Transgender transzendieren

„Weder die einfache Äußerung, man habe nun ein anderes Geschlecht, noch eine Operation kann Ihre Chromosomen ändern. Weder das eine noch das andere „macht“ eine Frau aus einem Mann, wie es einen auch nicht zu einem Drachen macht, wenn man sich die Nase und die Ohren abschneidet.

Geschlechtsumwandlung bleibt eine Lifestyle-Wahl für die Reichen. Wann immer Sie von einem Mann lesen, der sein Geschlecht verändern ließ oder von einer Frau, die erklärt, sie wäre nicht länger eine, weil sie das sagt, dann kommen die kaum je aus innerstädtischen Sozialwohnungen oder aus Drittwelt-Slums. Es geht stets um einen Promi-Chefkoch oder Komiker oder um ein paar wohlhabende Dummköpfe (…).“ Das schreibt Patrick West vom Novo-Partner Spiked: http://buff.ly/1qEZUQk

GWUP-Vorsitzender Armadeo Sarma schrieb mir dazu: „Der Mann hat keine Ahnung, siehe zum Beispiel: https://de.wikipedia.org/wiki/Hijra – sie sind in 4 Ländern als drittes Geschlecht anerkannt, siehe auch http://www.welt.de/politik/ausland/article126989897/In-Indien-gibt-es-jetzt-drei-Geschlechter.html “

Ich schätze mal, da wird sich die Realität – dass es nur zwei Geschlechter gibt – dem politischen Zeitgeist fügen müssen. Überhaupt schwappten mal wieder die politisch korrekten Emotionen über, als bei Facebook über dieses Thema diskutiert wurde…

Gábor Zádor bemerkte in der öffentlichen Facebook-Diskussion auf der Novo-Seite: „Genau, denn der, wer entscheidet, ob und dass jemand ein Mann oder eine Frau ist, ist natürlich Patrick West und nicht die betreffende Person vielleicht selbst…“

Meine Antwort lautete: „Die Frage „Wer (!) befindet über metaphysische Tatsachen“ ist eine religiöse Frage, die im säkularen Zeitalter nicht mehr mit „Gott“, sondern mit „jedes Individuum selbst“ beantwortet wird. Beide Antworten sind falsch. Die Welt ist einfach wie sie ist. Männer haben XY-Chromosomen, Frauen haben XX-Chromosomen und das ist das Ende jeder sinnvollen Diskussion über die Frage, wer ein Mann ist und wer eine Frau.

Jenseits davon liegt ein Irrsinn, der gegen unveränderliche Fakten anschreit, sich bei Autoritäten darüber beschwert, sich über Leute beschwert, die Fakten als solche anerkennen, der rumheult und Messer schwingt, um Fakten wegzuschneiden, weil man doch endlich Macht ausüben möchte über das, worüber niemand Macht ausüben kann, wie die Magier der Sowjetunion, die glaubten, die Wirtschaft müsse ihren 5-Jahresplänen gehorchen und nicht den wirtschaftlichen Zusammenhängen.“

Ich höre diese Frage so schrecklich oft. „Wer“ entscheidet darüber, was objektiver Journalismus ist? „Wer“ entscheidet, ob die Ehe eine gute Institution ist? „Wer“ entscheidet, ob es gut ist, wenn Frauen zwangsverheiratet werden? Es gibt kein „Wer“.

Es gibt keinen Gott, der solche Dinge entscheidet und sie werden auch nicht individuell von Menschen entschieden. Die Tatsachen der Realität, die metaphysischen Gegebenheiten legen fest, wie die Dinge sind. Wir können dies nur untersuchen und erkennen oder es ignorieren und ausblenden. Wir können die grundlegende Realität nicht erschaffen. Wir können nur die Naturgesetze erforschen und sie anwenden. Wir können nur die Materie, die wir vorfinden, neu kombinieren. Wir können keine neue Materie erschaffen oder die Identität der Materie – oder des menschlichen Geistes – verändern. Und auch die menschliche Ethik sollte auf den Tatsachen der Realität beruhen, auf der Frage, wie ein Mensch als das, was er ist, leben sollte.

