Rückkehr zum Neuen Atheismus

Richard Dawkins: Die Schöpfungslüge. Warum Darwin Recht hatIch bin zurück. Als Übersetzer von Artikeln der Neuen Atheisten. Das war vor Jahren einst meine Aufgabe beim Humanistischen Pressedienst, siehe dort meine Projektreihe Die Neuen Atheisten. Nun bin ich nebenbei für die Richard Dawkins Foundation für Vernunft und Wissenschaft als Übersetzer von Texten der Neuen Atheisten wie Richard Dawkins und Sam Harris tätig.

Meine erste Übersetzung stammt vom Zoologen Richard Dawkins und nennt sich: „Ist es eine Theorie? Ist es ein Gesetz? Nein, es ist eine Tatsache“ (übrigens eine Anspielung an die alten Superman-Comics: „Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist Superman!“). Es geht darum, dass die natürliche Evolution eine Tatsache ist. Mit Atheismus hat der Artikel direkt nichts zu tun, was bedeutet, dass ich auch wieder wissenschaftliche Artikel übersetze. Mein Herz gehört eben der Volksbildung. Oder Aufklärung. Oder was es auch ist, was ich da eigentlich tue.

Ich habe nämlich vor kurzem aus dem Fenster gesehen. Normalerweise sitze ich ja nur von dem PC und bewege mich anderweitig nicht, außer, um das Notwendigste wie die Fliegen und Mäuse in meiner Wohnung zu verspeisen. Und ratet, was meine Äuglein da draußen erblickten? Ja, die Sternsinger. Ok, ich schätze, das ist schon wieder eine Weile her, das sich aus dem Fenster blickte. Der Punkt es: Die Religion gibt es immer noch! Ich dachte, ich hätte genügend dagegen angeschrieben, aber nein. Die Leute glauben weiterhin komisches Zeug!

Mit meinen religionskritischen Texte hatte ich mir einst einen Namen gemacht, mehr als mit allem anderen, was ich so angestellt habe. Auch Jahre später kamen noch Leute zu mir und meinten, es wurde auch Zeit, dass es endlich mal jemand sagt, was für ein Unsinn das eigentlich alles ist. Man hatte sich gar nicht getraut in diesen Humanistenverbänden mit ihren politischen Liaisons, ménagements, Horsd’œuvre und so weiter, mal einfach die eigene Meinung zu äußern.

Aber warum ist der Atheismus überhaupt wichtig? Das ist er nicht. Wenn sich jemand vernünftig mit der Gottesfrage befasst, also philosophisch, und zu einem anderen Ergebnis kommt als ich, habe ich damit kein Problem. Wichtig ist folgendes: Sein Leben nicht an willkürlichen Überzeugungen auszurichten, sondern an der Wahrheit. Die Wahrheit erfährt man durch die widerspruchsfreie Identifikation der Realität, also durch die logische Erkenntnis und Einordnung von dem, was man beobachtet. Letztlich ist mir die philosophisch-wissenschaftliche Herangehensweise heilig. Ich glaube, dass wir uns selbst zerstören, wenn wir uns von der Vernunft abwenden.

„Das Ziel der Erkenntnis muss immer die Wahrheit sein und nicht das, was andere sagen.“

Individuell kann man nicht alles aus erster Hand überprüfen – etwa alle wissenschaftlichen Experimente wiederholen – und vertraut letztlich oft seinen Mitmenschen, etwa seinen Eltern und Lehrern, dass sie die Wahrheit sagen. Aristoteles hat es für richtig befunden, dass wir den weisen und erfahrenen Männern in der Gesellschaft (den kulturell einflussreichen Überzeugungen der intellektuellen Elite, was es in Deutschland leider so gar nicht gibt) zunächst einmal Glauben schenken. Haben wir jedoch einen Grund, eine Überzeugung kritisch zu überprüfen, sollten wir es tun. Das Ziel der Erkenntnis muss immer die Wahrheit sein und nicht das, was andere sagen. Was andere sagen ist nur ein Hilfsmittel.

Meine Religionskritik ist also in erster Linie epistemologisch begründet. Meiner Erfahrung nach ist sie bei den meisten heutigen Religionskritikern in Deutschland ethisch und politisch begründet. Diese rückständigen Gläubigen sollen nicht gegen die angesagte Homoehe sein, sollen Nacktbaden und Prostitution und Patchworkfamilien und Umverteilung befürworten und was weiß ich noch alles. Und nur die Religion steht dieser hedonistisch-sozialistischen Utopie angeblich im Weg.

Mit solchen Dingen mag sich der gemeine Pöbel befassen. Mir sind solche Anliegen egal, beziehungsweise lehne ich sie teilweise sogar ab. Humanismus und Vernunft sollte man nicht politisch vereinnahmen lassen, ob von links oder rechts. Mir geht es um die Loyalität zur Wirklichkeit, wie auch immer sie beschaffen ist, um das konsequente rationale Denken und den argumentativen Austausch in allen Angelegenheiten, denn die Vernunft ist unsere Überlebensmethode. Zu welchem Ergebnis wir bezüglich Homoehe und diesem Zeug kommen, wenn wir diese Themen im rationalen Austausch offen und ehrlich untersuchen, ist eine andere, viel konkretere Frage. Wichtig ist nur, dass niemand einfach sagen kann: „Gott will es“ oder „Gott will es nicht“ oder „die Gesellschaft will es“ und meint, damit irgendetwas Substanzielles geäußert zu haben. Es ist mir egal, was irgendwer will. Bitte nur die Fakten, Madam!

Die Neuen Atheisten sind diejenigen, die in unserer Zeit klar und laut gesagt haben: Schluss mit dem Unsinn! Orientieren wir uns an der Vernunft! Das ist die Essenz dieser intellektuellen Bewegung. Und darum unterstütze ich sie.