Dafür stehe ich

Endlich habe ich eine stichpunktartige Zusammenfassung meiner grundlegenden Überzeugungen ausgearbeitet. Aufgeführt sind auch Positionen zu einigen gesellschaftlich umstrittenen Themen. Hier sind die Zusammenfassung und einige Überlegungen dazu.

Dafür stehe ich

Philosophie: Objektive Realität, Vernunft, aristotelische Tugendethik, Kapitalismus

Ich bin für: Atomkraft, Gentechnik, moderne Landwirtschaft, rationale Nutzung von Tieren (u.a. Tierversuche, Fleisch)

Ich bin gegen: Ökologismus, Antisemitismus, Religion, Esoterik

(Kein Anspruch auf Vollständigkeit)

Überlegungen dazu

Die Zusammenfassung steht nun auf der rechten Spalte im Blog unter „meine Websites“. Das sollte falschen Interpretationen meiner Texte entgegenwirken. Zwar bleiben viele Fragen noch offen, aber alles kann man eben nicht in einer Zusammenfassung unterbringen.

„Philosophie“ entspricht fast vollständig Ayn Rands Zusammenfassung ihres „Objektivismus“, die Ausnahme ist die „aristotelische Tugendethik“, welche „aufgeklärtes Eigeninteresse“ (der technisch richtige Begriff für das, was Rand meint) ersetzt. Nachdem Ari Armstrong Rands Metaethik widerlegte, kann ich sie nicht weiter vertreten.

Trotzdem bleibt meine Ethik weiterhin stark durch Rand beeinflusst, vor allem in Hinblick auf die Verankerung in der durch Vernunft erschlossenen Realität. Ich denke weiterhin, dass das „Ausblenden“ (Rand) von Tatsachen die Kardinalsünde der Menschen ist. Allerdings ist meine Ethik nicht mehr egoistisch, weder im Sinne von Rand (Ausrichtung auf das Überleben des individuellen Organismus), noch in einem anderen Sinne.

Es geht bei der Ethik zwar um unser eigenes Leben und wie wir handeln sollen, aber die ausschließliche Ausrichtung auf unsere eigenen Interessen kann der menschlichen Existenz nicht gerecht werden. Ich verorte meine Ethik nun wieder in der Tradition der „aristotelischen Tugendethik“.

„Kapitalismus“: Ayn Rand hat den „Kapitalismus“ als „soziales System auf Grundlage der Anerkennung individueller Rechte, inklusive Eigentumsrechte, in der sich alles Eigentum in privater Hand befindet“ definiert. So weit gehe ich inzwischen nicht mehr, weil dieses System in Reinform nach meinem Dafürhalten nicht funktionieren kann.

Ich habe nun genügend Essays über die Privatisierung von Straßen, der Meere und der Luft gelesen, um mich von Anarchokapitalisten eher veralbert als überzeugt zu fühlen. Rand meint zwar im Gegensatz zu diesen der Staat sollte für Gerichte, Polizei und Militär zuständig sein, aber selbst die Finanzierung dieser Institutionen soll freiwillig erfolgen. Das sehe ich schon lange anders (siehe: Steuern sind kein Diebstahl). Der Staat sollte öffentliche Güter (im weiten Sinne) bereitstellen, wo es Marktversagen gibt. Und die Bürger sollten Steuern zur Finanzierung des Staates zahlen müssen.

Davon abgesehen sollte der Staat auch für alle Menschen sorgen, die nicht für sich selbst sorgen können. Laut Rand haben solche Menschen keinen „Anspruch“ auf die Hilfe anderer und sind von freiwilliger Hilfe abhängig. Das funktioniert so aber nicht, da rechtlich die Eltern solcher Menschen, etwa Schwerbehinderte, für sie verantwortlich sind. Und die müssten im Laissez-faire-Kapitalismus, sofern sie nur genug Geld für sich selbst verdienen (und ihre Fähigkeit, das zu tun, wird durch die Pflege der schwerbehinderten Kinder eingeschränkt), für ihre Kinder betteln gehen.

Trotzdem kann man auch diese Form der Gesellschaftsordnung „Kapitalismus“ nennen. Wo immer möglich, sollte sich Eigentum in privater Hand befinden. Es ist nur nicht überall möglich oder moralisch richtig.

Sonstiges: Bei „Ich in für“ und „Ich bin gegen“ ergreife ich Partei für einige Positionen, die in unserer Gesellschaft zur Zeit umstritten sind. Darunter Atomkraft und Gentechnik. Ich hätte auch schreiben können, ich bin gegen Rassismus und Sexismus. Aber da dies sowieso jeder heutzutage sagt und damit die unterschiedlichsten Dinge meint, habe ich es gelassen.

Ich bin in dem Sinne gegen Rassismus, als ich eine rechtliche Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Ethnie ablehne. Und ich bin in dem Sinne gegen Sexismus, als ich eine rechtliche Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts ablehne. Ich bin nicht der Meinung, dass jeder ein Rassist ist, der nicht die Grünen wählt und dass jeder ein Sexist ist, der einer Frau Komplimente macht.

Schließlich habe ich angeführt, dass ich „gegen Religion“ bin und meine damit tatsächlich die Gesamtheit der Religionen. Das heißt nicht, dass man Religion (oder Esoterik) verbieten sollte, sondern ich halte solche Überzeugungen für falsch und für moralisch schlecht.

Schließlich hätte ich auch schreiben können, dass ich für eine „konstitutionelle, repräsentative Demokratie“ (unser politisches System in Deutschland) bin, aber das setze ich einmal voraus. Und ich hätte sagen können, ich befürworte „technologischen Fortschritt“, aber das geht aus der Befürwortung des Kapitalismus hervor.