Was bleibt von Ayn Rands Ethik?

Nachdem ich einige Jahre lang Ayn Rands Ethik vertreten habe, schätze ich sie nun als formell widerlegt ein (genau genommen ihre Metaethik, was aber auch Folgen für ihre Ethik hat). Das hat auch Konsequenzen für die politische Philosophie und für die normativen Aspekte der Ästhetik, auf die ich noch zu sprechen kommen werde. Ich teile weiterhin größtenteils die objektivistische Metaphysik und Epistemologie. Wir sollten demnach mithilfe der Vernunft Schlüsse aus der beobachtbaren objektiven Realität ziehen.

Der Philosophie-Bereich des Feuerbringer-Magazins ist nur noch eine Baustelle mit Warnhinweisen. Auf lange Sicht soll sich das ändern. Obwohl Rands Metaethik unhaltbar ist, bleiben trotzdem wichtige Aspekte ihrer Ethik für mich gültig. Welche, das möchte ich hier zusammenfassen.

Ich nenne meine Ethik nun „aristotelische Tugendethik“, womit ich nicht konkret die Tugendethik des Philosophen Aristoteles meine, sondern eine weiter entwickelte Tugendethik in aristotelischer Tradition. Sie hat weiterhin viele objektivistische Elemente, aber da Ayn Rand darauf beharrte, dass nur ihr spezifisches System „Objektivismus“ genannt werden darf, möchte ich diesen Namen für meine Variation nicht missbrauchen. Folgendes denke ich weiterhin:

Ethik: Konzeptualisierung der Erfordernisse des menschlichen Lebens in ein integriertes, hierarchisch strukturiertes, widerspruchsfreies System zuverlässiger Prinzipien.

Tugendethik: Aristoteles erkannte, dass Ethik habituell ist. Es ist etwas, das wir aus Gewohnheit tun und das wir entsprechend konsequent praktizieren müssen. Tugenden sind Verhaltensregeln (Prinzipien), die wir gewohnheitsmäßig befolgen sollten. Es geht also bei einer Tugendethik nicht darum, in jeder Situation neu abzuwägen, was wir zu tun haben. Vielmehr sollten wir uns an universellen, aus der Realität abgeleiteten Regeln orientieren: An Tugenden.

Maßstab: Das menschliche Leben

Der ethische Maßstab ist das, wozu die Ethik letztlich dient und von ihm sind die Werte abgeleitet. Ich denke, dass die Ethik dem menschlichen Leben dienen sollte und dass jeder individuelle Mensch ein Wert an sich ist. Wir sollten die Würde von jedem Menschen achten, darunter auch unsere eigene.

Unsere Ethik sollte also nicht etwa Pflanzen oder Tieren als Selbstzweck dienen, sondern Menschen, wobei Pflanzen und Tiere wiederum dem Menschen dienen können.

Meine Ethik ist somit eine humanistische, vom Menschen ausgehende und auf den Menschen fokussierte Ethik.

Werte: Werte sind das, was wir durch das Leben von Tugenden anstreben sollten.

Die wichtigsten Werte sind: Vernunft, Verfolgen eines übergeordneten Zwecks (Lebenssinn), Selbstvertrauen.

Tugenden: Tugenden sind Verhaltensregeln, die wir gewohnheitsmäßig befolgen sollten, um unsere Werte zu erreichen.

Die wichtigsten Tugenden sind: Rationalität, Unabhängigkeit, Integrität, Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Produktivität.

Die übrigen Ausführungen über Ethik im Philosophiebereich sind mehr oder weniger hinfällig. Das ist kein geringfügiges Problem, weil somit auch die systematische Begründung der Ethik wegfällt. Ich kann zwar gute Gründe für jeden oben genannten Aspekt der Ethik anführen, aber die Systematik und die Verankerung in Metaphysik und Epistemologie sind stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Daran werde ich arbeiten müssen.

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