Besuch aus dem Totenreich

Ja, mich gibt es noch. Tatsächlich war ich hinter den Kulissen weiterhin für den Humanismus aktiv, da die Novo-Redaktion meine Kündigung halb ignoriert und mir ein paar weitere Aufträge geschickt hat. So kann man es natürlich auch machen. Eigentlich war ich ja fertig mit der Welt und der Menschheit. Jedenfalls dürfen meine Leser nun gespannt auf die nächste Novo-Ausgabe Nummer 124 warten, denn sie enthält einen riesigen Artikel über klassische Bildung, den ich aus dem philosophischen Magazin The Objective Standard übersetzt habe.

An dieser Stelle möchte ich nun den neuesten Stand meiner Gedanken zu verschiedenen Themen auf den Punkt bringen. Es geht unter anderem um Homoehe, „Herr der Ringe“, Identitätspolitik, Atheismus und mehr…

Ehe und Homoehe

1. Epistemologie: Ich denke, dass der Begriff „Ehe“ auf konzeptueller Ebene (!) nicht anders als eine Verbindung von Mann und Frau verstanden werden kann, die eine dauerhafte Verbindung mit gegenseitigen Pflichten eingehen, um ihre gemeinsamen Kinder aufzuziehen. Jedes andere Verständnis von „Ehe“ ergibt keinen logischen Sinn und kann nicht klar von anderen Beziehungstypen abgegrenzt werden.

Es ergeben sich dann Fragen wie: Warum sollten Bruder und Schwester nicht heiraten dürfen? Warum sollten Vater und Sohn nicht heiraten dürfen? Warum sollten zwei heterosexuelle Freundinnen nicht heiraten dürfen? Warum soll ich nicht meine Zimmerpflanze heiraten dürfen? Warum sollte nicht jeder jeden und alles heiraten dürfen? Wenn der Begriff „Ehe“ keine klare Bedeutung hat, wenn er auch die Beziehung von zwei Männern beschreiben kann, die zusammen adoptierte Kinder aufziehen oder die überhaupt keine Kinder aufziehen, dann verkommt „Ehe“ zu einem sinnlosen und austauschbaren Konzept.

2. Politik: Dieses philosophische Problem muss aber kein politisches sein. Ich möchte nicht in den Schuhen von Gerichten und Politikern stecken, die nun die Implikationen des Homoehe-Gesetzes von 2017 bewältigen müssen. Die Rechtssicherheit und die Eindeutigkeit des Gesetzes sind herausgefordert. Die Schwierigkeiten ließen sich minimieren, indem man das Eherecht zum Privatrecht umwandelt. Der Staat sollte sich aus den privaten Beziehungen der Menschen heraushalten und jeder sollte, innerhalb eines gesetzlichen Rahmens (der etwa vor Betrug oder Selbstversklavung schützt und Minderjährige ausschließt), eigene Verträgen ausarbeiten lassen dürfen. Der Staat hat dann nur über die Einhaltung der Verträge zu wachen.

Mit anderen Worten: Jeder sollte jeden erwachsenen, mündigen Bürger in gegenseitigem Einvernehmen „heiraten“ dürfen, selbst wenn ein Mann mehrere Frauen heiratet oder wenn sich eine Gruppe von sieben Männern gegenseitig ehelicht. Details regeln die Verträge und wenn eine Klausel keinen Sinn ergibt, wird sie ungültig. Und wenn sich Bruder und Schwester heiraten wollen, werden auch dadurch nicht die Rechte anderer Menschen beeinträchtigt, also sollen sie es dürfen. Statistisch gesehen führen nicht alle Beziehungen zum gleichen Erfolg bei der Aufzucht der Kinder und sie haben nicht alle dieselben Vorteile – aber das ist eine ethische Herausforderung für die betroffenen Paare und keine politische.

3. Ethik: Politisch ist aus meiner Sicht die vollkommene individuelle Freiheit die konsistente Position. Ethisch betrachtet werden die Menschen verschiedene Beziehungen aber unterschiedlich beurteilen. Wer sechs andere Männer heiratet und einen gemeinsamen „Sohn“ adoptiert, der braucht sich nicht zu wundern, wenn seine Mitbürger da besonders skeptisch hinsehen. Andererseits sind unsere Fähigkeiten als „Eltern“ kein Schicksal und jeder kann sich bewähren.

