Ich lasse mich nicht stummschalten

Es würde mich nicht verwundern, wenn der letzte Beitrag über die Gender-Ideologie viele Leser vor größere Probleme gestellt hat. Er setzt eine Menge Vorwissen voraus und stellt eine Integration von Daten auf einem sehr hohen Abstraktionslevel dar. So etwas ist äußerst schwierig zu machen und man kann den konkreten Versuch durchaus kritisieren. Was man nicht machen kann, ist den unendlichen Mist darüber zu äußern, den ich nun im Facebook-Kommentarbereich der RDF lesen durfte.

Mir sind selbst einige Dinge eingefallen, die ich noch genauer hätte schreiben und mit noch mehr Beispielen hätte illustrieren sollen. Leider musste ich mir das selbst herleiten, denn ich erhielt keine Kritik im herkömmlichen Sinne. Der Artikel wurde zur Diskussion gestellt und alles, was beim Facebook-Auftritt der RDF darüber an Kritik zu hören war, war völlig substanzlos. Man steckte mich nur in die Kategorie „AfD“, „Kopp-Verlag“, nannte den Artikel „Schwachsinn“ und „Unsinn“ und das war es dann.

Es gab zwar keine Argumente, aber Forderungen, meine gelegentlichen Kommentare nicht mehr bei der RDF zu publizieren. Teilweise von Leuten, die ich noch aus der GBS kenne und die mir in den nächsten Tagen besser nichts nachts in einer dunklen Seitengasse begegnen sollten. Wie es aussieht, soll ich einfach nur schweigen und die Übersetzungen von englischsprachigen Artikeln für die RDF machen, für die ich zuständig bin. Genau das würde den Linken so passen, von denen diese Forderungen erwartungsgemäß stammten. Schließlich gibt es in ihrem Weltbild nur begrenzte individuelle Rechte oder gar keine und man hat sich einer „höheren Sache“ wie dem Kollektiv der linksradikalen deutschen Humanisten unterzuordnen. „Stelle dein Leben in den Dienst einer „größeren Sache““, heißt es schließlich in den 10 Angeboten von GBS-Chef Schmidt-Salomon.

Ironischerweise habe ich tatsächlich gerade ein Buch vom Kopp-Verlag zu Ende gelesen, nämlich „Der Angriff auf den Nationalstaat“ von Thierry Baudet, das wir in der Literaturrunde der Novo-Redaktion besprochen hatten. Ich würde meinen RDF-Kritikern ebenso empfehlen, gelegentlich ein Buch aufzuschlagen, und wenn es nur ein Heimatroman ist. Oder vielleicht erst einmal ein Bilderbuch. Ihr Textverständnis ist nämlich absolut unterirdisch, so wurden mir etwa Zitate aus Wikipedia über marxistische Feministinnen als rechte Polemik meinerseits vorgehalten. Obwohl sie, na ja, gar nicht von mir geschrieben wurden. Sondern nur zitiert. Und außerdem nicht polemisch waren.

Und mehrmals hielt man mir vor, ich würde irgendeinen Zusammenhang zwischen Feminismus, der Gender-Ideologie und dem Marxismus fabrizieren, obwohl natürlich ein solcher Zusammenhang von den Beteiligten selbst überhaupt nicht geleugnet, sondern offen und stolz vertreten wird. Es ist auch gar nicht meine These, dass es diesen Zusammenhang gibt, das ist eine weithin bekannte Tatsache unter Leuten, die irgendetwas wissen.

Natürlich sind Gender-Forscherinnen größtenteils Marxisten. Das ist kein Geheimnis. Das ist keine „Verschwörungstheorie“ meinerseits. Das ist ihr eigenes Selbstverständnis, das sie offen vor sich hertragen. Natürlich vertreten sie in der Regel linke Theorien, sehen sich in einer linken Tradition. Wie man das nicht wissen kann, entzieht sich meinem Vorstellungsvermögen. Wenn sozialer Determinismus oder zumindest die Dominanz sozialer Faktoren als Einflussfaktoren auf den Menschen nicht links ist, was bitte ist dann links? Aber die RDF-Kritiker, die weder das, noch irgendetwas wissen, wollen nicht nur Durchschnittsbürger sein, sondern unsere aufgeklärte Elite. Gott stehe uns allen bei.

