Hume und Rand über Gefühle

Ich möchte kurz stichpunktartig auf die Frage eingehen, wie der schottische Aufklärungsphilosoph David Hume und die US-amerikanische Philosophin Ayn Rand die Rolle von Gefühlen (bzw. „Emotionen“ oder „Leidenschaften“) gesehen haben.

David Hume:

  • Gefühle entstehen von Natur aus.
  • Sie werden durch Existierendes oder Eingebildetes in der Außenwelt ausgelöst.
  • Die Vernunft dient der Identifizierung des kausalen Verhältnisses zwischen unseren Gefühlen und dem, was sie auslöst.
  • Die Vernunft dient außerdem dazu, angemessene Mittel für die Erreichung unserer Ziele zu wählen.
  • Unsere Ziele werden letztlich durch die Empfindungen von Leid und Lust bestimmt, die sich bei unserer Interaktion mit Existierendem in der Außenwelt als bestimmte Gefühle manifestieren.
  • Gefühle sind letztlich Ursachen, keine Folgen.
  • Die Vernunft ist ein Sklave der Gefühle.

Quelle:

David Hume, A Treatise of Human Nature; Book 2, Part 3, Section 3: (“Of the influencing motives of the will”)

Ayn Rand:

  • Gefühle sind Einschätzungen davon, was den Werten eines Menschen förderlich ist oder was diese bedroht.
  • Gefühle hängen von den Werten eines Menschen ab, die wiederum aus seinen Prämissen hervorgehen, die er bewusst oder unbewusst, explizit oder implizit vertreten kann.
  • Gefühle sind also Folgen, keine Ursachen.
  • Die Vernunft dient vor allem dazu, die Realität zu identifizieren und Werte zu wählen, die unserem Überleben als Menschen dienen.
  • Die Vernunft kann also durch die rationale Wahl von Prämissen und Werten indirekt die Gefühle bestimmen.
  • Ein Mensch kann sich dazu entscheiden, die Vernunft zu einem Sklaven seiner Gefühle zu degradieren, indem er seine Werte und letztlich Prämissen nicht bewusst und rational wählt. Er kann aber auch eine andere Entscheidung treffen.

Quelle:

Ayn Rand: The Objectivist Ethics, Playboy Interview