Darum war das Finale von „Game of Thrones“ großartig

Als beinahe einziger Mensch bin ich sehr glücklich mit dem Finale der TV-Serie „Game of Thrones“. Die letzte Folge, „Der Eiserne Thron“, führt die Haupthandlung der Serie sinnvoll zu Ende. Dabei bewahrt sich die Serie ihre Bodenständigkeit und ihre realpolitische Perspektive. Aus dem Mystischen und Utopischen ist nichts geworden, stattdessen siegen gradueller Fortschritt, Dialog, ein gewisses Chaos und, wo nötig, Kompromiss.

Spoiler!

Ja, die hohe Geschwindigkeit ist ein Problem

Die letzte Folge teilt sich mit den fünften Episode einige Stärken und Schwächen: Handwerklich liegt sie wieder auf dem höchsten Hollywood-Niveau, da besteht kein Unterschied zu einem großen Kinofilm. Schwach ist wieder die enorme Geschwindigkeit, mit der die Handlung zu Ende geführt wurde. Es ist berechtigt, wenn viele Zuschauer Aspekte wie die Charakterentwicklung sowie Zeit- und Ortssprünge der letzten Staffel kritisieren. Ja, gefühlt ist die finale eine eher langsame Episode, weil einzelne Figuren viel Zeit vor der Kamera bekommen, ohne dabei viel zu tun oder zu sagen, aber erneut gibt es erhebliche Sprünge in der Handlung.

Und ja, es geht zu schnell in der gesamten letzten Staffel, tatsächlich kann man die Plausibilität des Plots daher in Frage stellen. Aber sieht man darüber hinweg und richtet seine Aufmerksamkeit auf die große Geschichte, so wurde sie letztlich befriedigend und durchaus tiefgründig zum Abschluss gebracht.

Das große Thema ist dabei die Tyrannin Dany, die nicht nur von ihren Anhängern, sondern auch von vielen Zuschauern als positive Erlöserfigur verstanden wurde. Diese sind sehr wütend, dass sie, scheinbar aus dem Nichts, eine Stadt voller Zivilisten abbrannte. Wie ich im vorherigen Beitrag belegt habe, kommt dieser „Sinneswandel“ aber keineswegs aus dem Nichts und ist tatsächlich keiner.

In der finalen Folge erläutert Tyrion meine eigene Meinung zum Thema näher: Ihre Anhänger haben Dany bejubelt, weil sie ja fast immer nur „die Bösen“ verbrannte. Dass sie damit gezielt ihre eigene Macht vergrößerte, das geriet aus dem Blick oder wurde in Kauf genommen. Auch, dass „die Bösen“ sehr unterschiedlich sind und sich vor allem in ihrer Eigenschaft gleichen, sich Dany zu widersetzen, wurde nicht wahrgenommen. Nein, es waren üble Sklavenhändler, primitive Nomadenführer, Reaktionäre wie Sams Vater, böse Zauberer und Hexen – genau die Art von Person, die heutige Progressive ablehnen.

Wie Dany uns verführen sollte

Und Dany war ihre perfekte Heldin: Eine starke Frau, die es den Patriarchen mal so richtig zeigte. Doch die Serie bleibt viel realistischer als progressive Ideologen: Sie zeigt Frauen, die relativ heldenhaft sind (Sansa, Arya, Asha Graufreud) und sie zeigt, dass es auch relativ bösartige Frauen gibt (Cercei, Dany). Und vor allem zeigt sie, wie wir uns mit unserem Glauben an charismatische Führer selbst belügen, dass autoritäre Herrscher, gleich welcher Art, letztlich wie die aus der Geschichte bekannten Diktatoren handeln werden. Und müssen, falls sie Alleinherrscher bleiben wollen.

Im Gespräch von Jon mit Dany erklärt die Königin, dass sie und Jon nun entscheiden können, was Gut und Böse ist. Was ist mit anderen Menschen und ihren Vorstellungen von einem guten Leben?, fragt Jon. Sie dürfen es nicht entscheiden, meint Dany. Sie beide alleine setzen ihre Vorstellung von einem guten Leben für alle Menschen mit Gewalt durch. Wir als Zuschauer sollten Dany auf den Leim gehen, weil sie moderne Werte verkörpert – und viele sind ihr auf den Leim gegangen.

Der Aufruhr gegen die „Wandlung“ Danys hat viel damit zu tun, dass sie den Leuten den Spiegel vorhält. Viele der Zuschauer möchten ebenfalls diesen „bösen Reaktionären“ mit Gewalt ihre Vorstellungen aufzwingen. Sie wären am liebsten „gute“ Diktatoren, die der AfD und den ganzen Populisten mal zeigen, wo der Hammer hängt. „Game of Thrones“ zeigt diesen Zuschauern, was sie eigentlich sind: Noch viel schlimmer als ihre Gegner.

Fortschritt statt blutige Revolution

Am Ende wird auch meine Vorstellung eines guten Lebens, eine konstitutionelle Republik wie in Deutschland, nicht mit Gewalt durchgesetzt. Stattdessen wird der neue König von den Fürsten gewählt. Ein Fortschritt, ein Schritt in Richtung Freiheit und Demokratie, aber keine Revolution. Doch so kann ein weiterer Krieg vermieden werden. Und so müssen keine weiteren Städte brennen. Indem man sich zusammensetzt, seine Interessen erläutert und versucht, eine gemeinsame Lösung zu finden. Ganz ohne Feuer und Blut.

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