Islam-Verharmlosung hilft Attentätern

Tatsache ist: Gebildete Menschen lachen hinter ihrem Rücken über die Islam-Verharmloser (Bild: Greyerbaby: Lachende Frau, pixabay, CC0.)

Gebildete Menschen lachen hinter ihrem Rücken über die Islam-Verharmloser (Bild: Greyerbaby: Lachende Frau, pixabay, CC0.)

Die Tagesschau veröffentlichte anlässlich der Anschläge in Belgien einen Kommentar von Monika Wagener mit dem Titel „Hetze gegen den Islam hilft Attentätern„. Sie argumentiert (oder behauptet), es wäre das Ziel der Islamisten, dass sich die Muslime in Europa ausgegrenzt fühlen, damit sie sich dann den Islamisten anschließen. Deshalb kommt den Islamisten die Islamkritik oder die „Hetze gegen den Islam“ angeblich entgegen. Durch die Kritik werden demnach alle Muslime über einen Kamm geschert. Die Europäer entwickeln eine feindselige Haltung gegenüber Muslimen. Muslime werden zu Islamisten. Und wir – wir Islamkritiker (offenbar gibt es davon nur eine Sorte) – haben am Ende die Drecksarbeit für die Islamisten gemacht.

Das ist ein totalitäres Argument, mit dem Kritiker zum Schweigen gebracht werden sollen. Wer den Islam kritisiert, hilft den Islamisten. Wer den Nationalsozialismus kritisierte, der half den Nazis. Wer den Kommunismus kritisierte, der half Stalin, der hilft Kim Jong-un und Raúl Castro. Insofern ist Barack Obama mit gutem Beispiel vorangegangen, als er jüngst bei seinem Kuba-Besuch meinte, die USA könnten sogar etwas von Kuba lernen. Es wird jetzt also genau auf die Art über die Anschläge in Belgien geredet, wie ich es in meiner Satire vorweggenommen hatte.

Reden wir jetzt einmal Klartext.

Nein. Die Kritik an einer Weltanschauung, die mit universellen Freiheitswerten letztlich inkompatibel ist (siehe dazu den Beitrag von Ufuk Özbe in Aufklärung und Kritik), ist absolut notwendig, wenn wir zu unseren universellen Werten stehen möchten. Alle westlichen Staatsoberhäupter betonten ja anlässlich der Anschläge in Belgien, dass wir das tun sollen – zu unseren Werten stehen. Gewiss: Die Kritik muss zum Wohle der Muslime als Menschen ausfallen, also dazu dienen, bei ihnen eine kritische Auseinandersetzung mit ihren Überzeugungen einzuleiten. Es geht nicht darum, gegen Menschen zu hetzen, sondern es geht darum, eine Ideologie zu kritisieren. Es gibt bei allen Differenzierungen einen als solchen definierbaren Islam – eine religiös-politische Weltanschauung. Ich habe in meinem Artikel „Aber nicht alle Muslime…“ dargelegt, warum wir sehr wohl „den“ Islam kritisieren können und sollten. Und der Islam ist nicht friedlich, wie Maximilian Gerber dargelegt hat.

Ich denke, dass Monika Wagener ein bösartiger Mensch ist. „Wir haben die moralische Verantwortung, Menschen, die den Islam verharmlosen, als böse zu verurteilen“, schreibt der amerikanische Philosoph Craig Biddle in einem Gastbeitrag. Wagener nutzt ihren Einfluss als Publizistin (oder „Journalistin“) aus, um die öffentliche Kritik an einer Weltanschauung zu unterbinden. Das spielt den Islamisten in die Hände. In der Tat ist es genau das, was die Islamisten wollen – Islamkritik unterbinden. Wie jeder Diktator und Möchtegern-Diktator die Kritik an seiner tragenden Ideologie schon immer unterbinden wollte. Das sind die Leute, die Islamkritiker, darunter vor allem Karikaturisten, umbringen, falls Sie es noch nicht bemerkt haben, Frau Wagener.

