Brexit, Lügen und die Wahrheit

Die Darstellung von Brexit in den meisten Massenmedien, insbesondere in den Öffentlich-Rechtlichen (Albtraum Brexit), war vollkommen einseitig und mit den übelsten verleumderischen Methoden gegen Brexit-Anhänger gerichtet. Wer sich für die Unabhängigkeit Englands von der EU einsetzte, soll laut dieser Vorstellung fremdenfeindlich sein, Boulevardzeitungsleser und einfach minderbemittelt. Außerdem hätten nur die alten Engländer Brexit durchgesetzt und verderben den jungen Briten dadurch die Zukunft. Die Wahrheit – übrigens auch, was die bloßen Statistiken angeht – sieht vollkommen anders aus.

Was „Alte zwingen Jungen Brexit auf“ betrifft: Wie Sciencefiles aufgezeigt hat, haben tatsächlich mehr Alte als Junge für den Verbleib in der EU gestimmt und gegen Brexit. Die Wahlbeteiligung war nur bei den älteren Wählern viel höher. Bei den 18-24-jährigen betrug die Wahlbeteiligung 36 Prozent, während 83 Prozent der über 65-jährigen zur Wahlurne schritten. Was die Gründe angeht, die Brexit-Wähler für ihre Haltung anführten, stand die demokratische Selbstbestimmung über das eigene Land ganz oben (und eben nicht „wir haben Angst vor Fremden“).

Statt zur Wahl zu gehen, beschwerten sich die jungen Briten im Nachhinein bei einer Online-Umfrage über Brexit, bei der drei Millionen Leute abgestimmt haben, mit Abstand die meisten davon aus anderen Ländern. Übrigens stammen 8000 der Abstimmenden aus der Vatikanstadt, die nur 800 Einwohner hat. Ein Schelm, wer Böses denkt. Das alles macht die jungen Briten – und schließen wir besser keine Wetten auf die jungen Deutschen ab – zu der politisch nutzlosesten, verwöhntesten, arrogantesten und dreistesten Generation seit Jahrzehnten. Sie bewegen ihre faulen Hinterteile nicht einmal zur Wahl, werfen ihren Gegnern monströse Dinge wie Rassismus vor oder meinen, dass sie alt sind und ihnen daher kein Wahlrecht gebühre, und dann beschweren sie sich online über das, was dabei herauskommt.

Kein globaler Handel ohne EU?

Die erstaunlichste Idee der Remain-Fraktion und ihrer deutschen Unterstützer ist die, dass ein souveränes und demokratisch gelenktes England gleichbedeutend wäre mit einem wirtschaftlich und kulturell isolierten England. Mit offenem Mund habe ich auf Facebook Bilder meiner verbliebenen neulinken Atheisten-Freunde angestarrt, mit denen sie sich darüber lustig machen, dass Engländer in Zukunft nicht mehr Urlaub in anderen Ländern machen dürften oder sie nur noch Fish & Chips essen würden. Offenbar ist die EU – eine Institution, die von größtenteils nicht gewählten Berufspolitikern besetzt ist – für viele Leute gleichbedeutend mit Kosmopolitismus, Freihandel und kultureller Vielfalt.

Ich war schon für Freihandel, als viele liberale Brexit-Gegner noch gar nicht aus dem Ei gepellt waren (oder wie sich Menschen auch fortpflanzen). Umso bizarrer erscheint mir die Vorstellung, dass Freihandel ohne die EU unmöglich wäre, wo es doch die EU und ihre Regularien sind, die dem freien Handel im Weg stehen. Es geht bei Brexit überhaupt nicht um Freihandel oder Autarkie, sondern um die Frage, wer für die Wirtschaftspolitik zuständig ist: Das eigene Land, die eigenen gewählten Politiker, oder EU-Funktionäre ohne Rechenschaftspflicht.

Handel zwischen den Nationen hat es schon lange vor der EU gegeben. England war vor nicht zu langer Zeit ein globales Imperium, einer der Vorreiter des Freihandels, wobei England anderen Nationen sogar den wirtschaftlichen Austausch mit Kanonenbooten aufgezwungen hat. Und jetzt soll England es nicht ohne die EU-Herrscher hinbekommen, mit anderen zu handeln?

Es geht auch ohne die EU

Diese Vorstellung war mir eine Stufe zu viel. Ich fühle mich an eine einstige Mitschülerin erinnert, die ihren Lebensplan so beschrieb, dass sie gerne berufstätig wäre, aber auch gerne Kinder hätte, die sie am liebsten von Kindermädchen aufziehen lassen möchte. Warum wollte sie dann Kinder haben, wenn ihr ihre eigenen Kinder egal sind und sie diese lieber von Fremden großziehen lassen möchte? Solche Dinge lassen sich rational nicht erklären. Das sind in unserer Kultur verbreitete Ideen, die einfach wiedergegeben werden, ohne kritische Analyse oder jeglichem Denkprozess dahinter.

Wer ein Minimum an historischem Wissen hat – oder auch nur aktuelles globalpolitisches Wissen – dem ist klar, dass Nationen auch ohne die EU mit anderen Nationen handeln können. Wer trotzdem etwas anderes behauptet und ernsthaft meint, England wäre jetzt auf Fish & Chips angewiesen, der ist schlicht und ergreifend so dämlich wie ein Spiegelei, das sich selbst an die Wand genagelt hat.