Zurückgelassen von der Vernunft

Irgendwie kann ich die AfD-Unterstützer schon verstehen. Alleine schon, um diesen Blogeintrag mit einer provokanten These zu beginnen, die manche wieder dazu verleiten wird, meine gesammelten Werke für Anzeichen zu durchkämmen, dass ich insgeheim selbst die AfD unterstütze (ich beneide die Menge an Freizeit, die Euch zur Verfügung steht).

Aber auch, weil sich unsere Kultur tatsächlich schnell ändert und viele zurückgelassen werden. Unter den Zurückgebliebenen ist zum Beispiel die Vernunft, denn unsere Kultur ist komplett Gaga.

Der mit dem Wolf tanzt

Zu den Anzeichen, die gerade vor mir auf einem Tisch liegen, zählt folgendes: Die aktuelle GEO-Ausgabe befasst sich im Titelthema mit der Frage, ob wir „lernen“ können, mit dem Wolf zu leben. Wir sollen mit einem Raubtier zusammen leben, das wir in Europa aus dem Grund fast ausgerottet und vertrieben haben, weil es gezielt unsere Nutztiere und manchmal auch Menschen getötet hat. Jetzt wird das Raubtier wieder angesiedelt, weil die Leute den Wolf für ein missverstandenes Kuscheltier halten, dem der böse Mensch Übles angetan habe. Der Wolf ist nun eines der „Opfer“, über das sich unsere ebenfalls aus romantischen Gründen hier angesiedelten muslimischen Schüler auf dem Pausenhof regelmäßig lustig machen.

Und wir sind ja auch dumme Opfer, die sich selbst dazu machen. Ein weiteres Beispiel ist meine Stromrechnung. Ich bekomme keine schriftlichen Mitteilungen mehr, wie hoch sie ausfällt, sondern nur noch in kurzen Abständen E-Mails, denen zufolge die Stromkosten mal wieder irgendwie angehoben wurden. Das wird auch noch eine Weile so weitergehen, denn wir zerstören gerade absichtlich unsere Stromversorgung. Ich meine die weit verbreitete Unterstützung für eine Abschaltung aller Kraftwerke, die verlässlich Energie erzeugen können und die nicht vom Wetter abhängig sind („Energiewende“).

Apokalypse Now

Unterstützt wird die Energiewende unter anderem durch die öffentlich-rechtlichen Medien, die sich unter anderem durch meine Gebühren finanzieren, obwohl sie zu großen Teilen Positionen vertreten, die ich nicht mittrage. Als Libertärer bin ich seit Jahren für die Privatisierung der Öffentlich-Rechtlichen, diese Meinung hatte ich schon im Journalismusstudium vertreten. Ich bin auch für die Privatisierung von fast allem anderen, und das ist auch nicht schlimm, aber eines darf man heutzutage nicht sein: Für die Privatisierung der Öffentlich-Rechtlichen. Denn das klingt nach „AfD“. Wer Krankenhäuser privatisieren will, hatte wohl einen komischen Tag, aber bestimmte Medien privatisieren zu wollen, ist mindestens nationalsozialistisch.

Bekanntlich waren die Nazis überzeugte Vertreter der freien Marktwirtschaft und keineswegs eines zentralisierten Staates, der die Kontrolle über die Medien ausübt. Wer möchte, kann aber auch ein Nazi aus anderen Gründen sein. Es genügt schon, völlig offene Grenzen abzulehnen. Ich war einst als Schüler bei einem Ausflug nach Luxemburg dabei. Ich durfte damals eine Demo von Linksextremen beobachten, die für offene Grenzen demonstrierten. Niemand glaubte, dass dies eine Mainstream-Position werden könnte. Oder gar eine, die man eines Tages vertreten müsse, um nicht als „Nazi“ gebrandmarkt zu werden.

Night of the Living Dead

Wir zerstören unsere Energieversorgung, lassen uns von Wölfen fressen, öffnen unsere Grenzen nicht nur für echte Flüchtlinge, sondern auch für Kriminelle und Terroristen, wir bezahlen Menschen dafür, dass sie uns diese Dinge als gute Lösungen für dringliche Probleme präsentieren und wir lassen uns als „Nazis“ beschimpfen, wenn wir die leisesten Bedenken anmelden. Warum fühlen sich Menschen ignoriert und zurückgelassen – als lebten sie auf einmal in einem anderen Land, als wäre das nicht mehr ihre Heimat? Weil es nicht mehr ihre Heimat ist.