Schlagt den faulen Baum ab

Hier ein hoffentlich letzter Nachtrag zum kleinen Skandal um meinen Gender-Artikel.

Ein christlicher Philosoph sagte einmal etwas, das ich auch als Atheist für sehr weise halte:

Falsche Ideen sterben lassen

„Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“ (Jesus Christus, Matthäus 7, 15-19).

Michael Schmidt-Salomon formulierte es so: „Wir müssen falsche Ideen sterben lassen, bevor Menschen für falsche Ideen sterben.“ Und dem stimme ich vollkommen zu. Die falsche Idee, um die es mir in den letzten Beiträgen ging, war der Marxismus. Die falschen Propheten waren Karl Marx und seine Anhänger und Nachfolger. Das ist der Baum, der abgehauen und ins Feuer geworfen werden sollte. Trotz 100 Millionen Toten im 20. Jahrhundert dank dieser Ideologie und obwohl wir in unserem eigenen Land eine kommunistische Diktatur erleben durften, wollen einige Leute noch immer nicht verstehen, dass der Marxismus eine Idee ist, die sterben muss. Und trotz dieses Ergebnisses eines Feldversuches der Ideen, genannt Geschichte, haben noch immer viele einflussreiche geisteswissenschaftliche „Theorien“ eine marxistische Grundlage.

Getroffene Hunde bellen

Nehmen wir einmal kurz an, dass meine Kritiker mit ihrer Kritik – soweit in all den Flüchen und Beleidigungen eine identifizierbare Kritik auszumachen ist – Recht haben. Mein Beitrag war demnach ein verschwörungstheoretisches, rechtes Geschwurbel. Nun war es explizit kein Beitrag, der die RDF repräsentieren soll, sondern ein persönlicher Diskussionsbeitrag von einem Atheisten und jemandem, der sich für Evolutionsbiologie und für die Werke von Richard Dawkins interessiert bis zu einem Grad, dass er für die meisten Übersetzungen seiner Artikel für die RDF verantwortlich ist. Ein Beitrag von jemandem also, der zwar nicht politisch links ist, aber in anderer Hinsicht Dawkins wiederum nahesteht. Nehmen wir an, dass dieser spezifische Beitrag von mir nicht viel getaugt hat. Wie reagiert man als rationaler Leser und Kommentator darauf? Etwa so?

  1. Fordert man bei der RDF die Zensur von meinem Beitrag und ein zukünftiges Redeverbot für mich?
  2. Schreibt man, dass ich „durchgefickt“ werden sollte?
  3. Stellt man mich in die rechte Ecke zur AfD, der Neuen Rechten und dem Kopp-Verlag (in Abwesenheit irgendwelcher Belege dafür)?
Das denke ich eher nicht. Ich denke, das sieht alles danach aus: dass getroffene Hunde bellen. Wie laut sie bellen, hat mich selbst überrascht. Und es wird neutrale Leser überraschen, die sich fragen, ob an meiner ja durchaus gewagten These vielleicht sogar etwas dran sein könnte. Warum drehen die sonst so am Rad? Wenn es nur ein missglückter Kommentar unter vielen guten Kommentaren war, die die RDF publiziert? Warum so ein Aufhebens? Warum einen Skandal daraus machen?

Wie Ulrich Kutschera bin ich jemand, der gerne provoziert. Aber nicht zum Selbstzweck. Und nicht irgendwen. Provoziert werden sollen ideologische Fanatiker und Betonköpfe jeglicher Art. Und ich provoziere aus dem Grund, weil falsche Ideen in unserer Gesellschaft echten Schaden anrichten. Mit Provokation lassen sich die Gegner der offenen Gesellschaft am effektivsten aus ihren Löchern hervorlocken. Jetzt sind sie hervor gekrochen und ihr könnt sie euch ansehen. Kein schöner Anblick, aber ein notwendiger.