„Es gibt keinen Gott, der solche Dinge entscheidet und sie werden auch nicht individuell von Menschen entschieden.“

Angesichts der menschlichen Natur, der Beschaffenheit des menschlichen Erkenntnisapparats und beispielsweise der Natur des Journalismus, kann man zumindest näherungsweise bestimmen, was objektiver Journalismus ist. Man kann auch objektiv herausfinden, ob die Ehe eine gute Institution ist (beurteilt am objektiven Maßstab, ob und unter welchen Bedingungen sie dem menschlichen Leben dient) und ob es gut ist, wenn Frauen zwangsverheiratet werden.

Dieses ewige „Wer“ ist ein Relikt des religiösen Subjektivismus, der hinter allem eine persönliche Intention wahrnimmt, einen handelnden Akteur, der über Gut und Böse richtet. Dank Immanuel Kant wurde aus dem über-menschlichen, göttlichen Subjektivismus ein menschlicher, individueller Subjektivismus. Jetzt entscheidet es nicht mehr der „Wer“ im Himmel, sondern jeder individuelle „Wer“ hier auf Erden. Jedenfalls aus Sicht der Anhänger solcher primitiven, vor-wissenschaftlichen Auffassungen. Bei allem Respekt.

Helmut Brodt meinte: „Ändert das, was der Mann hier von sich gibt auch nur einen i- Tüpfelchen an der Situation derer, die sich im falschen Körper geboren fühlen?“

Meine Antwort: „Vielleicht sollten sie [die Transsexuellen, die lediglich aufgrund eines „Gefühls“ einen anderen Körper möchten] aufhören, willkürlichen Schwachsinn zu fühlen? Manche Leute fühlen sich auch von Illuminaten verfolgt oder fühlen, dass sie von Aliens entführt wurden. Der Zeitgeist verteidigt diesen einen Schwachsinn, aber nicht diesen anderen.“

Dazu möchte ich ergänzen: Falls es einen biologischen Grund, eine Gehirnerkrankung oder etwas in dieser Richtung gibt, wodurch eine Person sich im falschen Körper geboren fühlt – dann ist das sehr tragisch und die Person verdient unser Mitgefühl wie jeder, den eine schreckliche Krankheit befällt. Solche Menschen würde ich natürlich nicht verurteilen. Es ist aber so, dass es viele Transgender gibt, die eigentlich keinen biologischen Grund haben, sich im falschen Körper zu fühlen. Es ist vielmehr ein irrationales Gefühl, das zum Beispiel etwas mit unserem femininen Zeitgeist, schrägen persönlichen Erlebnissen, Vagina-Neid oder mit sonst irgendetwas Absurdem zu tun hat, aber das keine Ursache hätte, für den man die Betroffenen nicht be- und verurteilen dürfte.

Diejenigen, die sich dazu entscheiden – und nicht aufgrund eines körperlichen Gebrechens -, sich „umoperieren“ zu lassen, sind irrational. Sie sind ebenso irrational wie jene, die sich statt dem Penis ihren linken Arm abschneiden. Und die das dann so begründen: „Ich habe einfach gefühlt, dass mein linker Arm noch nie so wirklich zu mir gehörte.“

Fridjof Krenz meinte: „Sollten die Leute nicht trotzdem entscheiden dürfen, sich als andersgeschlechtlich zu definieren, wenn es sie glücklich macht? Hat das nicht auch was mit Freiheit zu tun? Was hat Patrick West für einen Nachteil davon? Oder warum interessiert er sich so brennend für die Chromosomen fremder Leute?“

Meine Antwort: „Mal angenommen, es gäbe einige Leute, die sich die linke Hand abhacken, weil sie glauben, sie wäre mit einem Mal des Teufels versehen (was es mal gegeben hat) – würde man dann auch einfach sagen: Sollen sie doch, wenn es sie glücklich macht? Nur reaktionäre Hinterwäldler könnten jemals ein Problem damit haben! Der einzige Grund, warum jemand öffentlich dieses Thema ansprechen könnte, ist doch, dass er den armen paar Leuten ihr gottgegebenes Recht nehmen möchte, sich ihre Hand abzuhacken!“

„Mal angenommen, es gäbe einige Leute, die sich die linke Hand abhacken – würde man dann auch einfach sagen: Sollen sie doch, wenn es sie glücklich macht?“

