Haben Antisemitismus und Sozialismus dieselbe Ursache?

Das Ende naht. Das Feuerbringer-Magazin wird Ende April nicht mehr verfügbar sein. Mir ist allerdings ein Zusammenhang aufgefallen, den ich vorher noch meinen Lesern mitteilen möchte. Vielleicht ist es besser, Feuerbringer mit einem Knall zu schließen oder das Magazin genüsslich abzubrennen als es einfach aus dem Netz zu nehmen. Ich habe lange herumgerätselt, was die Ursache des Antisemitismus sein könnte und warum Menschen heute noch den Sozialismus vertreten, ob in seiner nationalen oder in seiner internationalen Variante. Schließlich sind diese Ideengebäude durch die Faktenlage und durch die historische Erfahrung vollkommen diskreditiert.

Es kann eigentlich nur einen irrationalen Grund dafür geben, der sich durch Fakten nicht beeindrucken lässt.

Einen irrationalen Grund, der in der menschlichen Psyche als Potenzial schlummert: Neid, Missgunst und Rachsucht. Es ist sicher nicht originell, von einem Zusammenhang zwischen Neid, Missgunst und Rachsucht mit dem Antisemitismus und mit dem Sozialismus auszugehen. Ich denke aber, dass diese Ideologien Bestand haben, weil Neid, Missgunst und Rachsucht ursächlich die Attraktivität solcher Auffassungen ausmachen. Es handelt sich um irrationale Emotionen, die auch im Angesicht widerstrebender Fakten Bestand haben können.

Die Wurzel des Bösen

Die Wurzel des Bösen – des Irrationalen – ist die Weigerung, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Wie etwa dem Umstand, dass Antisemitismus und Sozialismus, soweit sie überhaupt Aussagen über die Realität machen, widerlegt sind. Neid, Missgunst und Rachsucht sind drei mögliche psychologische Folgen des Ausblendens von Tatsachen.

Ich denke, es funktioniert ungefähr so: Menschen nehmen wahr, dass bestimmte andere Menschen erfolgreicher im Leben sind. Sie haben beispielsweise mehr Geld, eine höhere soziale Stellung, sie sind gebildeter, sie haben ein schönere Frau oder einen begehrenswerteren Mann. Was diese Menschen nicht wahrnehmen, ist der kausale Zusammenhang: Wie diese erfolgreichen Menschen erfolgreich geworden sind. Ihnen ist nicht bewusst, welche Ursachen dieser Erfolg hat und ich meine, dass dies in der Regel ein Resultat des Ausblendens von Tatsachen ist.

In anderen Fällen kann es auch eine Bildungslücke sein, weil noch nicht jeder den Unterschied zwischen einer feudalen Gesellschaftsordnung und einer freien Gesellschaftsordnung verstanden hat. In einer feudalen Gesellschaftsordnung waren Menschen oftmals als Resultat von Gewaltanwendung erfolgreich. Feudalherren wie Könige und Barone erbeuteten gewaltsam Reichtum, Ruhm und Frauen. Manche Leute glauben, dass man auch in unserer freien Gesellschaft nur durch Gewalt an diese Werte gelangt. Vielleicht sagt das auch etwas über sie aus. Manchmal vielleicht auch nicht und dann es ist wirklich nur mangelndes Wissen. Andererseits: Wie kann man den Unterschied zwischen einer feudalen Gesellschaftsordnung und unserer Gesellschaftsordnung nicht kennen? Ist nicht die Ursache davon wahrscheinlich auch wieder das Ausblenden von Tatsachen, die man nicht kennen möchte?

Ich bin also sehr bemüht, irgendwo eine alternative Erklärung zu finden.