Bei aller Überspitzung und Provokation ist es mir jedoch wichtig, richtig verstanden zu werden. Darum für neutrale und wohlwollende Leser einige Klarstellungen:

1. Für gleiche Rechte von Mann und Frau

Ich bin selbst ein Vertreter von einer bestimmten Art von Feminismus – auch wenn ich diesen spalterischen Begriff nicht mag – dem Equality-Feminismus, der gleiche Rechte für Mann und Frau fordert. Das ist die Ideologie der ersten Feministen des 18. Jahrhunderts wie Mary Wollstonecraft. Und ja, auch einige Feministinnen, die sich in sozialistischer Tradition sahen, haben sich de facto vor allem für gleiche Rechte (etwa das Wahlrecht) für Mann und Frau eingesetzt. Damit stellten sie sich in die liberale Tradition, in der ich mich auch sehe, ihre sonstigen Ansichten sind davon unabhängig zu betrachten. Das ist großartig. Ulrich Kutschera sieht das im Übrigen genauso, er befürwortet ebenso gleiche Rechte für Mann und Frau.

Möchte eine Frau also arbeiten, dann soll sie arbeiten. Möchte sie Kinder aufziehen, soll sie Kinder aufziehen. Möchte sie beides nacheinander tun, dann soll sie beides nacheinander tun. Ich persönlich finde Frauen weit attraktiver, die eine eigene Karriere haben. Ich finde es fantastisch. Es gibt großartige, sehr produktive Frauen, bei denen ich mich immer frage, ob ich da mithalten kann (gut, kann ich wahrscheinlich schon, aber viele Männer können es nicht). Entscheidet sich ein Paar für Kinder, wird die Frau – ja, die Frau, dafür gibt es biologische Gründe – ihre Karriere eine Weile unterbrechen müssen, dann hat der Mann für sie da zu sein, was vielleicht mehr eine Verpflichtung ist als ein Privileg. So kann die großartige Menschheit erhalten bleiben, die wir als Humanisten bestimmt alle lieben und an deren Erhaltung wir bestimmt alle ein Interesse haben.

2. Für eine Politik der individuellen Freiheit

Ich bin fest überzeugt, dass die einzig moralische Gesellschaft die freie Gesellschaft ist. In dieser Gesellschaftsform sind alle individuellen Menschen, ob Mann oder Frau, frei, ihr Leben selbst zu bestimmen. Als Anhänger von Ayn Rand bin ich sogar ein radikaler Liberaler, also ein radikaler Verfechter der freien Gesellschaft. Zum Beispiel sollen auch meine Gegner die Redefreiheit genießen, die sie mir nun mehrmals abgesprochen haben. Die freie Gesellschaft, die wir auch in Deutschland noch haben, ist die großartigste Gesellschaftsform, die jemals in der Geschichte existierte. Ich lasse sie mir nicht von Marxisten oder sonstigen Antidemokraten kaputt machen.

Außerdem bin ich auch ein überzeugter Demokrat, denn die Demokratie ist die einzige Möglichkeit, die freie Gesellschaft nachhaltig zu erhalten, auch wenn sie kein Garant dafür ist.

3. Für eine Ethik der individuellen Verantwortung

Politisch sollte also jeder frei sein, sein Leben selbst zu bestimmen, denn es ist sein (oder ihr) Leben. Wissen wir allerdings nur so viel, so wissen wir überhaupt nicht, was wir selbst persönlich nun tun sollen. Wir wissen lediglich, dass wir andere Menschen nicht an der Ausübung ihrer eigenen Freiheit hindern dürfen. Was wir jeden Tag nach dem Aufstehen mit unserem Leben anfangen sollen, ist bis zu dieser Stelle völlig unklar. Hier kommt die Ethik ins Spiel. Meine spezifische Ethik ist die von der Philosophin Ayn Rand, nämlich das aufgeklärte Eigeninteresse in Form einer Tugendethik. Wir sollen vor allem rational, produktiv und gerecht sein. Konkret sollen wir uns eine Karriere aussuchen und uns ständig bei allem, was wir tun, verbessern, wir sollen immer rational handeln und gerecht urteilen, unter anderem.

Beziehungen zwischen Mann und Frau verstehe ich als eine besonders intime Handelsbeziehung – ein Geben und Nehmen über einen langen Zeitraum, von dem beide Partner profitieren. Sex gehört in den Zusammenhang einer ernsthaften Beziehung, nicht notwendigerweise der Ehe. Diese ist aber eine „wichtige Institution“, wie sie Ayn Rand nannte. Ich verteidige also nicht die patriarchale Form der Ehe, in der der Mann ein Alleinherrscher ist (wie im Islam), sondern die moderne Vertragsehe, die liberale Form der Ehe, mit zwei gleichberechtigten Partnern, die füreinander einstehen und für einander da sind. Findet das hoffnungslos romantisch, wenn ihr mögt – aber reaktionär ist es nicht.