Wie man automatisch Debatten verliert

Viele meiner Kritiker gehen offenbar davon aus, dass meine Leser, Publizisten und ich entweder dumm oder feige sein müssen. Anders kann ich mir den Grundtenor der Reaktionen auf meine Artikel auf Novo, bei der Richard Dawkins Foundation und hier im Blog nicht erklären.

Beispiele sind Reaktionen auf meinen letzten Artikel gegen die Wiederansiedlung von Wölfen in Deutschland, Der Wolf und die 80 Millionen Geißlein, sowie Reaktionen auf meinen Kommentar über die Ausschreitungen in Hamburg, Brennt Eure eigene Stadt ab, der auch bei der RDF veröffentlicht wurde. Die Strategie meiner Kritiker ist seit einer ganzen Weile immer dieselbe. Statt Argumente zu nennen und eine rationale Debatte zu führen, greifen sie auf drei „alternative“ Ansätze zurück:

1. Sie behaupten, meine Haltung würde nicht zum jeweiligen Medium passen.

Als Reaktion auf meinen Anti-Wolfansiedlungs-Artikel schrieb etwa ein Leser auf Facebook im Channel des Novo-Chefredakteurs Johannes Richardt: „Für Novo-Verhältnisse ein merkwürdig pessimistischer und rückwärtsgewandter, ja mitunter schon fast alarmistisch anmutender Beitrag“. Da sich Novo als optimistisch, vorwärtsblickend und aufklärerisch-differenzierend versteht, wäre mein Artikel demnach dort fehl am Platze. Also warum Artikel von so jemandem wie mir veröffentlichen?

Als Reaktion auf meinen Anti-Brandstiftungs-Artikel schrieb ein Leser auf Facebook im Channel der deutschen Richard Dawkins Foundation: „Richarddawkins.net verwahrlost immer mehr zu einer rechtspopulistischen Verschwoerungsseite, die den Namen eines grossen Biologen missbraucht, um Ressentiment, Rassismus und anderen Dreck auszukotzen.“ Abgesehen davon, dass die vom Leser genannte URL falsch ist und der Artikel Themen wie Rassismus und Co. nicht behandelt (außer bei einer Feststellung, dass die Gewalttäter die Scheiben einer schwarzen Ladenbesitzerin eingeworfen haben, was eher rassistisch von ihnen als von mir ist), wird hier behauptet, dass der Artikel an der falschen Stelle publiziert worden sei, da der Name des Gründers der britischen Stiftung, an die der deutsche Verein angelehnt ist, durch die Publikation missbraucht worden wäre.

2. Sie versuchen, meine Qualifikation oder Person zu diskreditieren.

Als Reaktion auf meinen Anti-Wolfsansiedlungs-Artikel schrieb ein Leser auf Facebook im Novo-Channel: „Ein guter Beleg dafür, dass so mancher Autor dem Thema nicht mal ansatzweise gewachsen ist. In Europa gab es nahezu immer etwa 10.000 Wölfe. Heute sind es sogar geschätzte 15.000. Wo sind denn die ganzen befürchteten Opfer? Zuverlässige Infos über unsere Wölfe findet man hier: [Link zu Pro-Wolf-Website].“ Inhaltlich wurde das Argument bereits im Artikel selbst gekontert (die verbliebenen europäischen Wölfe leben fernab vom Menschen), aber darum geht es dem Kritiker wohl auch nicht. Es geht dem Kommentator offenbar darum, mir die Qualifikation, einen gehaltvollen Artikel zum Thema zu schreiben, abzusprechen, damit ihn niemand liest. Daraufhin ergänzte er irgendwelche (falschen) Zahlen als Pseudo-Begründung, die sowieso niemand prüfen wird, und fertig ist die Propaganda.

Als Reaktion auf meinen Anti-Brandstiftungs-Artikel schrieb ein Leser auf Facebook im RDF-Channel: „Zum Schluß gibt der Autor jeden Rest von Seriosität auf: ,,Die Kriminalbehörde des US-Bundesstaats New Jersey hat die Antifa nun als Terrorgruppe eingestuft. Das muss in Deutschland auch geschehen.“ Dumm nur, daß es die Gruppe ,,South Jersey Antifa“ in Deutschland überhaupt nicht gibt.“ Die South Jersey Antifa ist eine spezifische Antifa-Terrorgruppe im Süden des US-Bundesstaates New Jersey. Die Antifa ist in Form von solchen Regionalgruppen organisiert, welche die Behörden jeweils als Terrororganisationen einstufen können. Die Behörden können im wörtlichen Sinne nicht „die Neonazis“ als Terrorgruppe einstufen, wie sie nicht „die Antifa“ als Terrorgruppe einstufen können, aber wie das rechtlich-formell umgesetzt wird und welche Differenzierungen im Detail vom Gesetzgeber vorgenommen werden müssen, ist ja nun eine andere Frage.