Der libertäre Philosoph Stefan Molyneux kam zum selben Ergebnis:

Worum es bei „Herr der Ringe“ wirklich geht

Ich habe J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ falsch interpretiert. Ich dachte, das Werk richtet sich gegen die Industrialisierung und fordert ein „Zurück zur Natur“. Es ergibt aber viel mehr Sinn, es als anarchistisches Werk zu verstehen. In „Herr der Ringe“ geht es darum, dass Macht korrumpiert. Mit „Macht“ ist die Fähigkeit gemeint, andere Menschen mit Gewalt zu bestimmten Handlungen zu zwingen. Der Ring steht für die Versuchung durch den Willen zur Macht sowie für die irreführende Sophisterei, welche die wahre Natur der Macht verschleiert (z.B. „soziale Gerechtigkeit“ für „Raub an den Werteproduzenten“, „Wille des Volkskörpers“ für „Wille der NSDAP-Führer“, etc.). Diese Verschleierung durch euphemistische Worte trägt zur Versuchung bei, welche die Macht ausübt.

Diese Interpretation stopft auch einige Logiklöcher. Am Ende von „Die Rückkehr des Königs“ retten die Adler zum Beispiel Frodo und Sam. Die Frage ist, warum die Adler sie nicht gleich zum Schicksalsberg geflogen haben. Stattdessen mussten sie sich durch Mittelerde durchkämpfen. Ich denke, das war Absicht seitens Tolkien. Es bedeutet: Es ist einfacher, dem Willen zur Macht zu entsagen, als es den Anschein hat. Wenn man die lügnerische Rhetorik durchschaut und „Nein“ sagt, ergibt sich der Rest von selbst.

Sauron steht für einen totalitären Herrscher wie Hitler oder Stalin, die Orks stehen für eine vom Staat industriell ausgestattete, künstlich von oben erzeugte Armee. Diese Armee vernichtet nicht nur Menschen, sondern auch die Landschaft, die natürliche Heimat der freien Menschen. So sind die grünen Aspekte von „Herr der Ringe“ in erster Linie zu verstehen. Die Industrie hat Tolkien als etwas bewertet, das potenziell vom Staat als Vernichtungsmaschine missbraucht werden kann. Und das wurde sie in den beiden Weltkriegen auch, die Tolkien miterlebte.

Siehe dazu: Tolkien v. Power

Kulturell bedingte Intelligenzunterschiede

Wie schon einmal angemerkt, gehe ich davon aus, dass die in Intelligenztests festgestellten statistischen Unterschiede in der Durchschnittsintelligenz verschiedener Ethnien kulturell bedingt sind. Eine sehr gute Argumentation für diese Interpretation liefert der US-amerikanische Intellektuelle Thomas Sowell in „Race and Culture: A World View“ sowie in „Conquests and Cultures: An International History“.

„Humanismus“ als Identitätspolitik

Der organisierte Humanismus in Deutschland ist in einem hohen Maße ein Beispiel für Identitätspolitik. Es geht sehr wenig um Philosophie und sehr viel um „Wir gegen die“, es wird eine kollektive Identität von atheistischen Humanisten konstruiert und sie gegen die „rückständigen“ Gläubigen ausgespielt, die angeblich weniger moralisch und weniger intelligent sein sollen. Das hat nichts mit Humanismus zu tun.

Humanismus versus Ökologismus

Auch nichts zu tun hat der Humanismus mit dem Ökologismus, den sich die meisten organisierten „Humanisten“ auf die Fahne geschrieben haben. Der Ökologismus geht davon aus, dass die ungenutzte Natur, die Wildnis, einen Wert an sich darstelle, den es zu schützen gelte. Da der Mensch durch die Anpassung der Natur an seine Bedürfnisse überlebt, durch die Nutzung der Natur, steht der Ökologismus dem menschlichen Überleben direkt entgegen und ist daher eine anti-humanistische Ideologie.