Eine solche kritische Auseinandersetzung mit Ideen ist seit der Aufklärung etwas, das die freie Welt auszeichnet. Und etwas, das sie vorangebracht hat. Jeder Mensch, der nicht in einer Höhle lebt oder Tomaten auf den Augen hat, kann sich heute einfach über den Islam informieren. Die grundlegenden Schriften des Islams – Koran, Hadithe, Leben des Propheten – sind öffentlich zugänglich. Die Geschichte der islamischen Welt ist öffentlich zugänglich. Die Interpretationen der islamischen Schriften und die theologischen „Entwicklungen“ der islamischen Welt sind öffentlich zugänglich. Wer sich selbst in den Wahnsinn treiben will und nicht häufig genug bedroht wird, hat auch viele Möglichkeiten, mit Muslimen in den Dialog zu treten. Nicht jeder muss ein Islamexperte werden. Aber jeder, der gar keine Ahnung hat, kann einfach mal die Fresse halten, bis er sich informiert hat, und bis dahin uns Erwachsene sagen lassen, was wir für notwendig und richtig erachten.

„Das echte Bildungsbürgertum orientiert sich nicht am Zeitgeist“

Mir ist aufgefallen, wie viele gebildete Menschen sehr gut über den Islam Bescheid wissen, auch wenn es nur wenige öffentlich sagen. Das tun sie selten, denn sie möchten nicht als „Rassisten“ gebrandmarkt werden. Ich denke, man gibt damit einer lauten Minderheit eine Macht, die sie nicht verdient hat. Einer Minderheit, die selbst der freien Gesellschaft und unseren altehrwürdigen Tradition der offenen Auseinandersetzung mit Ideen ablehnend gegenübersteht. Und die darum keine Rücksichtnahme verdient hat.

Ich denke, es ist an der Zeit, einmal den bösen Kaplan zu spielen. Die Wahrheit ist, dass alle Menschen, die sich ernsthaft mit wichtigen Themen befassen, Islam-Verharmloser für verblödet erachten. Es ist ja so, dass man nach Vorträgen und Veranstaltungen sich noch mal in kleiner Runde austauscht, zusammen etwas essen geht und so weiter. Ohne näher ins Detail zu gehen (es soll ja niemand als „Rassist“ gebrandmarkt werden), aber: Beinahe jeder Akademiker jeglicher Art, mit dem ich jemals über den Islam geredet habe, glaubt, dass ihr, liebe Islam-Apologeten, dass ihr eine Lachnummer seid. Seien es Physiker, Philosophen oder Literaturwissenschaftler: Wir machen hinter eurem Rücken Witze über euch. Ihr steht im Zentrum des Gespötts von Leuten, die ansatzweise ein ernsthaftes Interesse an der Welt haben.

Das echte Bildungsbürgertum orientiert sich nicht am Zeitgeist und wiederholt einfach, was irgendwelche „anspruchsvollen“ Medien behaupten. Man setzt sich vielmehr auf seinen Hintern und erträgt den Schmerz und die Lebenszeit, die es kostet, sich durch diese literarisch unerträglichen Machwerke wie den Koran und die Hadithe durchzuackern, weil man dann die Welt ein bisschen besser versteht. Und dann sollen wir die Klappe halten, um nicht als „Rassisten“ bezeichnet zu werden – von irgendwelchen Anpassern, die uns schon in der Schule gehänselt und die wir schon in der Schule gehasst haben?

Um es einmal mit den Worten den bösen Kaplans von der britischen Satiresendung That Mitchell and Webb Look, meinerseits umgeschrieben mit Bezug auf die Islamkritik-Zensierer, auszudrücken: „Seid ihr nicht alle berechtigt zu euren dilettantischen Denkereien über den Islam? Ihr grübelt für 25 Minuten über das Verhältnis von Islam und Terrorismus nach und glaubt, ihr kommt zu interessanten Schlussfolgerungen. Wir stehen mit über 2500 Jahren Philosophie und Geschichte und Gehirn zermarternden Studien da. Und eure im Internet zusammengesuchte Meinung ist für uns keinen Pfifferling wert. Ich habe euch in der Tagesschau gesehen. Wir haben euch alle in der ZEIT und in der Süddeutschen Zeitung beobachtet. Wir haben gesehen, wie ihr eure kleinen Tweets schreibt, euch gemeinsam dagegen aussprecht, dass wirklich informierte Menschen etwas sagen dürfen, wir haben gesehen, wie ihr die Kekse von anderen Leuten esst. Wir haben euch alle von unserer Bibliothek aus beobachtet. Und wir haben alle gedacht, ihr seid Schlampen.“