Hört auf den Verfassungsschutz

Lest die Texte des Verfassungsschutzes. Darauf weise ich inzwischen sogar auf meinem Twitter-Profil hin. Mir ist aufgefallen, dass der Verfassungsschutz von den Feinden von Freiheit und Demokratie dann gerne angeführt wird, wenn es darum geht, dem politischen Gegner zu schaden. Doch führt die andere Seite ihn an, dann wird auf die verbreitete Kritik an dieser Institution hingewiesen, etwa die Komplikationen durch V-Männer oder der Ex-Chef Hans-Georg Maaßen. So soll wiederum die Glaubwürdigkeit dieser Institution untergraben werden. Lasst euch davon nicht täuschen.

Sowohl AfD-Fans als auch Linke wären gut beraten, sich dort einmal umzusehen. Dann durchschauen nicht zuletzt linke Jugendliche die Strategien von Linksextremen besser und gehen ihnen nicht auf den Leim. Über die gab es durch Lehrkräfte keinerlei Aufklärung während meiner Schulzeit und eine ganze Reihe von Schülern hatten dort mitgemacht. Durch mangelnde Aufklärung erklärt sich wohl der „#IchbinAntifa“-Hashtag, der auf Twitter zeitweise so populär war. Die meisten Leute schreiben das aus einer atemberaubenden Naivität heraus und glauben, die Antifa, das wären einfach Leute, die gegen Faschisten sind. Aber es sind (weitgehend) lose, vernetzte Gruppen von Anarchisten, die strategisch ausgeklügelt und bei Demos sogar in militärischen Formationen vorgehen, um das „System“ (freiheitlich-demokratische Grundordnung) zu stürzen. Siehe Verfassungsschutz zum Thema Antifa:

Die Aktivitäten von Linksextremisten in diesem Aktionsfeld zielen aber nur vordergründig auf die Bekämpfung rechtsextremistischer Bestrebungen. Im eigentlichen Fokus steht der Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, die als „kapitalistisches System“ diffamiert wird, und deren angeblich immanente „faschistische“ Wurzeln beseitigt werden sollen.

Tatsächlich hatte eine Antifa-Gruppe schon ein paar Mal versucht, mich selbst anzuwerben, als ich mich noch in der linken Szene herumgetrieben habe. Ich hatte damals zeitweise einen Irokesenschnitt und einen dicken roten Stern auf dem T-Shirt, insofern war es wohl naheliegend. Aber ich machte nie bei Extremisten mit, die waren mir viel zu angepasst und zu stumpfsinnig. Auch die Rote Hilfe umwirbt Jugendliche in Punk-Schuppen, Metal-Discos, im Rahmen entsprechender Konzerte und an ähnlichen Orten. Linksextremistische Symbole, Flyer, Ansprechpartner gehören bei Punk-Konzerten zur Grundausstattung. Auch die Öko-Szene unterwandern sie unlängst, siehe etwa Ende Gelände, die zur Interventionistischen Linken gehören und Freiheit und Demokratie („Kapitalismus“) abschaffen wollen.

All das wirkt normal, wenn man dort ist, als würde es einfach dazugehören. Als wären Verfassungsfeinde „Leute von uns“, linke Jugendliche wie andere. Genau so soll es auch wirken. Rechtsextreme Rekrutierer habe ich bislang nur einmal getroffen, das war vor meinem Gymnasium. Sie haben auch versucht, auf coole Jugendliche zu machen, wie wir zu wirken. Bei denen hatte das allerdings nicht funktioniert, da linke Ideologien viel beliebter waren an meiner Schule. Irgendwann wurden sie dann frustriert, immer lauter und bedrohlich, bis jemand die Polizei rief.

Den rechtsradikalen Stumpfsinn beobachte ich vielmehr heute auf Twitter und Facebook, wo einige Liberale oder Ex-Liberale immer mehr abdrehen mit ihren Beiträgen gegen kriminelle Ausländer und ihren Retweets von AfDlern. Als Argument kommt dann mir gegenüber, es wäre „pragmatisch“, die AfD zu wählen, oder es gäbe ja sonst keine Alternative. Ich kann das nicht nachvollziehen. Nichtwählen ist als Protestform besser als Leute zu wählen, mit denen ihr angeblich nicht übereinstimmt. Oder natürlich die FDP zu wählen – eine wirklich prinzipientreue Partei werdet ihr nirgends finden, selbst in der gesamten menschlichen Geschichte nicht. Und wenn euch die FDP so grundlegend nicht passt, dann tretet bei und macht sie besser.

Solchen Leuten wie der heutigen AfD gibt man keine Stimme, keine Macht. Ich kann nur noch einmal auf den Artikel von Lukas über die AfD hinweisen – und nein, er macht kein „Cherry Picking“ und es ist auch kein „Strohmann“-Argument. Das ist die Wahrheit. Die Wahrheit ist, dass ihr rechtsradikalen Bauernfängern auf den Leim geht.

Jeder muss wissen, was er tut und was er befürwortet. Ich muss es mir aber nicht anhören. Darum lasse ich es nun.

Bei „Konservativ“ denke ich an konservative Intellektuelle wie den genialen Theodore Dalrymple (wir hatten einmal einen längeren Austausch – eine wahnsinnige Ehre für mich, obwohl ich selbst nicht konservativ bin). Oder ich denke an den herausragenden Roger Scruton. Wer ernsthaft „konservativ“ sein will, in dieser intellektuellen Tradition stehen möchte, der kann nicht den kranken, menschenverachtenden Stumpfsinn der AfD verbreiten. Damit beleidigt er sich selbst und er beleidigt die konservative Tradition.

Bei Liberalen und Libertären bleibt einem ebenso die Spucke weg, wenn sie die AfD retweeten. Ja, ursprünglich hatte die mal einen wirtschaftsliberalen Flügel. Aber schaut euch doch an, was diese Partei heute tut, wie sie sich öffentlich gibt, welche Stellungnahmen sie verbreitet. Liberale und Libertäre, sie stehen in der Tradition von Denkern wie Ludwig von Mises, August von Hayek, Ayn Rand, Politikern wie Ludwig Erhard. Von Mises würde sich im Grab umdrehen, Ayn Rand würde euch eigenhändig strangulieren für eure Verbreitung von dieser rechtsextremen Hetze. Wie Rand schrieb:

So etwas wie ein kollektiver oder rassischer Geist existiert nicht, also gibt es nichts wie eine kollektive oder rassische Errungenschaft. Es gibt nur individuelle Geister und individuelle Errungenschaften – und eine Kultur ist nicht das anonyme Produkt von unterschiedslosen Massen, sondern die Summe der intellektuellen Leistungen von individuellen Menschen.

Ich schätze, mit intellektuellen Leistungen habt ihr es nicht mehr so.