Unter den verschiedenen anti-humanistischen Ideologien wie Faschismus oder Kommunismus ist er diejenige, die den Menschen am meisten herabwürdigt und herabsetzt. Während die kollektivistischen Ideologien Faschismus und Kommunismus den Menschen zumindest als Teil eines Kollektivs würdigen, sieht der Ökologismus den Menschen als einen Feind an, da er die ungenutzte Natur bedroht. Der Ökologismus ist somit die menschenfeindlichste Ideologie, die mir bekannt ist.

Linke Identitätspolitik ist rassistisch

Linke Identitätspolitik, die individuelle Menschen über ihre Zugehörigkeit zu einer Ethnie oder Rasse wie Afroamerikanern oder Hispanics definiert, ist purer Rassismus. Diese Ideologie reduziert das Individuum zum Teil einer Rasse, als der es seitens der Politik behandelt werden soll. Die Rassen sollen einen unterschiedlichen rechtlichen Status erhalten, so ist aus linksradikaler Sicht die weiße Rasse zu benachteiligen und die anderen Rassen zu bevorzugen, etwa in Form der Affirmative Action. Derweil möchten „White Supremacists“, dass die weiße Rasse bevorzugt und die anderen benachteiligt werden. Rassisten sind sie allesamt, ohne ethisch relevanten Unterschied.

Ist Atheismus wirklich besser als das Christentum?

Das Christentum betont die Bedeutung der individuellen Seele, des Seelenheils, und weist einen Weg zur Erlösung durch ethisch korrektes Verhalten. Das war der entscheidende Beitrag christlicher Philosophen zum westlichen Denken: Die Aufwertung des Individuums und seiner freien moralischen Handlungen. Atheisten sind hingegen viel zu häufig Materialisten und leugnen somit den freien Willen. Wir sind demnach in dieselbe Kausalkette eingebunden wie alles andere, wie ein Stein oder eine Ameise. Damit zerstören die Materialisten den Individualismus. Aus diesem Grund sind sie häufig linke Kollektivisten, die den individuellen Menschen und seine Freiheit nicht respektieren und den Glauben an Gott durch den Glauben an den Staat eintauschen.

Da nehme ich lieber einen guten Christen als ein solches Gesocks, das sich auch noch für „intelligenter“ und „moralischer“ hält. Klar, es gibt auch Atheisten, welche den Wert des individuellen Menschen und sein Recht auf Freiheit anerkennen. Aber eines steht fest: Atheisten haben nicht notwendigerweise die insgesamt bessere Philosophie als Christen, nur weil sie nicht an Gott glauben. Häufig ist das Gegenteil der Fall.

Mangel an Selbsterkenntnis

Einige der gerade erwähnten Zusammenhänge halte ich für offensichtlich. Wer sich gegen Weiße ausspricht und weiße Menschen von Natur aus für Ausbeuter und Rassisten hält, der ist selbst ein Rassist. Ein Rassist gegen Weiße. Doch die identitätspolitischen Linken, die Social Justice Warrior, erkennen das nicht. Warum? Und wer die ungenutzte Natur höher gewichtet als menschliche Interessen, wem ein Stein oder ein Molch wichtiger ist als ein Mensch, der ist offensichtlich kein Humanist. Warum nennen sie sich dann so? Wer überhaupt keine Tugenden lebt, keine erkennbare, definierbare Ethik hat, der ist nicht besser als ein Christ, nur weil er nicht an Gott glaubt. Und doch halten sich viele dafür. Warum?

Woher kommt dieser unfassbar stark ausgeprägte Mangel an Selbsterkenntnis? Obwohl wir uns doch immer mehr auf uns selbst fokussieren und in jedem Detail, ob Nahrung oder Kleidung, nach Selbstentfaltung streben, scheinen wir uns selbst überhaupt nicht mehr zu kennen. Offenbar ist unsere Gesellschaft äußerst oberflächlich geworden. Individuen definieren sich nach Oberflächlichkeiten wie Nahrung und Kleidung. Überzeugungen sind häufig nicht mehr echt, sondern nur noch soziales Aushängeschild, eine „richtige Gesinnung“, um mehr Likes zu sammeln.

Wenigstens hat sich eines nicht verändert. Ich bin noch immer „gegen alles“, wie man mir schon seit Jahren vorwirft. Man kann es mir wohl einfach nicht recht machen. Ich bin ein ewiger Nörgler. Das sollte das Problem ja nun gelöst haben.