Mises über Marxisten und die Ehe

Ich war sehr überrascht darüber, dass viele Leser im RDF-Facebook-Kommentarbereich den von mir angeführten Angriff der Marxisten auf die traditionelle Familie als „Verschwörungstheorie“ abtaten. Ihr wisst schon, was die Kommunisten im 20. Jahrhundert getan haben, oder? Ich war auch überrascht darüber, dass meinen Kritikern entweder nicht bewusst war oder sie darüber die Unwahrheit sagten, dass die Theorien in den Gender Studies – eigentlich ganz offiziell – direkt oder indirekt marxistische Wurzeln haben. Das habe ich im letzten Beitrag näher belegt.

Jedenfalls habe ich bereits im Kutschera und die Gender-Ideologen-Beitrag ein online frei zugängliches Buch namens Die Gemeinwirtschaft des Ökonomen Ludwig von Mises verlinkt, der im Jahr 1922 die Marxisten für ihren Angriff auf die moderne Vertragsehe (das ist nicht dasselbe wie die patriarchale Ehe, die Mises kritisiert) und die traditionelle Familie kritisiert. Wie genau ist es eigentlich in den Augen meiner Kritiker möglich, dass dieses Buch existiert? Verbreiteten schon im Jahre 1922 einige Leute meine „Verschwörungstheorie“ über böse Marxisten, die die Familie zerstören wollen? Hier möchte ich einige Kernpassagen aus Die Gemeinwirtschaft zum Thema Sozialismus und Familie zitieren. Ich halte sie für sehr aufschlussreich und empfehle jedem, sie zu lesen.

Auszüge aus Ludwig von Mises „Die Gemeinwirtschaft“

„Mit dem sozialistischen Gedanken der Vergesellschaftung der Produktionsmittel gehen seit altersher Vorschläge zur Umgestaltung der Beziehungen zwischen den Geschlechtern Hand in Hand. Mit dem Sondereigentum soll auch die Ehe verschwinden und einem dem Wesen der Sexualität besser entsprechenden Verhältnisse Platz machen. Mit der Befreiung des Menschen vom Joche der wirtschaftlichen Arbeit, die der Sozialismus in Aussicht stellt, soll auch die Befreiung der Liebe von allem Wirtschaftlichen, das sie bisher geschändet habe, erfolgen. Der Sozialismus verheißt nicht nur Wohlstand, ja Reichtum für alle, sondern auch Liebesglück für alle. Ein gutes Stück seiner Volkstümlichkeit verdankt er gerade diesem Teile seines Programms. Es ist bezeichnend, daß kein zweites deutsches sozialistisches Buch mehr gelesen wurde und mehr für den Sozialismus geworben hat als Bebels „Die Frau und der Sozialismus“, das vor allem der Verkündigung der freien Liebe gewidmet ist.“

„Wie er die Abschaffung des Sondereigentums durch den Hinweis auf seinen geschichtlichen Ursprung und die Abschaffung des Staates damit zu begründen sucht, daß der Staat „nicht von Ewigkeit her“ ist und daß es Gesellschaften gegeben habe, die „von Staat und Staatsgewalt keine Ahnung“ gehabt hätten, so sucht er auch die Ehe damit zu bekämpfen, daß er ihren geschichtlichen Ursprung zu erweisen sucht. Dem Marxisten ist die geschichtliche Forschung nichts als ein Mittel der politischen Agitation. Sie soll ihm Waffen zum Angriffe auf die verdammenswerte bürgerliche Gesellschaftsordnung liefern.“

„In der modernen Vertragsehe, die aus dem freien Willen des Mannes und des Weibes hervorgeht, sind Ehe und Liebe vereint. Die Ehe erscheint nur dann als sittlich gerechtfertigt, wenn sie aus Liebe geschlossen wird; lieben sich die Brautleute nicht, dann wird dies als anstößig empfunden.“

