OHL: Der Feind meines Feindes

Ich bin von Punk Rock auf klassische Musik umgestiegen. Zusammen mit mehr Schlaf und besserem Essen trägt das zu weniger Stress bei. Schließlich ist das Berufsleben schon anstrengend genug und was soll ich mir da auch noch laute, aggressive Musik anhören?

Aber… nun ist das neue Album der gut 40 Jahre alten deutschen Punk-Band „OHL“ (Oberste Heeresleitung) erschienen, das ihre altehrwürdige Tradition des wüsten Schlachtengesangs für Freiheit und Demokratie fortführt. Das bisschen Stress muss sein.

Liberale haben es schwer in Deutschland, denn es gibt hier nur äußerst wenige von uns. Wir sind gegen Rechts und gegen Links, obwohl es etwas anderes gar nicht gibt, oder? Wenn wir etwas gegen Links schreiben, werden wir der AfD zugerechnet und wenn wir etwas gegen Rechts schreiben, dann gelten wir als die Antifa. Vielleicht hat OHL es deshalb aufgegeben, liberales Gedankengut zu kommunizieren, und der Sänger Deutscher W. schreit es lieber ins Mikrofon.

Vielleicht hat er ja recht: Wie sonst sollte man liberale Ideen vermitteln, wenn nicht mit militärischer Ikonografie, Soldatenliedern, ohrenbetäubendem E-Gitarrengewitter und krächzenden Tiraden gegen die „Pest“ und den „Abschaum“ aus links- und rechtsextremen und religiösen Reihen? Mir fällt jetzt auch nichts besseres ein, denn meine nuancierten Essays haben die Welt ziemlich kalt gelassen. Die ohnehin bereits sehr schnelle und harte Rockmusik von „OHL“ ist mit dem frischen Album „Der Feind meines Feindes“ sogar noch härter geworden. Das war also doch möglich.

Die Rechte hat den Bruch mit der politischen Korrektheit jedenfalls nicht für sich gepachtet, wie die Lyrics zeigen. Wobei, wenn man die OHL-Alben durchgeht, man eher den Eindruck gewinnt, dass die Band noch nie davon gehört hat. Wahrscheinlich wäre sie überrascht, dass sie dagegen verstößt. Schließlich begann ihre Karriere mit Liedern wie „Kernkraftritter“ gegen die Grünen, das mit den unvergesslichen Versen beginnt: „Alternative, langhaarige Sau. Du siehst aus wie deine Frau.“ Trotz aller Kontroversen, Indizierungen und so weiter ist bei OHL bis heute nichts Erkennbares passiert, außer dass sie ihre Gitarren stärker verzerrt und die Aufnahmequalität erhöht haben. Meinerseits also auf jeden Fall eine Kaufempfehlung für „Der Feind meines Feindes“. Hier einige der Highlights:

Wem die Stunde schlägt

In diesem Song kritisiert OHL, dass die Deutschen selbst Parteien gewählt haben, die es zulassen, dass radikale Muslime den Staat unterwandern. Ein Auszug:

„Ihr Handeln und ihre Gebete verfolgen nur ein Ziel:

die Verbreitung ihres Glaubens,

ihrer kranken Ideologie.

Ihr habt den Henker selbst gewählt.

Deutschland, noch ist es nicht zu spät.

Denn noch bestimmen wir, wem die Stunde schlägt.“

Stille Nacht

Still ist dieses Lied nicht gerade. OHL kritisiert, dass die Deutschen stillschweigend zusehen, wie die Feinde von Freiheit und Demokratie an Macht gewinnen.

„Wofür haben wir gekämpft

und die alten Wege verlassen,

wenn ihr euch jetzt nicht wehrt

gegen die, die euch hassen?

Stille Nacht.

Es wird Zeit, dass ihr erwacht.“

Die falsche Saat

Dieses Lied richtet sich offenbar gegen AfD und Pediga, die OHL als eine rechtsextreme und somit falsche Reaktion auf Missstände identifiziert, welche die Band ebenfalls deutlich benennt.

„Die Gefahr liegt in der Stille.

Wer schweigt, der lügt.

Die Geschichte wiederholt sich.

Die Ewiggestrigen sind hier.

Wir machen dem ein Ende,

denn der Widerstand, das sind wir.“

Schatten der Vergangenheit

Ein weiteres Lied gegen den rechten Rand.

„Sie rufen, sie schreien: ‚Sieg Heil!‘

Doch dieses Land bleibt mein

und wird es immer sein.“

Wahrheit

Hier geht es um intellektuelle Unabhängigkeit.

„Richte deine Fahne

niemals nach dem Wind.

Schwimm nicht mit dem Strom,

wenn die Wahrheit darin versinkt.“

Die Pest

Wieder eine von OHLs „Liebeserklärungen“ an radikale Muslime.

„Ein krankes, verseuchtes Volk

hinterlässt seine blutigen Spuren

Ihr Hass führt sie nach Westen.

Im Krieg der Kulturen.“

Krieg der Kulturen

Über die Bedrohung des Westens durch den fundamentalistischen Islam.

„Die westliche Freiheit

steht vor dem Aus.

Die kranke Kultur

breitet sich aus.

Die westliche Welt

befindet sich im Krieg.

Die kranke Kultur

will den totalen Sieg.“

Türkische Propaganda

Dieses Lied gegen Erdogan und seine deutsch-türkischen Anhänger hat es nicht ins Album geschafft, dafür hat die Band es auf YouTube hochgeladen.

„Keine Propaganda

für sein Regime.

Keine Propaganda

für den Feind der Demokratie.“

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