Aber wie ich es auch drehe und wende, am Ende gelange ich doch wieder beim Ausblenden von Tatsachen durch eine freie Willensentscheidung an und bei den emotionalen Folgen Neid, Missgunst und Rachsucht als Ursachen von Antisemitismus und Sozialismus. Ich sehe, dass jemand zum Beispiel besser Fußball spielen kann als ich. Ich sehe nicht das lange, harte Training, das notwendig war, damit er besser spielen konnte. Ich sehe, dass jemand ein Mittel gegen Krebs erfunden hat und so berühmt geworden ist. Ich sehe nicht die lange, entbehrungsreiche Medizinausbildung und die vielen schlaflosen Nächte und die geistig höchst anspruchsvolle, unnachgiebige Tätigkeit, die nötig waren, um das Mittel zu erfinden.

So bin ich neidisch und ich gönne dem Mediziner seine Entdeckung nicht. Ich bin schließlich nicht darauf gekommen als der ehrliche Mensch, der ich bin. Wer darauf kommt, kann nur ein unehrlicher Mensch sein und mit unmoralischen Methoden zu seinem Erfolg gelangt sein. So entsteht die Rachsucht. Ich möchte Rache nehmen für den entwürdigenden Erfolg anderer. Rache an den Erfolgreichen. Rache an denjenigen, die besser sind als ich.

Die Bestrafung des Guten, weil es gut ist

Im Falle von Antisemitismus und Sozialismus werden bestimmte Gruppen als moralisches Übel identifiziert, die nicht zufällig als erfolgreiche Gruppen galten: Juden, das wohlhabende Bürgertum und Intellektuelle. Juden wurden von den Nazis millionenfach ermordet, das Bürgertum und Intellektuelle von den Kommunisten wie den Sowjets und den Roten Khmer (die gezielt „Brillenträger“ ermordeten).  Zwischen den Feindbildern von Antisemiten und Sozialisten gibt es nicht zufällig Überschneidungen. Um die moralische perfekte Utopie zu errichten, mussten diese moralisch korrupten Gruppen von Menschen physisch vernichtet werden, so die Perspektive der Antisemiten und / oder Sozialisten. Ohne sie gäbe es schließlich nur gute Menschen wie Dich und Mich. Gute Menschen, die mit anständigen Mitteln erfolgreich werden.

Ich schreibe das übrigens aus der Ich-Perspektive, weil man die Geschichte stets aus Tätersicht betrachten sollte, wenn man etwas aus ihr lernen möchte. Jeder glaubt gerne, er hätte Anne Frank auf dem Dachboden versteckt. Statistisch viel wahrscheinlicher ist, dass er sie an die (anderen) Nazis verraten hätte. Die meisten Menschen möchten gerne diese Tatsache ausblenden. Nicht, weil sie etwas Schreckliches über Menschen aussagt, sondern weil sie etwas Schreckliches über Dich und über Mich persönlich aussagt.

Wir sollten aufhören, Tatsachen auszublenden. Die Verlockungen von Neid, Missgunst und Rachsucht fordern uns alle heraus. Ich glaube, das ist es, was Christen damit meinen, wenn sie sagen, wir wären alle Sünder. Und das meinte Jesus wohl, als er sagte:

„Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen.

Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht,
hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.

Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg!
Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht,
als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“

Wir dürfen Tatsachen nicht ausblenden, sondern müssen versuchen, sie in Erfahrung zu bringen und sie zu akzeptieren. Andere Menschen sind in der freien Welt erfolgreicher als Du und erfolgreicher als Ich, weil sie etwas besser gemacht haben, weil sie mehr gemacht haben, weil sie den harten, steinigen Weg gegangen sind und Du und Ich waren derweil auf unserem faulen Hintern gesessen. Die Sünde ist es, den Erfolgreicheren ihren Erfolg zu neiden, ihnen den Erfolg zu missgönnen, sich für ihren Erfolg rächen zu wollen. Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Oder anders ausgedrückt: Niemand ist ohne Sünde. Wir können dies aber erkennen und es vermeiden, die Sünde auszuleben, auf ihrer Grundlage zu handeln. Dann würde uns die Sünde, die finstere Emotion, der düstere Gedanke, vielleicht vergeben werden.

Klar, mein letzter Blogeintrag musste eine Predigt sein. In diesem Sinne: Amen.