Wir reden nicht so

Es gibt da diese merkwürdige Szene in Roland Emmerichs „The Day After Tomorrow“, dem apokalyptischen Hollywood-Film über die globale Erwärmung im Schnelldurchlauf. Über diesen Aspekt ließe sich auch einiges sagen, aber die Szene, über die ich etwas zu sagen habe, hängt nicht mit dem Klimawandel zusammen. Vielmehr suchen einige Studenten anlässlich einer einbrechenden Eiszeit in einer Universitätsbibliothek Unterkunft (Drehort war die Rechtsfakultät der McGill Universität in Montreal) und beraten sich darüber, ob sie Bücher des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche verbrennen sollen.

Nun bin ich kein Fan von Nietzsches sozialdarwinistischer Philosophie, wobei er auch einige schlaue Analysen und poetisch schöne Texte für sich verbuchen kann. Allerdings würden Studenten niemals so über Nietzsche sprechen wie die zwei Studenten in dieser Szene:

„Friedrich Nietzsche. Du kannst nicht Friedrich Nietzsche verbrennen. Er war der wichtigste Denker des 19. Jahrhunderts.“

„Bitte, Nietzsche war ein chauvinistisches Schwein, der in seine Schwester verliebt war.“

„Er war kein chauvinistisches Schwein.“

„Aber er war in seine Schwester verliebt.“

Die Studentin, die Nietzsche als „chauvinistisches Schwein“ bezeichnet, klingt wie irgendein Troll auf Facebook. Ich habe es noch nie in einem Universitätsseminar oder in privaten Diskussionen erlebt, dass jemand so reden würde, an keiner Universität, auch nicht an schottischen oder amerikanischen Unis. Sicher könnte man deutliche Kritik an Nietzsches Philosophie üben, aber nicht auf dem Niveau persönlicher Angriffe, die sich gegen längst verstorbene Denker richten. Und auch Ideen würde man niemals auf diese Weise kritisieren.

Das war im Grunde der Aspekt, der mich an dem Film am meisten gestört hat, und wenn ich der einzige Mensch bin, der das so sieht. Ich glaube, hier hat sich irgendein „linker“ Troll auf einen Studenten projiziert und vermutet, dass die sicher so schlau sind, Andersdenkende, inklusive Philosophen aus dem 19. Jahrhundert, als „chauvinistisches Schwein, das in seine Schwester verliebt war“ abzukanzeln. Ich habe es einfach noch nie mitbekommen, dass Studenten, Professoren oder Intellektuelle auf diese Weise über einen historischen Denker sprechen würden. Vielleicht habe ich mich auch nur in einer zu kleinen akademischen Filterblase aufgehalten.

Das wollte ich einfach mal loswerden.