Hexenjagd 2018: Wenn der Vater AfD wählt

Die „Ihr seid alle AfD bis auf mich und meine Homies“-Generation ist eine Sekte. Es ist typisch für Sektierer, selbst ihre engsten Verwandten gegenüber der Obrigkeit und den anderen Kultisten zu denunzieren, sie als Ungläubige zu outen und sie dann ihrem Schicksal zu überlassen. Dieses Ritual dient auch dazu, den eigenen Status als vertrauenswürdiges Kultmitglied zu festigen und so in der Hierarchie aufsteigen zu können. Also in etwa das zu tun, was der Soziologiestudent mit dem Pseudonym „Leopold Löffler“ mit seinen eigenen Eltern im Tagesspiegel-Artikel „Wenn der Vater AfD wählt“ getan hat.

So ähnlich muss es in der DDR gewesen sein, wenn der Nachwuchs die Eltern bei der Staatssicherheit anschwärzte, um bei der Freien Deutschen Jugend aufzusteigen. Nur geschieht es diesmal anonym, ganz so konsequent wollen wir nicht sein dieser Tage. Es gibt ja noch freie und geheime Wahlen, Persönlichkeitsrechte, Recht auf Privatsphäre, Recht auf Meinungsfreiheit, Schutz der Familie und all diese reaktionären AfD-Dinge von damals, also konnte Löffler den echten Namen seines Vaters (und seinen echten Namen) nicht nennen – jedenfalls, bis auch diese braunen Relikte Geschichte sind.

Wenn der Vater Gedankenverbrechen begeht

Löffler fand heraus, dass sein Vater bei der Bundestagswahl 2017 die AfD gewählt hatte. Als Begründung schickte er seinem Sohn einen Text von Anabel Schunke, in dem sie erklärt, dass sie die AfD nicht mag, diese jedoch eine wichtige demokratische Funktion erfüllen könnte, nämlich „die anderen Parteien wieder in die Mitte zu rücken.“ Es ist weithin bekannt, dass es in unserem Land einen Linksruck gab und auch die CDU nun sozialdemokratische Positionen vertritt. Nicht nur Löfflers Vater versteht die AfD als ein Mittel zum Zweck, um das alte ideologische Parteiengefüge wiederherzustellen (ich selbst sehe das anders).

„Er hatte gemeinsam mit meiner Stiefmutter sein Kreuz bei einer Partei gesetzt, die für mich, meine Geschwister und meinen gesamten Freundeskreis den völligen Gegenentwurf zu dem darstellt, was wir uns politisch und gesellschaftlich von der Zukunft wünschen“, so Löffler. Er weist auf „Work&Travel“ sowie die „Erasmus-Semester“ seiner Generation hin, die sie gegen „Abschottung und Fremdenfeindlichkeit“, wofür die AfD demnach steht, gewappnet habe. Als 24-jähriger Soziologiestudent weiß man nämlich alles schon und hat alles schon gesehen.

Im Verlauf der Diskussionen über das Gedankenverbrechen seines Vaters warf ihm Löffler vor, ein „Mit-Rassist“ zu sein. „Diese ganzen platten Sprüche, die ich in den letzten beiden Jahren medial aus Dresden und anderswo in Deutschland mitbekommen hatte, wiederholte nun mein eigener Vater.“ Natürlich ist Löffler da etwas Besseres, er hat die böse Vergangenheit in Form seiner Eltern hinter sich gelassen. Er zählt zur coolen, neuen Generation, die kein Zuhause mehr kennt und die für die Arbeit umzieht, in ferne Länder reist, die einfach offen ist. Wer nach allen Seiten offen ist, der kann zwar nicht ganz dicht sein, ist aber zumindest schwer angesagt.

Extremes Wissen trifft auf Generation Undankbar

„In seiner Sucht nach immer extremeren Wissen gräbt er sich tiefer und tiefer in den braunen Sumpf an vorgefertigten Meinungen ein. Er wettert gegen die linke Mainstreampresse und vergisst dabei, dass er früher selber links war.“ Zweifellos. Die Suche nach „extremem Wissen“ im Gegensatz zur peinlichen Ignoranz der Generation Löffler, kann einen dankbaren Sohn schon vor den Kopf stoßen. Erst recht, wenn er selbst gar nichts weiß, wie etwa, dass die Linke der Generation seines Vaters andere Positionen vertrat als die heutige Linke. Anstelle von extremem Wissen zeichnet die Generation Löffler vielmehr die extreme Arroganz aus.

„Auf der einen Seite stehen ich und meine Geschwister, die überwachte Grenzübergänge nur noch aus den Geschichten der Alten kennen, gutes Englisch sprechen und sich in Europa zuhause fühlen“, schreibt er. Auf der einen Seite stehen also die Guten mit ihren großstädtischen, angesagten Hipster-Linksgrün-Werten. Auf der anderen Seite stehen die Bösen, wie seine Eltern, die so dumm waren, ihn aufzuziehen und zu ernähren, bis er ihnen das Messer in den Rücken stecken konnte.

„Während die jüngere Generation aufsteht, zu „AfD wegbassen“ und #unteilbar auf die Straße geht, sitzen die zahlenmäßig überlegenen Babyboomer in ihren Häusern mit den leeren Kinderzimmern und hoffen, dass endlich alles wieder wird wie früher“, bemängelt Löffler. Nun wurde die #unteilbar-Demo von Linksradikalen organisiert und von Islamisten unterstützt. Gewissermaßen repräsentiert sie aber trotzdem die Werte der Generation der verwöhnten und überheblichen Großstadtdenunzianten, denn diese sind derart ungebildete, desorientierte und oberflächliche Relativisten, sodass sie bedenkenlos bei Verfassungsfeinden mitlaufen können und mitgelaufen sind.

Doch wie sind wir eigentlich von „Du sollst Vater und Mutter ehren“ zu „Schaut Euch meine dummen Nazi-Eltern an“ gekommen?