Auf jeden Fall habe ich zuvor im Artikel kein bisschen meiner Seriosität aufgegeben, also gebe ich am Ende auch nicht den „Rest“ von Seriosität auf. Und auch dort gebe ich keine Seriosität auf. Meine Aussage lautet, dass die Antifa-Gruppen Terrorgruppen sind. „Unter Terrorismus (lateinisch terror ‚Furcht‘, ‚Schrecken‘) sind Gewaltaktionen gegen Menschen oder Sachen (wie Entführungen, Attentate, Sprengstoffanschläge etc.) zur Überwindung einer politischen Ordnung zu verstehen“, so Wikipedia.

Die Antifa führt Gewaltaktionen gegen Neonazis und vermeintliche Neonazis (alle, die nicht genauso denken wie sie, darunter AfD-Mitglieder und Libertäre) durch, um politische Ziele zu erreichen. Die Grundrechte von allen Menschen, inklusive von Menschen, die nicht mit der Antifa übereinstimmen, sind in Deutschland grundgesetzlich geschützt. Die Antifa respektiert unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung nicht, indem sie zu politischer Gewalt greift. Also sind das für mich Terroristen. Man muss mit dieser Meinung nicht übereinstimmen, aber an meiner „Seriosität“ ändert sie gar nichts, sie diskreditiert also nicht von Anfang an meinen Artikel.

3. Sie beschweren sich bei Dritten.

Die feigste und niederträchtigste Reaktion auf meine Artikel ist die Beschwerde bei Dritten. Beispielsweise bei der britischen Richard Dawkins Foundation oder bei Dawkins selbst. Oder bei den Chefredakteuren der jeweiligen Publikation. Oder bei Leuten, die gar nichts mit den Artikeln zu tun haben, die mir aber vielleicht schaden könnten, wenn man mich bei ihnen anschwärzt.

So verliert man in einer freien Gesellschaft

Zunächst einmal funktionieren solche Strategien bei meinen Herausgebern und bei mir nicht, weil wir alle kritische Denker sind und die Strategien schon lange kennen. Inhaltslose Kommentare werden bestenfalls mit einem Schulterzucken gelesen, persönliche Angriffe landen im Spam-Ordner oder im Kaminfeuer. Wir interessieren uns für eine rationale Debatte. Und ansonsten für gar nichts. Charakterschwache und unerfahrene Publizisten und Leser werden gelegentlich auf so etwas hereinfallen. Wir schon lange nicht mehr.

Grundsätzlich gilt: In einer freien Gesellschaft entscheidet man Debatten durch überlegene Argumente für sich. Punkt. Man mag mit niederträchtigen Methoden einige Schlachten gewinnen, aber den Krieg wird man verlieren. Die Menschen sind nicht blöd. Sie können selbst lesen, was ich geschrieben habe und sie können selbst die Argumente und die (Pseudo-)Gegenargumente prüfen. Nicht alle werden das immer tun, aber auf lange Sicht gewinnt derjenige die Debatten, der die besseren Argumente hat. Und auch, wenn er dem Zeitgeist vollkommen entgegensteht.

Der Grund, warum jemand zu „alternativen“ Methoden greift, lautet, dass er argumentativ nicht gewinnen kann und er das auch weiß. Er kann mich entweder beleidigen und bedrohen oder eine der geschickteren Strategien anwenden, die oben beschrieben wurden, und mit all dem letztlich scheitern. Dabei wäre mir echte Kritik durchaus willkommen, wie eine frische Brise an diesen heißen Sommertagen. Früher gab es so etwas auch gelegentlich und ich habe meine eigene Meinung zu verschiedenen Fragen revidiert, aber seit einigen Artikeln kommt nichts mehr. Es ist fast so, als würde ich einen Raum voller Menschen betreten, und niemand ist da. Ich kann nur noch mit anderen Freidenkern diskutieren, ansonsten mit niemandem mehr.

Eine Gefahr für unsere Demokratie

Nun sollte man persönliche Erfahrungen nicht verallgemeinern. Aber es sind nicht nur meine persönlichen Erfahrungen. Ich empfehle zum Thema den Artikel Mit unserer Meinungsfreiheit ist es nicht weit her von Jacques Schuster:

„Trotz allem Stolz auf den Individualismus, auf die Vielfalt der Gesellschaft, auf Multikulti scheint sich selbst der progressivste Deutsche im tiefsten Innern nach der Volksgemeinschaft zu sehnen, nur dass sie dieses Mal nicht rassisch definiert ist, sondern ihr Ideal in der geistigen Einheit sucht.

Wer ihr widerspricht oder ausschert, der hat ihren inquisitorischen Eifer zu fürchten und sein Recht auf Meinungsfreiheit verwirkt. Für ihn dürften nicht einmal mehr die Formen der Höflichkeit gelten.“

Selbst zunehmend vielen konformistischen Deutschen, deren zeitgenössische Anpasser-Ideologie der 68er-Antikonformismus ist, wird es allmählich zu bunt. Lange geht das nicht mehr so weiter.