Wahn der Geschlechter

Mir sind wahnhafte Ideen und Verhaltensweisen der Geschlechter zu- und übereinander verstärkt aufgefallen, auf die ich hier exemplarisch eingehen möchte.

Umkleide-Gespräche

Bei Männern gibt es etwa das Phänomen der Umkleidekabinen-Gespräche über Frauen. Bei diesem Ritual, das in Männerrunden und auch im engen Sinne in Gruppen-Umkleidekabinen (etwa für den Sport) stattfindet, äußern sich Männer darüber, wie sexuell anziehend bestimmte ihnen persönlich bekannte Frauen seien und sie betonen, wie sehr sie von Frauen begehrt würden.

Mit der Realität haben diese Gespräche nur marginal etwas zu tun, wenn überhaupt. Sie finden trotzdem verlässlich unter bestimmten Bedingungen statt, sodass man seine Uhr danach stellen könnte. Da keine Frauen anwesend sind, handelt es sich wohl um eine Art Dominanzgebaren für die Bildung und Fixierung einer Hierarchie innerhalb der Männergruppen. Jedenfalls gehen mir diese Gespräche total auf die Nerven und ich habe mich nie daran beteiligt. Dadurch verortet man sich offenbar außerhalb der jeweiligen Gruppen-Hierarchie und wird wie eine Art Kuriosum oder konservatives Fossil behandelt, aber wenigstens respektvoll in Ruhe gelassen.

Vom Passanten zum Vergewaltiger

Bevor sich Frauen nun über die primitiven Männer lustig machen, hier nun einige Beobachtungen über ihre eigenen Albernheiten. Beim Umzug aus einer kleinen Siedlung am Rande der fränkischen Stadt Würzburg nach Hamburg ist mir ein dramatischer Unterschied im Verhalten weiblicher Passanten im Alltag aufgefallen. In der alten Heimat war es normal, sich auf der Straße anzusehen und zu grüßen, unabhängig von Alter und Geschlecht. Bei den Hamburgern und hier spezifisch bei Frauen im Verhältnis zu Männern ist das vollkommen anders.

Während sich Männer auch hier normal beim Vorbeigehen, sofern sich die Blicke zufällig lange genug treffen, grüßen können, grüßen Frauen Männer praktisch nie. Stattdessen schauen sie weg, sobald sie den eigenen Blick bemerken und verziehen das Gesicht zu einer leicht angewidert-distanzierten Mimik. Anfangs dachte ich, dass es an mir liegt und ich irgendwie ungepflegt aussehen muss, entgegen allen gegenteiligen Belegen. Für den Fall, dass sie mich nicht bemerkt haben, sagte ich manchmal „Guten Tag“, „Guten Morgen“ oder dergleichen, wie ich das eben aus Würzburg kenne. Das führte dazu, dass sie einen weiteren Schritt Abstand nahmen oder mich noch ablehnender ansahen.

Ich habe mich zunehmend wie ein Aussätziger gefühlt. Ich dachte, dass irgendetwas falsch oder widerlich an mir sein müsste, dass man mich nicht mehr grüßt wie Zuhause. Vielleicht gibt es einen spezifischen Hamburger Verhaltenscodex, den ich missachtete?

Aus Gesprächen mit anderen Männern ging jedoch hervor, dass dies hier offenbar ganz normal ist. So verhalten sich die Frauen hier einfach, jedem Mann gegenüber. Die hier schon länger heimischen Männer denken nicht weiter darüber nach und grüßen einfach keine Frauen mehr. Ich sehe das anders. An meinem bayerischen Gymnasium (vielleicht lernt man so etwas ja nur dort) lernte ich, dass man sich etwa zumindest durch ein kurzes Nicken grüßt, sollte sich zufällig die Blicke beim Vorbeigehen treffen (das muss ich noch einmal betonen: Es geht hier nicht darum, jeden zu grüßen, der einem über den Weg läuft, das geht in einer Großstadt nicht!), unabhängig von Alter und Geschlecht.

Das tut man darum, um sich gegenseitig als menschliches Subjekt anzuerkennen. Ah, da ist ein anderer Mensch, den erkenne ich als meinen Mitmenschen! Hier machen das insbesondere Frauen einfach nicht. Offenbar erleben sie jede Art von Interaktion zwischen den Geschlechtern als Anmache, Stalking oder als eine ähnliche Art der Grenzüberschreitung. Inklusive eines kurzen, beiläufigen Nickens beim Vorbeigehen aus einem Abstand von mehreren Metern!

Als ich im Urlaub wieder in Würzburg war, habe ich mich anfangs kaum getraut, wieder in den alten Begrüßungs-Ritus zu verfallen. Man kann es nur so oft ertragen, wie ein potenzieller Vergewaltiger angesehen zu werden, nur weil man etwa am Wochenende zum McDonald’s läuft, um sich einen doppelten Cheeseburger zu besorgen, und auf dem Weg eins, zwei Frauen grüßt, die einen zufällig beim Vorbeigehen ansehen (und auch mehrere Männer, ohne die schrägen Reaktionen).

Aber nein, hier in Würzburg war wieder alles normal. Ich wurde wieder von Mann und Frau auf der Straße begrüßt, wie früher, auch von Frauen in meinem Alter. Puh! Ich bin doch nicht auf einmal abstoßend hässlich geworden oder sehe plötzlich wie ein Perverser aus. Es liegt wirklich an den Frauen in Hamburg.

