Der Determinismus widerlegt sich selbst

Tja, das war einfach. Aber der Vollständigkeit halber werde ich hier ein wichtiges Argument gegen den Determinismus erläutern, auf das ich noch keine gute Antwort gehört habe. Der Determinismus ist die Doktrin, laut der alles, was wir denken, tun, fühlen, glauben, entscheiden, etc. von Faktoren außerhalb unserer Kontrolle verursacht wird. Wir haben also in unserem ganzen Leben niemals eine Wahl.

Der Determinimus leidet am „Selbstausschluss“ genannten Fehlschluss, er ist mit seinem eigenen Inhalt nicht kompatibel.

Wie sich der Determinismus selbst widerlegt

Ist der Determinismus wahr, dann haben Deterministen keine Wahl: Sie müssen an den Determinismus glauben. Wer hingegen die Willensfreiheit für richtig hält, der muss sie für richtig halten. Faktoren außerhalb unserer Wahl haben uns demnach so gemacht, dass wir an den Determinismus beziehungsweise an die Willensfreiheit glauben. Jede Debatte darüber wäre sinnlos, denn wir hätten keine Möglichkeit zu entscheiden, ob der Determinismus wahr ist oder ob die Willensfreiheit wahr ist. Unser Gehirn, unsere Gene, etc. hätten uns einfach eine dieser Ideen in den Kopf gesetzt, Punkt.

Es ist ein Widerspruch zu behaupten, der Determinismus wäre korrekt, wenn er Dir keine Möglichkeit lässt, wahr oder falsch zu bestimmen. Niemand kann also sinnvollerweise behaupten, der Determinismus wäre wahr.

Woher wollen Deterministen wissen, dass sie Recht haben? Sie können laut ihrer eigenen Doktrin nicht all die Entscheidungen treffen, die für das Denken notwendig sind, die das Denken ausmachen, sie könnten keine Schlüsse aus Beobachtungen ziehen, sondern sie würden bestimmte Dinge einfach glauben. Wahre oder falsche Ideen würden ihnen durch einen physikalischen Prozess automatisch eingeimpft und sie könnten nichts dagegen unternehmen.

Ethik wird vor dem Hintergrund des Determinismus unmöglich, aber auch überflüssig. Wir bräuchten keine Orientierung, wie wir handeln sollen, wenn wir das „Sollen“ nicht in Taten umsetzen könnten, da wir automatisch handeln. Unser Gehirn sorgt demnach dafür, dass wir bestimmte Dinge tun. Übrigens: Wer ist eigentlich dieses „wir“, das unser Gehirn herumkommandiert?

Auch Rechtsprechung und Bestrafung wären dann sinnlos. Kriminelle tun kriminelle Dinge, weil sie dazu programmiert wurden. Vielleicht bestrafen wir sie trotzdem dafür, aber auch nur darum, weil wir dazu programmiert wurden. Jede Debatte über sinnvolles Recht und angemessene Strafen wäre überflüssig. Biologische Roboter bestrafen biologische Roboter.

Warum vertreten manche den Determinismus?

Ich glaube nicht, dass irgendjemand wirklich an den Determinismus glaubt. Würde sich ein Mensch davon überzeugen, dass er keine Macht über sich selbst hätte, dann würde er nichts mehr tun und sterben, eine schwere Psychose entwickeln oder Selbstmord begehen.

Es kann verschiedene Gründe geben, warum jemand den Determinismus für wahr hält. Er hat vielleicht einige der Rationalisierungen von deterministischen Philosophen gelesen, die so etwas behaupten. Oder er ist ein Physiker und glaubt an die Allmacht und Allgültigkeit der „deterministischen“ Naturgesetze (die sind tatsächlich auch nicht deterministisch, sondern kausal in einem bestimmten Sinne). Vielleicht hat er eine falsche Vorstellung von „Kausalität“, derzufolge eine lange Ursachenkette von Ursachen und Folgen alles auslöst, was es gibt und was geschieht.

Ich habe jedoch den Eindruck, dass es heute eine größere Bereitschaft gibt, an den Determinismus zu glauben, und ich denke, die Ursache ist eine nihilistische Grundhaltung, die sich der westlichen Kultur bemächtigt. Der Determinismus ist die Doktrin der Kapitulation, der Selbstaufgabe, der Aufgabe aller Werte.

Wozu soll ich die Wahrheit anstreben, wenn ich sowieso alles automatisch glaube? Wieso soll ich mich um eine gute Ethik bemühen, wenn ich sowieso automatisch handle?

Wir sind von Natur aus faul. Wir wollen möglichst viel mit möglichst wenig Aufwand erreichen. Wir können diese Tendenz produktiv nutzen, um effizienter bei der Verfolgung unserer Ziele zu werden, oder wir können zu weit gehen und unsere Ziele oder den dafür nötigen Aufwand aufgeben. Der Determinismus ist die ultimative Kapitulation.

Literatur: Edwin A. Locke: The Illusion of Determinism. Why Free Will is Real and Causal