Buchtipps und philosophische Gedanken

Wie so viele andere junge Menschen befasse ich mich gerade mit der Philosophie von Thomas von Aquin. Ich weiß, ich bin mal wieder uncool, weil ich bei solchen Trends erst mitmache, wenn sie schon wieder fast vorbei sind; als würde ich jetzt anfangen, Pokémon Go zu spielen. Der Trend, sich mit Aquin zu befassen, ist sogar schon seit einigen Jahrhunderten vorbei.

In diesem Beitrag empfehle ich zwei Bücher, die ich frisch gelesen habe und außerdem habe ich womöglich einige theologische Probleme gelöst. Ja, ist ein komischer Zeitvertreib für einen Atheisten, aber ich habe das Induktionsproblem (das letzte große philosophische Problem) erst einmal aufgegeben, weil es bislang nicht lösen könnte und mich das allmählich nervt. Ansonsten gibt es nichts mehr weiter zu tun in der Philosophie, daher also meine Lösung einiger theologischer Fragen. Steinigt mich, wenn’s euch nicht passt.

Robert Zubrin: Merchants of Despair

In „Merchants of Despair“ zeigt der Raumfahrtingenieur Robert Zubrin auf, wie die moderne Ökobewegung zu großen Teilen aus der Eugenikbewegung hervorgegangen ist. Es geht um das Erbe des britischen Soziologen Thomas Malthus, der im 19. Jahrhundert die These der „Überbevölkerung“ in die Welt setzte und der damit selbst in seiner eigenen Zeit bereits empirisch widerlegt war. Die Eugenik hat die „Bevölkerungkontrolle“ zum Ziel, die Reduktion von Menschen auf diesem Planeten.

Dieses Ziel wurde durch kostenfreie Abtreibungen, freiwillige und Zwangs-Sterilisation, durch Bevölkerungspolitik (etwa die Ein-Kind-Politik Chinas) und durch die massenhafte Vernichtung von Menschenleben durchgeführt (wie durch den Nazi-Holocaust). Heute teilen Ökologen dasselbe Ziel und rechtfertigen es weiterhin durch angeblich verschwindende Ressourcen, aber auch durch die Verringerung unseres „ökologischen Fußabdrucks“ und um unserer „Zerstörung“ der natürlichen Umwelt Einhalt zu gebieten. Teilweise herrscht sogar Personalunion zwischen der Eugenikbewegung und der Ökobewegung, wie Zubrin aufzeigt. Manch einstige Nazi-Menschenvernichter wurden später zu Öko-Menschenvernichtern.

Der Kampf gegen eine angebliche „Überbevölkerung“ richtete sich vom England des späten 19. Jahrhunderts über die Nationalsozialisten bis zu den Klimaerwärmungs-Aposteln der heutigen Zeit stets gegen arme, nicht-weiße Menschen, wie Zubrin aufzeigt. Heute noch werden von anerkannten Organisationen, unterstützt mit Steuergeldern von westlichen Ländern, Sterilisierungsmaßnahmen in der Dritten Welt durchgeführt und an manchen Orten in Afrika sind daher kostenfreie Abtreibungen möglich, wo es für andere, lebensrettende Operationen keine Mittel gibt.

„Merchants of Despair“ ist schockierend, faktenreich und wichtig. Sollte man lesen.

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Roger Scruton: Fools, Frauds and Firebrands. Thinkers of the New Left

„Fools, Frauds and Firebrands“ ist eine philosophische Analyse und Widerlegung der Ideen der Neuen Linken. Die Philosophie der Neuen Linken, ein nihilistischer Relativismus, ist die in unserer heutigen Kultur dominante Philosophie. Aus diesem Grund ist Srcutons Buch sehr wichtig. Konkret analysiert und widerlegt Scruton die Ideen von Hobsbawm, Thompson, Galbraith, Dworkin, Sartre, Foucault, Habermas, Althusser, Lacan, Deleuze, Gramsci, Said, Badiou und Zizek.

Wie für den linken Kult üblich wurde Scruton nach der Publikation der ersten Ausgabe dieses Buches im Jahr 1985 aus dem intellektuellen Establishment ausgeschlossen. Er wurde nicht mehr zu Debatten eingeladen, er wurde zum Ziel persönlicher Angriffe und ansonsten wurde er totgeschwiegen. Im Jahr 2015 ist die Neuausgabe des Buches erschienen und es ist heute wichtiger als je zuvor, denn heute sind die Ideen der Neuen Linken zum Mainstream avanciert.

