheit“, die Minderheiten ausnutze, sowie eine „Allgewalt der Regierung“, die Bürger zu unselbstständigen Privatleuten degradiere. Als Lösungen nannte Tocqueville die politische Dezentralisation, die Ethik vom aufgeklärten Eigennutz sowie die Beeinflussung der allgemeinen Verhaltensmaßstäbe durch das Christentum.

Tocqueville über den Islam:

„Ich habe den Koran mit großer Sorgfalt studiert. Ich bin durch das Studium zu der Erkenntnis gelangt, dass es im Großen und Ganzen kaum Religionen auf der Welt gegeben hat, die so tödlich waren wie jene von Mohammed. Soweit ich sehe ist sie der Hauptgrund für die Dekadenz, die heute in der muslimischen Welt so deutlich zu erkennen ist. Und obgleich der Islam weniger absurd ist als der antike Polytheismus, so muss man seine gesellschaftlichen und politischen Tendenzen meiner Ansicht nach noch mehr fürchten. Und darum halte ich den Islam für eine Rückentwicklung und nicht für einen Fortschritt im Verhältnis zum Heidentum.“

„Mohammed behauptete, vom Himmel nicht nur einen Korpus religiöser Doktrinen erhalten zu haben, sondern auch politische Maxime, Gesetze des Zivil- und Strafrechts sowie wissenschaftliche Theorien, die er in den Koran eingefügt hat. Das Evangelium spricht hingegen nur von den allgemeinen Beziehungen der Menschen zu Gott und zueinander – darüber hinaus schärft sie niemandem eine Überzeugung ein oder zwingt ihm keine weitere Überzeugung auf. Das alleine, von tausend weiteren Gründen abgesehen, wäre schon Beweis genug, dass der Islam in einer kultivierten und demokratischen Zeit nie lange Bestand haben wird, während das Christentum seinen Einfluss in diesen wie in allen anderen Zeitaltern erhalten kann.“

Quelle Zitat 1: Alexis de Tocqueville; Olivier Zunz, Alan S. Kahan (2002). „The Tocqueville Reader“. Blackwell Publishing. ISBN 063121545X. OCLC 49225552. S. 229.

Quelle Zitat 2: Alexis de Tocqueville (1840). „Democracy in America, Volume II“. Book One, Chapter V. OCLC 48653286.

Reihe: Historische Persönlichkeiten über den Islam

Teil 1: Al-Razi

Teil 2: Tocqueville

Teil 3: Thomas von Aquin

Teil 4: Schopenhauer

Teil 5: Antony Flew

Teil 6: Winston Churchill