Transgender 3: Die Rückkehr des Cisgender

Der Ökonom und Skeptiker Ulrich Berger hat mich auf einen scheinbaren Widerspruch in meinen beiden Artikeln über Transgender aufmerksam gemacht: Transgender transzendieren sowie Und geheiligt werde die Willkür. Die Kritik kommt gelegen, denn so kann ich die Missverständnisse ausräumen…

Ulrich Berger:

„Die Zuweisung von Begriffen mit bestimmten Definitionen ist eine epistemologische Herangehensweise, keine metaphysische (ontologische) Feststellung. Das heißt: Wir teilen das, was wir beobachten, in bestimmte Kategorien ein, damit wir es besser verstehen können, nicht, weil die Natur selbst irgendwo einen Aufkleber mit “Frau” oder “Mann” irgendwo draufgeklebt hätte. .“

Das klang vor kurzem noch so:

„die Realität – dass es nur zwei Geschlechter gibt … Es gibt keine Freiheit zur Veränderung metaphysischer … Tatsachen.“

Und gleichzeitig hat sich die These von „Es gibt nur Männer und Frauen“ zu „Es gibt Männer und Frauen“ verschoben. Erstere halte ich für Unsinn, zweitere für trivial. Deshalb „Zurückrudern“.

Ich habe die Kritik auf Facebook wie folgt beantwortet:

Begriffe haben eine erkenntnistheoretische Funktion, die Beschreibung der Realität, sodass sie dem Menschen verständlich ist. Bienen sehen etwa UV-Licht, aber sie nehmen auf ihre Art auch die Realität wahr. Wir verwenden unsere Sinne und identifizieren sprachlich bewusst, was wir wahrnehmen. Begriffe sind eine ökonomische, abstrahierende Beschreibung der Realität. „Mann“ bezeichnet nicht einen konkreten Mann, sondern die Gesamtheit aller Menschen, die Männer sind. Männer unterscheiden sich durch bestimmte Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Nicht-Männern.

Was sind die essenziellen Gemeinsamkeiten von allen Männern? Welche Definition trifft das Wesen des Mannes am besten? Die genetische Zusammensetzung ist eine denkbare Unterscheidung. Man kann Begriffe nie durch Sonderfälle definieren. Die XX-Männer-Kritik entspricht dem Einwand, dass ja nicht alle Rotkehlchen fliegen können. Einige sind schließlich mit kaputten Flügeln geboren. Es sind trotzdem Rotkehlchen. Man geht bei Definitionen stets vom Normalfall aus.

Die Gender-Fraktion gebraucht eine rein kulturalistische Definition von Mann, bzw. geht von wandelnden Definitionen aus. Was ein Mann ist, wird demnach alleine kulturell bestimmt. Ich sage, es wird essenziell biologisch bestimmt. Das kulturelle Männlichkeitsbild ist eine davon unabhängige Frage.

Es gibt nur zwei menschliche Geschlechter. Ich sehe nicht, was das dritte sein sollte.

Bestimmt man das, was ein Mann ist, kulturalistisch, so gibt es keine Männer, sondern nur etwas, das in bestimmten Kulturen „Mann“ genannt wird. In anderen Kulturen bist du vielleicht kein Mann, weil du ein bestimmtes Übergangsritual nicht absolviert hast.

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Das sollte erst einmal genügen zu diesem Thema. Eigentlich würde ich gar nichts darüber schreiben, gäbe es nicht diese seltsamen Leute, die Begriffe wie „Cisgender“, „*Trans“ und dergleichen verwenden und der Welt mit ihrem linken Äquivalent zur identitären Bewegung auf die Nerven gehen. Der Amazing Atheist hat übrigens mächtigen Ärger für seine Kritik an Leuten bekommen, die überzeugt sind, sie wären Fantasiewesen.

Die sogenannten „Otherkin“ glauben, sie hätten zum Beispiel die Seele von außerirdischen Drachen aufgenommen. Sie fressen nur keine Menschen, weil sie veganische Drachen sind (oder in ihrem früheren Leben waren). Der Amazing Atheist befürchtet, dass durch diesen Otherkin-Unsinn Transsexuelle diskreditiert werden, die sich für Mitglieder des jeweils anderen Geschlechts halten, obwohl sie es nicht sind, wie Otherkin keine Drachen sind. Was mich zu der Frage führt: Gibt es auch hormonelle Gründe dafür, dass sich manche Leute für Drachen halten? Ansonsten wäre es zumindest möglich, dass manche Transgender einfach nicht mehr alle Tassen im Schrank haben.