Das postmodernistische Denken der Neuen Linken ist grottenschlechte Philosophie und ihr einziger Zweck ist der Aufruf zu einer gewaltsamen Revolution, nur im Unterschied zu den Altlinken jetzt abgekoppelt von den einstigen marxistischen Zielen (wobei der Marxismus auch schon lange widerlegt ist), und insofern vollkommen nihilistisch. Die Neuen Linken möchten also die Gesellschaft zerstören – und das vollkommen ohne Grund, wo sich einst eine kommunistische Utopie befunden hat. Diese Ideen sind reines Gift, wie Scruton aufzeigt.

„Fools, Frauds and Firebrands“ ist ein geniales Buch. Es handelt sich um eine messerscharfe Analyse der Neuen Linken. Obendrein bemerkt man den Schmerz, den Scruton dabei empfand, sich durch diese inhaltsarmen, verschwurbelten, verlogenen Werke lesen zu müssen, was sich durch treffende sarkastische Einwürfe äußert. Dadurch wird das Buch obendrein sehr unterhaltsam. Trotzdem werden diejenigen ohne philosophische Vorkenntnisse ihre Probleme damit haben. Und dazu gehören leider die meisten Anhänger der Neuen Linken.

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Das Theodizeeproblem

Ich habe über das Theodizeeproblem nachgedacht, also die Frage, wie ein allguter Gott das Böse auf der Welt zulassen kann. Ich glaube eigentlich nicht an Gott, aber aus irgendeinem Grund ist mir trotzdem eine vergleichsweise gute Antwort eingefallen. Von Theologen hört man nichts Vernünftiges, also muss ich mir selbst ausdenken, was meine Gegner an Argumenten vorbringen könnten. Hier also meine theologisch-philosophische Antwort auf das Theodizeeproblem, die von der meiner Ansicht nach falschen Prämisse ausgeht, dass Gott als allguter Schöpfer überhaupt existiert:

Gott hat die Welt ohne etwas darin erschaffen, was inhärent moralisch böse wäre. Nur freie menschliche Entscheidungen können moralisch gut oder böse sein. Unbelebte Materie und Lebewesen ohne Willensfreiheit stehen außerhalb der Ethik, sie sind weder gut noch böse. Menschen werden moralisch neutral geboren, lediglich mit dem Potenzial ausgestattet, gut oder böse zu handeln.

Gott hat die Willensfreiheit als ein höheres Gut gewichtet als das Potenzial eines moralisch bösen Missbrauchs der Willensfreiheit, wie Aquin sagte. Das Potenzial des Bösen ist also ein notwendiges Resultat einer moralisch zunächst neutralen Welt. Für den Menschen ist die Welt als solche nicht nur neutral, sondern gut im Sinne von wertvoll für ihn, da er ohne Welt nicht existieren könnte und das Gute von seiner Existenz abhängt. Ob Gut oder Böse realisiert werden, hängt derweil von der menschlichen Freiheit ab und Gott ist allgut, weil er sie uns gegeben hat.

Jedenfalls könnte man so argumentieren, ginge man von der Existenz eines allguten Schöpfergottes aus. Nun möchte ich jedoch ein alternatives Gottesverständnis für einen sehr abstrakten Gott vorstellen, von dem man vernünftigerweise, wenn auch verwirrend angesichts der Gottesbilder in unserer Kultur, behaupten könnte, dass es ihn wirklich gibt.

Gottes Existenz

Ja, zu allem Überfluss habe ich als Atheist außerdem noch darüber nachgedacht, wie man Gott so definieren oder verstehen könnte, sodass er existiert oder was von dem, das existiert, man mit einem Ansatz von Berechtigung „Gott“ nennen könnte.