Kein Bewusstsein für die eigenen Taten

Ein weiteres Phänomen, das mir speziell bei einigen Frauen in unserer Kultur aufgefallen ist, ist die Tendenz, ihre eigenen Handlungen nicht mehr bewusst wahrzunehmen, sobald sie diese als irgendwie moralisch zweifelhaft einordnen. Kürzlich war der Fall Gina-Lisa Lohfink in den Medien, der sich um eine Frau drehte, die Gruppensex hatte und diesen im Nachhinein als Vergewaltigung darstellte. Aus den USA ist der Fall des „Matratzen-Mädchens“ Emma Sulcowics bekannt, die einen männlichen Studenten fälschlich der Vergewaltigung beschuldigte. In amerikanischen Universitäten gibt es unzählige Fälle von männlichen Studenten, die der Vergewaltigung beschuldigt und dann exmatrikuliert werden, da dort häufig bereits eine Beschuldigung ausreicht und sich die Studenten vor den neuen internen Uni-„Gerichten“ nicht verteidigen dürfen.

Diese Art von Wahn scheint unter anderem daraus zu entstehen, dass bestimmte Frauen im Nachhinein sexuelle Abenteuer bereuen und sich und anderen dann einreden, dass sie diesen nicht zugestimmt hätten, obwohl sie das hatten. Sie möchten ihre „Ehre“ bewahren, auch sich selbst gegenüber, und wenn dafür unschuldige Männer jahrelang im Gefängnis landen.

Der Versuch von Frauen, ein geschöntes Selbstbild entgegen aller offensichtlichen und unmittelbaren Fakten zu bewahren, ist mir schon mehrmals begegnet. Ein Beispiel: Früher war ich manchmal in Punk- und Metaldiskos unterwegs und traf einmal zufällig ein Mädchen aus meiner Schulklasse dort.

Ich sagte „Hi, wie geht’s?“ auf meine typische Passenten-Vergewaltiger-Art (siehe oben) und sie warf mir vor, dass ich an diesem asozialen Ort sei, hier nicht richtig tanze, weil dieser „Pogo“ genannte Punk-Tanz kein richtiger Tanz sei (soll er auch nicht sein) und dass ich hier trinke (habe ich nicht und wenn, na und?) und was ich überhaupt wolle (Leute begrüßen – meine große, verhängnisvolle Sünde).

Ich hatte eigentlich nie viel mit ihr zu tun gehabt und sie hatte keinen Anlass für irgendeine dieser Äußerungen. Der seltsamste Teil war nur dieser: Sie war auch hier, trank im Gegensatz zu mir eine ganze Menge und tanzte auf der Tanzfläche auf eine „erotische“ Art, die mir nie einfallen würde. All dies war aber kein Bestandteil ihrer eigenen Wahrnehmung. Sie war hier als edle Dame auf einer Oper und ich war der asoziale Punk-Typ (ja, ich war außerdem besser gekleidet als sie), obwohl sie sich in der realen Welt, beheimatet von so wenigen von uns, viel ungebührlicher verhielt als ich.

Und so geht es weiter von einer Bekannten, die sich für eine konservative Christin hielt und Männer wechselte wie ihre Schuhe, bis zu einer Frau, die als gute, anständige Mutter auf Erden wandelte und ihren Ehemann auf folgende Weise kennengelernt hatte: Sie ging jedes Wochenende in die Disko und nahm einen anderen Mann für Sex mit nach Hause, bis sie zufällig von einem versehentlich geschwängert wurde und den heiratete sie dann.

Oder wie wäre es mit der Bekannten, die via Zeitungsannonce Männer für Sex suchte, weil sie gerade Mutter werden wollte, und ihr Opfer dann für den Rest seines Lebens Unterhaltszahlungen leisten ließ, ohne dass er für seine Kinder ein Vater sein durfte (was sie übrigens mit mehreren Männern gemacht hat)? Nicht zu vergessen die beiden Frauen, die ich bei einem Besuch einer Studenten-WG kennenlernte, die mit allen männlichen Mitbewohnern eine Affäre hatten, obwohl sie offiziell mit nur jeweils einem davon zusammen waren. Sie redeten bei der Silvester-Party, zu der sie andere Studenten eingeladen hatten, die ganze Zeit gut hörbar über Gleitmittel. Außerdem kannte ich eine Frau, die der Meinung war, sie wäre eine Hexe (also eine echte Hexe, die zaubern kann) und ihr Freund schlachtete zwar rituell Tiere, was sie für komisch hielt, aber sie blieb trotzdem bei ihm, weil er „gut im Bett“ war.

Und all diese Frauen halten sich für anständige, moralische Damen, die mir mit dem, was sie „Lebenserfahrung“ nennen, weit überlegen seien. Mein Bruder meinte, dass ich eine statistisch höchst ungewöhnlich hohe Menge an gestörten und bösartigen Menschen in meinem Leben kennengelernt hätte und dass dies überhaupt nicht die Regel sei. Die meisten Menschen seien ganz normal, wie wir beide, meinte er. Leider prägen uns jedoch unser eigenen Erfahrungen psychologisch mehr als alles andere.

Meine größte verbliebene Hoffnung mit Bezug auf andere Menschen besteht darin, dass sie mich nicht ausrauben, weil hier in Hamburg auch die Kriminalitätsrate viel höher ist als in meiner kleinen bayerischen Siedlung. Und ich hoffe, dass mich hin und wieder einmal jemand begrüßt.