Ostdeutschland und Fremdenfeindlichkeit

Clausnitz und Bautzen. Einige Ostdeutsche gehen mit Gewalt gegen Flüchtlinge und Einwanderer vor. Rettungskräfte und die Polizei werden von ihnen bei der Ausübung ihrer Aufgaben behindert und ausgelacht. Dergleichen geschieht weitaus häufiger und organisierter im Osten als im Westen. Sollten wir Muslime nicht ins Land lassen wollen, weil viele von ihnen die individuelle Freiheit und den liberalen Rechtsstaat ablehnen – warum haben wir dann diese Ostdeutschen ins Land gelassen?

Allmählich erscheint es mir, dass meine Oma Recht hatte: Wir hätten die Mauer nicht abreißen, sondern sie noch höher bauen sollen. Oder, wie es in einem Klassiker der deutschen Punkband OHL heißt: „Wir brauchen eine Mauer, die uns davor schützt. Wir brauchen eine Mauer, die dem Westen nützt.“

Meine ostdeutschen Bekannten und Freunde hatten sehr wütend auf einen Facebookeintrag von mir gegen diese Barbaren in Clausnitz und Bautzen reagiert, weil ich diese Art der Fremdenfeindlichkeit als spezifisch ostdeutsches Phänomen dargestellt habe (habe ich gelöscht, um ihre Gemüter zu besänftigen. Dieser Beitrag kann sie wieder anheizen). Nun, das ist es offensichtlich. Klar gibt es Fremdenfeindlichkeit – und damit meine ich nicht argumentative Kritik an der Flüchtlingspolitik – auch im Süden und im Norden, aber der Osten ist statistisch auffällig.

Ich muss außerdem sagen, dass meine eigenen, sicher zu limitierten Erfahrungen in Ostdeutschland dieses Bild ausschließlich bestätigt haben. Diese Erfahrungen kann man mir nicht streitig machen und sie mir nicht nehmen, das war eben so. Wäre ich woanders im Osten hingegangen als etwa nach Goethes Wahlheimat Weimar (wo eine Bande Nazis sowie gleichermaßen „normale“ Bewohner einen ausländischen Mitschüler beleidigt und angegriffen hatten) oder zu einer Schulung für Zivildienstleistende (bei der sich die ostdeutschen Zivis durch einheitliche Meinungen gegen Schwule, Studenten und jede Art von „Anderen“ ausgezeichnet haben sowie für das „Totschlagen“ von Pädophilen) – vielleicht hätte ich einen ganz anderen Eindruck gewonnen. Habe ich aber nicht!

Die Ossis waren vor nicht allzu langer Zeit selbst häufig Asylsuchende im Westen. Das sollten die fanatischen „Asylgegner“ aus dem Osten nicht vergessen. OHL schrieb damals ein Lied über die ostdeutschen Spione, die den Westen unterminieren:

Sie kamen aus dem Osten
und baten um Asyl
Was man ihnen zugestand
war schon viel zu viel
Sie fraßen unsere Steuern
Sie fraßen unser Brot
Schickt sie nach Hause
Schlagt Spione tot

Abermilliarden sind in den Osten geflossen, die man übrigens der objektivistischen Ethik zufolge niemals hätte zahlen dürfen – nicht einen Cent – und dieser Hass gegen Flüchtlinge, aber auch gegen Andersdenkende und gegen rechtsstaatliche Institutionen, ist nun der Dank. Natürlich braucht sich jetzt lange nicht jeder Mensch in Ostdeutschland oder aus Ostdeutschland angesprochen zu fühlen – weil die Kollektivisten sind, tun sie es erfahrungsgemäß trotzdem🙂 – aber die Pegida-Fraktion schon. Man kann die Grenze bei der Gewalt und beim Verstoß gegen Gesetze ziehen. Das ist in Clausnitz und Bautzen geschehen. Und ja, sowas brauchen wir hier nicht! Schon gar nicht in Bayern, aber grundsätzlich nicht im Westen.

Der Osten kann uns attackieren
Er weiß, dass er gewinnt
Wenn wir uns nicht ernsthaft wehren
Kann es sein dass er uns verschlingt

Nieder, nieder, nieder,
Nieder mit dem Warschauer Pakt

(OHL)

Ich finde die Leugnung seitens meiner ostdeutschen Kumpanen, dass es da wirklich ein spezifisches ostdeutsches Problem mit der Fremdenfeindlichkeit gibt, ein bisschen wie die Leugnung von Muslimen, dass es in ihren Reihen auch Zwangsheiraten gibt. Ich würde dem als Muslim nicht widersprechen und ich würde mich auch nicht angesprochen fühlen.

Ich habe mich in der Tat in die Position der Ostdeutschen versetzt und geprüft, ob mich eine ähnliche Kritik auch so nerven würde wie sie meine Kritik an ihren kulturellen Problemen. Aber das ist nicht so. Wenn mir jemand sagt, dass Würzburg eine spießige Stadt ist, mit dem Konservatismus und der Grünen-Hochburg als Aspekt derselben Geisteshaltung, so würde ich dem sofort zustimmen. Das ist ein echter kultureller Mangel an meiner an sich schönen Stadt. Und ich fühle mich deshalb noch lange nicht angesprochen.

Ich möchte diesen absichtlich provokativen (hoffentlich kulturelle Selbstkritik provozierenden) Beitrag aber mit einer positiven Note schließen:

Es gibt keine deutsch-deutsche Einheit!

Nieder mit der deutsch-deutschen Freundschaft!

Es lebe die deutsch-deutsche Feindschaft!

Ein Kommentar zu “Ostdeutschland und Fremdenfeindlichkeit

  1. […] Ostdeutschland und Fremdenfeindlichkeit […]

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