Ist der Kohleausstieg ein Fehler? Feuerbringer vs. Ende Gelände

Ich habe den gestrigen Tag mit einer fortlaufenden Twitter-Diskussion mit den „Ende Gelände“-Aktivisten und Fridays for Future verbracht. Ich war ursprünglich der Meinung, dass der Ersatz von Kohlekraft durch Atomkraft angesichts der CO2-Reduktion auf lange Sicht eine gute Idee sein könnte, dass bei einem „sofortigem“ Kohleausstieg aber die Nachteile überwiegen.

Die Aktivisten haben mich überzeugt, dass der Kohleausstieg in Deutschland auf absehbare Zeit grundsätzlich eine schlechte Idee ist.

Ich empfehle die Lektüre unserer Diskussion, weil sie das Debattenniveau in unserer Gesellschaft schön illustriert. Ich hatte sie mit diesem Tweet eröffnet:

Nach den üblichen Aktivisten-Strategien für solche Fälle (vom Thema ablenken, Charakter diskreditieren, Beleidigung, Moving the Goalpost, etc.) zeichnete sich diese Diskussion dadurch aus, dass mir einige Diskussionsteilnehmer Recht gegeben haben, aber offenbar glaubten, mir damit zu widersprechen. Besonders aufschlussreich fand ich die Tweets von Union-Watch:

Mit anderen Worten war die Demonstration gestern im Rheinland (die Union-Watch unterstützt) völliger Quatsch. Denn da ging es um einen sofortigen Kohleausstieg. „Wir sind der sofortige Kohleausstieg“ schreiben die Aktivisten auf der Ende-Gelände-Website. Die sind übrigens Linksextremisten, welche die gesamte Marktwirtschaft abschaffen wollen: „Wir müssen den Kapitalismus mit seinem Wachstumszwang und seinen Ausbeutungsmechanismen überwinden.“ Man kennt sie schon von den Hambi-Protesten.

Warum der Kohleausstieg ein Fehler ist

Im Verlaufe der Diskussion ist mir dann klar geworden, dass der gesamte Kohleausstieg in Deutschland (nicht unbedingt in anderen Nationen) ein Fehler ist. Der Grund sind die benötigten Gaskraftwerke. Diese kosten nämlich deutlich mehr als Kohlekraftwerke und dabei sparen sie insgesamt nur maximal 30 Prozent CO2-Emissionen im Vergleich ein – eine sehr optimistische Schätzung. Sie sind längst nicht so CO2-arm wie Atomkraftwerke oder Erneuerbare.

„Verglichen mit einem Stein- oder Braunkohlekraftwerk, verursacht ein Gaskraftwerk bis zu 30 Prozent weniger CO2-Emissionen pro Kilowattstunde (kWh). Noch steht Kohle in Deutschland allerdings für knapp 40 Prozent der Stromerzeugung“, wie man im Handelsblatt erfährt. So kostet Erdgas in der Erzeugung 3,6 Milliarden Euro mehr. Um CO2 einzusparen, könnte man stattdessen etwa den Güterverkehr von der Straße auf Schienen- und Schiffstransport verlagern.

Ich wurde von einem Diskussionsteilnehmer auf einen Artikel auf energie-lexikon.info hingewiesen. Der Autor argumentiert, dass wir keine Ersatzkraftwerke brauchen, wenn wir das europäische Verbundsystem ausbauen. Mit anderen Worten sollen wir in ganz Europa nur Erneuerbare Energien nutzen und wenn dann in Deutschland mal nicht genug Wind weht oder Sonne scheint, dann tut sie das vielleicht woanders umso mehr und wir können uns die Überschuss-Energie aus einem anderen Land holen.

Der zweite Kommentar unter diesem Artikel liefert aber bereits ein gewichtiges Gegenargument:

Wenn am aber die Thesen des Autors als sinnvoll hinnimmt, kann man die (sichere) Solarleistung nur für die Abdeckung einer eventuell vorhandenen Verbrauchsspitze bei Tag nutzen, die gesamte Grundlast müsste durch ein europaweites Windenergienetz bereitgestellt werden.

Dieses müsste so dimensioniert sein, dass auch bei insgesamt geringem Windaufkommen die Versorgung Europas mit Energie in den Nachtstunden sichergestellt wäre.

Ich wünsche viel Spaß mit den Anti-Stromleitungs- und Anti-Windkraft-Bürgerinitiativen.

Was den tatsächlichen Effekt auf den weltweiten CO2-Ausstoß angeht und wenn man bedenkt, wie hoch die Kosten für den Kohleausstieg sind, ist es die Sache nicht wert. Vielleicht auf lange Sicht, wenn die Deutschen die Atomkraft nicht ablehnen würden, aber nach aktuellem Stand bringt das gar nichts. Die Volksrepublik China ist Stand 2016 für 26,4 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich, die USA für 17,7 Prozent. Und Deutschland? Für 2,4 Prozent. Und um einen sehr kleinen Anteil daran einzusparen, machen wir die gesamte Kohleindustrie kaputt. Und ersetzen sie durch eine viel teurere und nur wenig CO2 einsparende Energiequelle.

Kohlekumpel schützen die Aktivisten vor ihrer eigenen Dummheit

Zuletzt möchte ich noch ein ikonisches Bild teilen, das Union-Watch auf Twitter veröffentlichte. Kohlearbeiter stellen sich den linksradikalen Aktivisten bei Aachen zusammen mit der Polizei entgegen. Ihr Ziel: Das Leben der Aktivisten zu schützen. „Personengruppen suchten den Weg zur Tagebaukante. Dort sei jederzeit ein Abrutschen möglich. Die Aktivisten sollten deshalb die Betretungsverbote beachten, so die Polizei.  Es drohe Lebensgefahr!“, wie man auf Focus Online erfährt.

Nicht, dass sich die Aktivisten dankbar zeigen würden. Inzwischen gibt es sechs verletzte Beamte, versuchte Gefangenenbefreiungen und zwei Pumpstationen wurden in Brand gesetzt.