Gábor Zádor sagte: „Ich finde auch seltsam, dass genau von dieser Seite einem jeden Tag erzählt wird, dass a) Freiheit das allergrößte persönliche Gute ist, es b) quasi schon geradezu Pflicht/logische nächste Stufe der menschlichen Entwicklung ist, die Natur durch wissenschaftliche Eingriffe fortwährend zu manipulieren und sich Untertan zu machen, aber wenn’s um appe oder halt eben künstlich angedengelte Pillermänner geht, ohne oder mit denen sich die individuelle Person dann besser fühlen würde, das ist dann natürlich auf einmal die absolute Unmöglichkeit und absolut unantastbares Natur/Gottheitengesetz.“

Meine Antwort: „Es gibt keine Freiheit zur Veränderung metaphysischer (oder „ontologischer“) Tatsachen. Man kann Naturgesetze nicht ändern. Man kann sie nur studieren, lernen, anwenden. Es ist einfach grottenschlechte Philosophie, etwas anderes zu behaupten. Es ist ein Tritt in die Eier des Freiheitsgedankens, eine Befreiung von Tatsachen zu fordern. (Das ist, genau genommen, die existenzialistische Philosophie, welche die Willensfreiheit auf diese Art absolut setzt).

Dazu gibt es ein sehr vernünftiges Gebet, das ich auch als Atheist mittragen kann:

„Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Die Weisheit fehlt zunehmend vielen Menschen.“

Außerdem würde ich ergänzen: Es geht nicht darum, zurechnungsfähigen erwachsenen Menschen zu verbieten (Kindern und ihren Eltern würde ich es allerdings verbieten), sich den Penis oder den Arm abzuschneiden, wenn sie glauben, der gehört irgendwie nicht zu ihrem „wahren Selbst“. Auf der anderen Seite stellt sich da schon die Frage, wie zurechnungsfähig die eigentlich sind. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, wenn jemand, der bei (anderweitig) klarem Verstand ist, sich äußerlich zu einer Frau „umoperieren“ lassen möchte, ihm das erlaubt sein sollte. Ein Arzt, der da mitmacht, den würde ich aus meinem Berufsverband werfen, aber das ist dann nicht mehr die Sache der Gerichte.

„Es ist ein Tritt in die Eier des Freiheitsgedankens, eine Befreiung von Tatsachen zu fordern.“

Aber er ist trotzdem irrational, wenn jemand glaubt, er könnte durch Amputationen sein natürliches Geschlecht – das genetisch bestimmt und somit unveränderlich ist! – verändern. Und ich werde mir mein Recht nicht nehmen lassen, das zu sagen. Sonst dürfte ich andere Irrationalismen auch nicht mehr kritisieren und die Alternativen aufzeigen – wie, sich nicht seine Körperteile abzuschneiden, sondern sich mit sich selbst zu arrangieren. Und sich mit Philosophie zu befassen, um solche verhängnisvollen Denkfehler zu vermeiden.

Meine Position zu der Sache entspricht grundsätzlich der des objektivistischen Philosophen Leonard Peikoff. „Ich halte Transgender für einen metaphysischen Angriff auf die Realität (…).“

Was die Position von Spiked angeht, die Gábor Zádor als inkonsistent kritisierte: Die Redaktion vertritt keine systematische Philosophie, die alle möglichen Detailfragen konsistent adressieren könnte, wie ich sie persönlich hier vertrete. Es ist auch eher die Regel und vielleicht besser, dass Redaktionslinien weit gefasst sind und nicht zu eng, sonst würde man zu viele Leute ausschließen, die eigentlich tendenziell auf derselben Seite sind. Gelegentlich heißen einige Autoren dort auch existenzialistische Denker wie Sartre gut oder andere wie Kant (oder natürlich Marx), die ich entschieden ablehne.

Man müsste daher die individuelle Philosophie eines Autors beurteilen, um festzustellen, ob sie konsistent ist oder nicht. Da genügt keine Kritik an einer vagen Redaktionslinie. Für individuelle Freiheit und wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt sind wir alle. Von der groben Gemeinsamkeit abgesehen gibt es Unterschiede und darf es auch Unterschiede geben. Sonst schneide ich mir meinen linken Arm ab.