Hatte ich Unrecht über den Atheismus?

So, ich bin ich wieder da. Ich hatte eine Weile kein WLAN in meiner neuen Wohnung in Hamburg. Jetzt habe ich es. Also ist es Zeit, die Welt erneut mit meinen unorthodoxen Ansichten zu belästigen.

Ob er sich mit dem Atheismus geirrt hat, ist eine Frage, die der libertäre Atheist Stefan Molyneux in einem interessanten Video aufwirft:

Es geht nicht darum, ob wir Atheisten bezüglich Gottes Existenz Unrecht hatten. Vielmehr geht es darum, welche anderen Auffassungen der Glaubensverlust begünstigt. Atheisten sind zum überwältigenden Anteil politisch links. Unter anderem eine große Umfrage der amerikanischen Freedom From Religion Foundation gelangt zu diesem Ergebnis. Nur ungefähr fünf Prozent der befragten 8000 Atheisten sind libertär oder konservativ. Fast alle von ihnen „engagieren“ sich für linke Anliegen wie „Frauenrechte“, „die Umwelt“ und „Tierrechte“ (mehr der befragten Atheisten engagieren sich für Tierechte als für die Wohlfahrt!).

Unheimlich viele „Atheisten“ im Westen heute glauben meiner Erfahrung nach an den Staat anstelle von Gott – und sie übertragen auf den Staat all die wundersamen Eigenschaften Gottes. Wie Allmächtigkeit (kann Probleme wie Armut und Arbeitslosigkeit lösen), Unfehlbarkeit (wenn etwas geschieht, sind Privatunternehmen oder der ganze Kapitalismus schuld – nie der Staat) und Omnipräsenz (soll überall in der Gesellschaft, sogar im Privaten, wirken und Probleme lösen). Der Staat ist für sie der Lenker der Gesellschaft.

Staatsgläubige Atheisten sind eigentlich keine Atheisten. Sie verehren lediglich einen neuen Gott, den Staat. Der Staat ist für sie keine Gruppe an menschlichen, fehlbaren Verwaltern, die für die Bewahrung von Recht und Sicherheit zuständig sind, sondern der Staat ist für sie ein allmächtiges Wesen, das eine utopische Gesellschaft erschaffen soll, wo alle Menschen und Tiere gleich gemacht, also zu nichts gemacht werden.

„Staatsgläubige Atheisten sind eigentlich keine Atheisten.“

Außerdem sind Atheisten tendenziell eher kinderlos. Laut Molyneux ist ein Grund dafür die Weigerung, Kinder aufzuziehen, sich höheren Maßstäben und Zielen im Leben zu unterwerfen, quasi eine Art kurzsichtiger Egoismus. Atheistische Organisationen verkommen schnell zu Social-Justice-Warrior-Gruppen, die sich gleich wieder auflösen, während religiöse Organisationen soziale Aufgaben wie Kinder- und Altenbetreuung übernehmen.

Schließlich sind Atheisten häufig übellaunige Zyniker, die bösartige Kommentare im Internet schreiben und ansonsten offenbar nicht viel tun, sicherlich nicht sich für die Wohlfahrt engagieren, wie der amerikanische Soziologe Arthur C. Brooks herausgefunden hat.

Ich würde allerdings auf eine Gemeinsamkeit hinweisen: Religiöse Menschen und materialistische Atheisten der beschriebenen Art teilen einen Glauben an ein allmächtiges Wesen, ob Gott oder Staat, das für sie und andere das Denken und Handeln und das Setzen von Lebenszielen übernimmt. Ob sie sich dem Leben im Sinne Gottes oder dem Leben im Sinne eines sozialistischen Staates unterwerfen, ihr eigenes Leben wollen sie nicht selbst bestimmen und mittels Vernunft eine Orientierung herausfinden. Im Grunde teilen sie alle eine Sklavenmoral und erreichen nur eine niedrige Stufe im Kohlberg-Schema der Moralentwicklung (die objektivistische Ethik befindet sich auf der sechsten Stufe).