Gender-Theorien sind marxistisch

Hier einige zentrale Beispiele für marxistisch geprägte Gender-Theorien. Poststrukturalismus und Kritische Theorie (die „Lese-Methoden“ in der Genderforschung) sind unbestritten links, so stammt die Kritische Theorie von den neulinken Theoretikern Horkheimer/Adorno. Der Poststrukturalismus ist die postmoderne Philosophie von Leuten wie Jacques Derrida, Michel Foucault, Gilles Deleuze, Judith Butler, Jacques Lacan, Jean Baudrillard und Julia Kristeva. Diese lässt sich irgendwo zwischen sozialistisch und nihilistisch einordnen und ist ein Verfallsprodukt der radikalen Linken, die am Ende des real existierenden Sozialismus nicht so recht wussten, wie es weitergehen soll. Richard Dawkins verurteilte übrigens mehrmals die postmoderne Philosophie für ihren Angriff auf die Naturwissenschaft. Weil behauptet wurde, Dawkins hätte so einen Gender-kritischen Beitrag nie veröffentlicht. Er hat schon mehrmals selbst eine Gender-kritische Position eingenommen, was die RDF-Kritiker natürlich auch nicht wissen.

Weiter mit den ideologischen Hintergründen einflussreicher Women’s Studies und Gender Studies-Theorien: Die Standpunkt-Theorie geht offiziell auf Hegel und Marx zurück. Die Intersektionalitäts-Theorie gehört offiziell zur marxistisch-feministischen Kritischen Theorie. Multikulturalismus, der die Menschen über die Zugehörigkeit zu ihrer Ethnie definiert und der Kulturen inklusive ihrer eigenen Rechtssysteme (wie unzüchtige Frauen steinigen) bewahren möchte, ist nach meinem Dafürhalten schlicht Rassismus, gilt heute aber als postmodernes linkes Konzept und wird auch von Feministen vertreten. Ich selbst habe den Quatsch in der Uni in einem Fach namens „Cultural Studies“ gelernt, wenn man sowas „Lernen“ nennt. Der Transnationale Feminismus „kritisiert und leistet Widerstand gegen patriarchale, kapitalistische Macht“, was für mich jetzt „ein wenig“ marxistisch klingt.

Ich habe keine Lust mehr, aber lest euch gerne die verschiedenen Gender Studies-Theorien durch und schaut euch an, wer sie begründet hat und ob ihre theoretische Grundlage etwas mit dem Marxismus zu tun hat oder nicht. Meines Wissens gibt es keine einzige moderne feministische/Gender Theorie, die nicht direkt oder indirekt auf marxistischen Ideen beruhen würde.

Nicht wissen, aber herrschen wollen

Nun wissen die RDF-Kritiker das nicht, sie wissen offensichtlich nichts, aber auch rein gar nichts, wenn sie überhaupt genug wissen, ob ihre Schuhe zu binden, aber wahrscheinlich nicht. Trotzdem halten sie es für angemessen, mir, der das alles zumindest in Grundsätzen weiß, Redeverbot erteilen zu wollen.

Die meisten organisierten säkularen Humanisten in Deutschland sind linksradikale Ideologen, die sich für die intellektuelle Elite halten, während sie zugleich keine Ahnung von gar nichts haben. Ich wurde schon einige Male gefragt, was ich mit diesem unerträglichen ideologischen Gesocks überhaupt anfange, warum ich mich weiterhin in diesen Kreisen bewege. Weil ich inzwischen selbst eine Reihe von treuen Lesern aus diesem Spektrum habe, die kein Gesocks sind, sondern die wirklich an Wissenschaft, Humanismus und rationalem Denken interessiert sind, was die große Mehrheit nur vorgibt, weil sie sich aus identitätspolitischen Gründen damit schmücken möchte, während sie das genaue Gegenteil vertritt.

Und nicht zuletzt, weil ich ein säkularer Humanist bin, der im Unterschied zu den ideologisch-dogmatischen Sektierern genau das meint und tut, was sie nur über rationales Denken predigen, während sie nur von „Wissenschaft“ und „Vernunft“ faseln und derweil von einer Utopie träumen und Menschen beherrschen, über ihr Eigentum verfügen und ihnen ihr Privatleben vorschreiben wollen. Verschwindet ihr doch, wenn es euch nicht passt. Ich bleibe, wo ich bin, denn ich gehöre hier hin, während ihr zur Hölle fahren könnt oder nach Nordkorea.

Und wenn ihr irgendeinen Einfluss wollt, dann lasst nicht den Ayn-Rand-Typen die ganze Arbeit machen, sondern bewegt euren faulen, nutzlosen, ignoranten, sozialistischen Arsch und produziert mal was, das sich lohnt, publiziert zu werden. Tragt auf irgendeine produktive, nützliche Weise etwas zum Humanismus bei. Oder haltet die Klappe. Wer schon unbrauchbar ist, sollte nicht zugleich auch noch undankbar sein.

Ein Kommentar zu “Ich lasse mich nicht stummschalten

  1. […] diese Unzulässigkeit in der Verknüpfung liegen soll. Zu den Kommentaren hat er noch einen zweiten Artikel zum Thema nachgeschoben. Generell ist Kritik am Genderismus unerwünscht und der Kritiker sollte ein recht […]

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