Als Objektivist gehe ich von einer objektiven, in der faktischen Natur der Dinge angelegten Ordnung der Welt aus. Mit anderen Worten unterliegt unser Universum Naturgesetzen und es ist logisch geordnet, will heißen: Wir können das Universum darum mit Hilfe der Logik verstehen, weil das Universum auf eine widerspruchsfreie Weise geordnet ist, die den Gesetzen der Logik unterliegt. Außerdem glaube ich an eine objektive moralische Ordnung, an der sich der Mensch orientieren sollte, die sich aus der menschlichen Natur, der sonstigen Natur der Dinge sowie seines individuellen Kontexts ergibt. Kurz gesagt müssen wir unseren Verstand gebrauchen, um zu überleben und uns an rationalen moralischen Prinzipien orientieren, um ein gutes, erfolgreiches Leben zu führen. Und wer das nicht tut, zerstört seine Seele und scheitert über kurz oder lang.

Hier mein Gedanke: Könnte man vielleicht das metaphysisch Gegebene, die natürliche und vielleicht auch die moralische Ordnung der Welt als solche, als „Gott“ bezeichnen? Also die logische Gesetzmäßigkeit des Universums, aus der sich eine objektive Moral für den Menschen ergibt, ist diese vielleicht „Gott“? Das wäre jedenfalls ein Gottesbild, das sich direkt an der Grenze zwischen Theismus und Atheismus befindet und wo man nicht genau weiß, was es nun eigentlich ist.

Jedenfalls würden so der Rekurs auf „Gottes Willen“ und die „natürliche Ordnung“ wieder Sinn ergeben. Frage ich mich also, was Gott von mir möchte, so wäre das gleichbedeutend mit der Frage, wie ich angesichts der Natur der Dinge und meines persönlichen Kontexts in einer bestimmten Situation handeln soll? Und wenn ich sage, dass etwas Gottes Willen oder der moralischen Ordnung widerspricht, so widerspricht es der objektiven Ethik, die dem menschlichen Überleben als die Art von Lebewesen, die wir sind (Lebewesen mit voluntaristischem Bewusstsein), dient.

Die Natur des Universums

Ayn Rands Philosophie „Objektivismus“ ist eine Weiterentwicklung der aristotelischen und der thomistischen Tradition. Im Gegensatz zu beiden Denkern geht Rand nicht von der Existenz eines Gottes aus, der das Universum erschaffen hat (Aquin) oder der es als aktives Prinzip am Laufen hält (Aristoteles). Und ich auch nicht, daher mein noch atheistischeres Gottesverständnis von oben, was man im Grunde auch weglassen kann, was aber eine gewisse Berechtigung hat, sofern man irgendetwas gerne „Gott“ nennen möchte. Was ist schon Gott, wenn nicht die Natur des Universums selbst? Die ist keine Person, vollbringt keine Wunder, hat die Welt nicht erschaffen, kein Buch geschrieben und uns keine unsterblichen Seelen gegeben. Aber sie ist gewissermaßen allmächtig und omnipräsent.

Aus objektivistischer Sicht ist das Universum die Gesamtheit von allem, was existiert. Das Universum wurde nicht erschaffen, kann nicht vernichtet werden, hat keine Ursache und ist endlich. Doch wenn das Universum endlich ist, was ist dann außerhalb des Universums? Es gibt kein „außerhalb des Universums“, weil das Universum alles ist, was existiert und es gibt nichts, was nicht existiert. Das Universum ist endlich, weil alles, was existiert, endlich ist. Denn alles hat eine bestimmte Identität als das, was es ist. Etwas Unendliches hätte keine Identität, es wäre nichts Bestimmtes. Alles, was es gibt, ist etwas Bestimmtes, also ist das Universum endlich.

Gott nach dem oben vorgeschlagenen Verständnis könnte also nicht etwas sein, das außerhalb des Universums steht und es erschaffen hat. Vielmehr kann Gott nur mit der grundlegenden Ordnung und Existenz des Universums identisch sein. Gegen das metaphysisch Gegebene, gegen alles, was existiert, gegen die Naturgesetze, gegen die logische Ordnung des Universums, können wir Menschen überhaupt nichts ausrichten. Wir können uns nur darum bemühen, die Natur der Dinge zu versehen, um sie für unser Überleben zu nutzen. Das metaphysisch Gegebene ist also absolut und unveränderlich. Aus diesem Grunde könnte man es vielleicht „Gott“ nennen.

Soweit also mein Entgegenkommen für meine gläubigen Leser, die sich für den Objektivismus interessieren.