„Der radikale Flügel der Frauenbewegung […] übersieht, daß es nicht die Einrichtung der bürgerlichen Ehe ist, die der Entwicklung der Persönlichkeit im weiblichen Menschen Hindernisse in den Weg legt. Was das Weib in der Entfaltung seiner Kräfte und Fähigkeiten hemmt, ist nicht die Bindung an Mann, Kinder und Haushalt, sondern der Umstand, daß die Sexualfunktion den weiblichen Körper in weit stärkerem Maße ergreift als den männlichen. Schwangerschaft und Stillen der Säuglinge beanspruchen die besten Jahre der Frau, die Jahre, in denen der Mann seine Kräfte zu größten Leistungen sammeln kann. Man mag die ungleiche Verteilung der Lasten des Fortpflanzungsdienstes als eine Unbilligkeit der Natur bezeichnen, man mag der Ansicht sein, daß es der Frau unwürdig sei, Kindergebärerin und Amme abzugeben, doch man kann damit an den natürlichen Tatsachen nichts ändern. Die Frau hat vielleicht die Wahl, entweder auf das tiefste weibliche Glück, das der Mutterschaft, oder auf die männergleiche Entfaltung ihrer Persönlichkeit in Taten und Kämpfen zu verzichten; es mag schon bezweifelt werden, ob ihr überhaupt solche Wahl gelassen ist oder ob nicht ihrem Wesen durch die Unterdrückung der Mutterschaft ein Schaden zugefügt wird, der auch auf alle anderen Lebensfunktionen zurückwirkt. Doch wenn sie Mutter wird, dann wird sie mit und ohne Ehe daran gehindert, so frei und unabhängig durchs Leben zu gehen wie der Mann.“

„Soweit die Frauenbewegung sich darauf beschränkt, die Rechtsstellung des Weibes der des Mannes anzugleichen und der Frau die rechtliche und wirtschaftliche Möglichkeit zu bieten, sich so auszubilden und zu betätigen, wie es ihren Neigungen, Wünschen und ökonomischen Verhältnissen entspricht, ist sie nichts weiter als ein Zweig der großen liberalen Bewegung, die den Gedanken der friedlichen freien Entwicklung vertritt. Soweit sie, darüber hinausgehend, Einrichtungen des gesellschaftlichen Lebens in der Meinung bekämpft, damit naturgegebene Schranken des menschlichen Daseins aus dem Wege räumen zu können, ist sie ein Geisteskind des Sozialismus; auch dessen Besonderheit ist es, die Wurzel naturgegebener, der menschlichen Einwirkung entrückter Umstände in gesellschaftlichen Einrichtungen zu suchen und durch deren Reform die Natur reformieren zu wollen.“

„Die radikale Lösung, die die Sozialisten für die sexuellen Probleme vorschlagen, ist die freie Liebe. Die sozialistische Gesellschaft beseitigt die sexualökonomische Abhängigkeit der Frau, die darin besteht, daß die Frau auf das Einkommen des Mannes angewiesen ist. Mann und Frau erhalten die gleichen wirtschaftlichen Rechte und, soweit nicht die Rücksichtnahme auf die Mutterschaft eine Sonderstellung der Frau bedingt, auch die gleichen Pflichten. Unterhalt und Erziehung der Kinder werden aus öffentlichen Mitteln bestritten; sie sind überhaupt Sache der Gesellschaft, nicht mehr die der Eltern.“

„Man nimmt dem Weib ein Stück seines Lebens, wenn man ihm die Kinder fortnimmt, um sie in staatlichen Anstalten aufwachsen zu lassen, und man nimmt den Kindern die wichtigste Schule des Lebens, wenn man sie aus dem Schoße der Familie reißt.“

„Es ist kein Zufall, daß der Vorschlag, Männer und Frauen in radikaler Weise gleich zu behandeln, den Geschlechtsverkehr von Staats wegen zu regeln, die Neugeborenen sofort nach der Geburt in öffentliche Pflegeanstalten zu bringen und dafür Sorge zu tragen, daß Kinder und Eltern sich völlig unbekannt bleiben, von Plato herrührt, dem die Beziehungen der Geschlechter als nichts anderes denn als Befriedigung einer körperlichen Notdurft erschienen. Die Entwicklung, die vom Gewaltprinzip zum Vertragsprinzip geführt hat, hat die Beziehungen der Geschlechter auf die freie Liebeswahl gestellt. Das Weib darf sich jedem verweigern, es kann vom Manne, dem es sich hingibt, Treue und Beharrlichkeit fordern. Damit erst wurde die Grundlage für die Entwicklung der weiblichen Individualität gelegt. Indem der Sozialismus in bewußter Verkennung des Vertragsgedankens wieder zum Gewaltprinzip, wenn auch bei gleichmäßiger Verteilung der Beute, zurückkehrt, muß er auch im Geschlechtsleben schließlich dazu gelangen, Promiskuität zu fordern.“

Ludwig von Mises: Die Gemeinwirtschaft, S. 69-91

Kommunistische Literatur

August Bebel: Die Frau und der Sozialismus (1879)

Friedrich Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigenthums und des Staats (1884)

Wilhelm Reich: Die sexuelle Revolution (1936)