Das Ende des Öffentlich-Rechtlichen

Seit ich den nationalistischen, von über 1,6 Millionen Zuschauern gesehenen Videoclip „Germans on the Rise“ von ZDF Neo kenne, frage ich mich, wie mein ehemaliger Medienrechtsprofessor eigentlich jetzt noch das öffentlich-rechtliche Fernsehen verteidigen würde. Er war sehr kritisch mit den inzwischen umfassenden Skandalen des Öffentlich-Rechtlichen ins Gericht gegangen, aber insgesamt betonte er vor allem das höhere Niveau und die kulturellen und qualitätsjournalistischen Leistungen als Gründe, die dem Öffentlich-Rechtlichen Legitimität verleihen, inklusive der Zwangsfinanzierung.

Nun. Jetzt hat das ZDF mit Zwangsgebühren einen Musikclip finanziert und veröffentlicht, der einen sehr großen Teil der deutschen Bevölkerung – diejenigen, welche die Flüchtlingspolitik der Regierung ablehnen – direkt und offen mit Hitler vergleicht. Einen Clip, in dem ein kleines Mädchen Andersdenkende, welche die Regierungspolitik nicht unkritisch mittragen, mit „Ihr Pimmelköpfe“ anspricht, sie „Ihr asozialen Knallköppe“ nennt und schließlich „Fickfresse“, dann „Arschloch“ und am Ende noch „Fotze“. Daraufhin werden die anders als die Regierung denkenden, in grauer Farbe dargestellten Bürger mit einer Kartoffel und einem Buch beworfen. Schließlich werden sie gewaltsam aus dem Land vertrieben – von Leuten, die eine sogenannte „Meinungsfreiheit“ betonen, die es in Deutschland geben soll. Am Ende des Clips schwenken die „bunten“ Bürger, die Regierungsunterstützer, viele große, europäische Flaggen und eine kleine deutsche Flagge am Rand.

Dann, im echten Leben, kommen die Gebühreneintreiber zu den Betroffenen und fordern ihre Zwangsabgabe für die Hochkultur-bewahrende, den Zusammenhalt unserer Gesellschaft fördernde Leistung, mindestens die Hälfte der Bevölkerung, die der Flüchtlingspolitik nicht ganz unkritisch gegenübersteht, „Fickfresse“ genannt zu haben. Und Gerichte bestätigen wiederholt, dass diese Zwangsfinanzierung des Öffentlich-Rechtlichen rechtlich einwandfrei wäre. Es ist in Deutschland also rechtlich einwandfrei, unter Strafandrohung dafür bezahlen zu müssen, „Fickfresse“ und „Arschloch“ genannt zu werden, wenn man nicht mit der Regierung übereinstimmt. Vergleicht das mal mit Hitler, ZDF.

Das muss man erst einmal verdauen. Diesen Clip finden nicht nur „Rechte“ bedenklich, sondern auch viele Liberale und selbst linke Befürworter von offenen Grenzen. Nun zum Grund, warum ich das Video „nationalistisch“ genannt habe. Zum Beispiel meinte Sascha Lobo, der nicht gerade als reaktionärer AfDler bekannt ist, folgendes zum Clip: „Das Video ist nicht zufällig englisch untertitelt, AfD-Wähler sind höchstens Begleitzielgruppe. „Believe us“, seid doch mal deutsch, ey, wir sind jetzt die Guten: Das Lied funktioniert eindeutig als überhebliche Botschaft in die Welt. Von USA/Trump bis Russland/Putin: Wir, die GröBAZ (Größten Böse-Experten aller Zeiten), sagen Euch jetzt Mal, wie es nicht geht. Herzliche Wesensgenesung, Euer neues Vorbild in moralischen Fragen. Und das ist nicht der Beigeschmack, sondern das ist das servierte Tellergericht.“ Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.

„Abgesehen von einer widerlichen, kleinen, aufgeblasenen Elite sind weiterhin fast alle Bürger zum friedlichen, zivilisierten Austausch bereit“

In der Tat ist die Botschaft, wir Deutschen könnten nun international als Moralprediger auftreten, weil damals Millionen Deutsche Hitler unterstützt hatten und nach dem verlorenen Krieg nicht mehr, an Absurdität und blanker Frechheit nicht mehr zu überbieten. Demnach qualifiziert es die Russen, der Welt den moralischen Zeigefinger vorzuhalten, weil dort jahrzehntelang Stalin herrschte. Und Kambodscha kann uns die Welt erklären, weil Pol Pot dort das Sagen hatte. Demnach muss man im Grunde nur einen Diktator wählen, den Diktator dann von fremden Mächten besiegen lassen, um sich dann als das moralische Vorbild der Welt aufspielen zu können. Wer auch immer sechs Millionen Juden ermordet und dann nicht mehr, der kann den Rest der Welt zur Besserung ermahnen. Weil – er hat sie ja irgendwann nicht mehr ermordet. Nachdem er gewaltsam durch einen Weltkrieg dazu gezwungen wurde.

Alleine die beleidigende Ausdrucksweise, die Form des Clips, ist mit dem Auftrag des Öffentlich-Rechtlichen unvereinbar. Es schmerzt in meinen Fingern, diese offensichtliche Tatsache auch nur in die Tastatur tippen zu müssen. Was tun jetzt Schullehrer, die ihren Schülern die Erhabenheit und Qualität des Öffentlich-Rechtlichen nahebringen möchten? „Liebe Kinder, also das mit der Fickfresse, das will ich nicht mehr von euch hören, nur weil es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen läuft, das die gesellschaftliche Kommunikation geordnet ermöglicht, damit wir uns zivilisiert über Themen von sozialer Bedeutung austauschen können. Ähm… Und bitte schaut nicht mehr dieses niveaulose Zeug im Privatfernsehen!“

Die Existenz dieses Clips und die Tatsache, wer ihn finanziert und gesendet hat, ist alles surreal. Alle deutschen Bürger müssen nun für Regierungspropaganda bezahlen, für Fernsehsendungen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden, für niveaulose Sprache, für die Ausgrenzung großer Bevölkerungsteile aus der Gesellschaft. Ich kann euch nur bitten, nicht auf die aufwiegelnden Beiträge des ZDF zu hören, und weiterhin in den Dialog mit euren Mitbürgern zu treten. Die ZDF, das sind verantwortungslose Politaktivisten, aber Befürworter und Gegner der Regierungspolitik können weiterhin friedlich miteinander reden. Ich hasse weder Gegner, noch Befürworter offener Grenzen und abgesehen von einer widerlichen, kleinen, aufgeblasenen Elite sind weiterhin fast alle Bürger zum friedlichen, zivilisierten Austausch bereit.