Wie man politisch siegt

Take no Prisoners HorowitzDer ganze sozialistische Unsinn funktioniert also nicht. Warum werden Linke und die ebenso auf Regierungsinterventionen setzenden Grünen oder auch Konservative der intervenierenden Art dann gewählt? Als hätte es die tausendfach gescheiterten Versuche von tausenden Regierungen, in das Leben der Menschen planend zu ihrem eigenen angeblichen Wohl einzugreifen, niemals gegeben?

Der amerikanische Konservative David Horowitz, einst einer der Anführer der Neuen Linken, hat eine überzeugende Antwort darauf gefunden. Die Philosophin Ayn Rand hat bereits eine ähnliche Antwort gegeben. Die Antwort lautet, dass die Moral, oder das, was als moralisch aufgefasst wird, immer von den meisten Menschen stärker gewichtet wird als jegliche anderen Faktoren. Der Grund für den Sieg des Moralischen (oder des als moralisch Angesehenen) lautet, dass die meisten Menschen gut sein möchten. Die Moral ist schließlich unsere Handlungsorientierung. Die meisten Menschen möchten das tun, was ethisch richtig ist. Und Linke sind diejenigen, die versichern, dass sie sich für altruistische Ziele, die in unserer Kultur als gut angesehen werden, einsetzen. Nur darum gewinnen sie in Wahlen, Debatten oder irgendetwas.

Ob Fakten stimmen, ob Gleichungen aufgehen, ob politische Maßnahmen mit höherer Wahrscheinlichkeit funktionieren werden als die der anderen Parteien, all das ist zunächst von untergeordneter Bedeutung; zunächst, wenn man überhaupt erst einmal ernst genommen werden möchte, wenn man überhaupt erst einmal eine Wahl gewinnen oder erfolgreich für seine Überzeugungen werben möchte. Fakten, Mathematik, ökonomische Modelle sind nur für diejenigen interessant, die bereits zumindest entschieden haben, sich näher mit einer Position zu befassen.

In den USA behaupten die linken Demokraten, sie würden sich für Minderheiten und Frauen einsetzen. Sie behaupten, die Republikaner wären die Feinde von Frauen und Minderheiten, würden sie ausnehmen und einen „Krieg“ gegen sie führen. Die Republikaner antworten darauf, dies sei nur Klassenkampf-Rhetorik (etwa Mitt Romney) und verbringen die übrige Zeit damit, über ökonomisch-politische Modelle und Pläne zu reden, die sowieso keiner versteht. Das macht auch nichts, denn man hört reichen, weißen Ausbeutern nicht mehr weiter zu.

Horowitz schreibt, dass man eine Art Tu-quoque-Argument gebrauchen müsse: Tatsächlich setzen sich die Republikaner (bei Horowitz im Sinne von wirtschaftlich liberal eingestellten Politikern) für Minderheiten und für Frauen ein. Es sind vielmehr die Demokraten, deren Politik nachweislich Minderheiten und Frauen schadet. Da dies den Fakten entspricht, hat man im Folgenden leichtes Spiel. Man muss nur auf Detroit zeigen, eine heruntergekommene Stadt, die seit Jahrzehnten von Demokraten beherrscht wird, man muss nur auf öffentliche Schulen zeigen, bei deren Leitung Demokraten das Sagen haben, man muss nur auf Quoten an Hochschulen zeigen, die tatsächlich qualifizierten Schwarzen die Chancen nehmen, man muss nur auf diese und jene konkreten Beispiele zeigen.

Die eiserne Regel, wenn man jemandem von der eigenen ethischen oder politischen Position überzeugen möchte, lautet:

Die von der Mehrheit als moralisch richtig aufgefasste Position siegt.

Mit anderen Worten triumphiert die Moral oder das, was man als solche versteht, stets über alle anderen Faktoren wie die Wirtschaftlichkeit oder die Nützlichkeit. Wäre dem anders, hätten wirtschaftlich liberale Politiker noch nie irgendeine Wahl verloren. Man muss also aufzeigen, dass vielmehr die eigene Position die moralisch Richtige ist. Wenn die Mehrheit der Menschen das nicht glaubt, verliert man. Der Rest sind Details.

Konkret muss man etwa aufzeigen (was auch nicht schwer ist, da es stimmt):

  1. Der Einsatz von fossilen Brennstoffen ist moralisch richtig. Das zeigt zum Beispiel Alex Epstein in seinem Buch The Moral Case for Fossil Fuels auf (siehe meine Rezension).
  2. Der freie Waffenbesitz ist moralisch richtig. Das zeigt zum Beispiel der Ökonom John Lott in seinem Buch More Guns, Less Crime auf.
  3. Der freie Markt ist moralisch richtig. Das zeigt zum Beispiel Ayn Rand in ihrem Buch Capitalism. The Unknown Ideal auf.
  4. Die traditionelle Familie ist moralisch gut (was nicht heißen soll, dass interventionistische Familienpolitik eine legitime Aufgabe des Staates wäre – im Gegenteil). Das zeigt Mark Humphrys auf seiner Website auf. Siehe meine deutsche Übersetzung, jetzt überarbeitet und mit Ergänzung „Der Tuam-Babies-Skandal“.

Und so weiter.

In Deutschland gilt das noch umso stärker, denn hier haben wir keine utilitaristische Tradition, welche die „Nützlichkeit“ hervorhebt oder eine hedonistische Tradition, die das Vergnügen oder das Vermeiden von Leid ins Zentrum stellt, wie in der angelsächsischen Welt (ich halte Utilitarismus und Hedonismus für falsch. Ich stelle nur fest, dass diese moralischen Traditionen historisch so verbreitet sind).

Wer in Deutschland eine moralische Tugend oder ein Prinzip wie „Ehrlichkeit“ mit etwas anderem wie „Wirtschaftlichkeit“ abwägt, der verliert sein Argument definitiv, sofort und unwiderruflich. Wer hingegen sagt, „Es mag zwar wirtschaftlich nicht sinnvoll sein, aber es ist ehrlich!“, der gewinnt. Jetzt müssen wir sagen: Es ist ehrlich und es ist übrigens auch wirtschaftlich sinnvoll – dann, und nur dann, gewinnen wir.

Ausgehend von der moralischen Überlegenheit der eigenen Position muss man in einer politischen Kampagne auf Furcht und Hoffnung setzen. Man muss Furcht vor dem politischen Gegner erzeugen und Hoffnung, dass die eigenen Maßnahmen zum Guten führen werden, so Horowitz. Die meisten Wähler verbringen nachweislich nur sehr wenig Zeit mit politischer Meinungsbildung. Man muss sie emotional erreichen. Mit den detaillierten Inhalten befassen sich die Interessierten dann später.

Die drei strategischen Regeln lauten also:

  1. Man muss die moralische Überlegenheit der eigenen Sache aufzeigen.
  2. Man muss Furcht vor dem politischen Gegner wecken.
  3. Man muss Hoffnung auf die gute Wirkung der eigenen Politik wecken.

Oder man verliert.

Buchtipp:

David Horowitz: Take no prisoners. The battle plan for defeating the left