Feuerbringer rettet die Demokratie

Und zwar im Alleingang! Aber ihr dürft gerne mitmachen.

Ich hatte ein kleines Gespräch mit „Hartes Geld“ auf Twitter, der jüngst deutschlandweite Berühmtheit (oder Berüchtigtheit) erlangte. Der Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses Brandner (AfD) retweetete nämlich einen seiner Tweets mit Bezug zum Anschlag in Halle, der als antisemitisch empfunden wurde. Ich glaube zwar nicht, dass er antisemitisch gemeint war (Ergänzung: Der Tweet! Der Anschlag war natürlich antisemitisch motiviert!), allerdings habe ich trotzdem keine hohe Meinung von diesem oder den anderen Tweets von „Hartes Geld“. Wir kommen beide aus einer libertären Tradition und das war die Grundlage unserer Unterhaltung. Ich fragte mich, wie er vom Libertarismus dort landen konnte, wo er jetzt ist.

Zum ersten Mal ist außerdem das Unglaubliche geschehen: Ich konnte eine lange philosophische Debatte auf hohem Niveau mit jemandem auf Twitter führen. Obendrein ging es um Epistemologie, eines der schwierigsten Teilgebiete der Philosophie. Und niemand hat irgendwen „Hitler“ genannt.

Ferner habe ich mich mit der Uni Hamburg wegen des Umgangs mit Bernd Lucke angelegt, mit dem Bundesumweltministerium wegen dessen Aufforderung in Richtung Schweiz, die Atomkraftwerke stillzulegen und bei meinem Streit mit Ungleichheits-Feministen steht es ungefähr 90:1 gegen mich (habe ihn also gewonnen, da die Gegenseite nicht diskutiert, sondern nur auf Buttons klickt). Ich sollte noch mal darauf hinweisen, dass ich mit „Feministen“ keine Leute meine, die gleiche Rechte für Frauen fordern. Frauen sollen natürlich gleiche Rechte haben und die haben sie auch. Ein Problem habe ich vielmehr mit Privilegien, die moderne Feministen inzwischen fordern.

Ich war zudem mit Susanne Baumstark, einer Bloggerin und Leserin meines Blogs, bei der Debatte „Haltung zeigen oder selber denken?“ zwischen Matthias Politycki und Dr. Carsten Brosda. Die fand ich super und schreibe hier ein paar Zeilen dazu.

Es gibt übrigens eine weitere Möglichkeit, mich in freier Wildbahn anzutreffen. Und mir ganz persönlich alles über die Tamponsteuer zu erzählen. Oder wie sehr Lucke es verdient habe, von der Antifa und seinen Studenten angeschrien und geschubst zu werden.

Die spannenden Abenteuer des Feuerbringer

1. „Hartes Geld“, aus Dir soll ich schlau werden. Der Mann tweetet unablässig über kriminelle, teure und sonstwie lästige Migranten, ist aber „libertär“. Das Komische? Libertäre sind nicht zuletzt dafür bekannt, für freie Migration einzutreten. Bereits der liberale Philosoph John Locke hatte im 17. Jahrhundert den Gedanken, dass sich freie Nationen miteinander in einem Wettbewerb befinden und wer die beste Politik macht, der lockt auch die besten Leute an. Die libertären Vordenker Ayn Rand und Ludwig von Mises befürworteten die freie Migration.

„Hartes Geld“ argumentiert aber, dass der Sozialstaat Migranten anlocke und wir daher kritisch gegenüber Immigration sein sollten. Darauf gibt es eine Antwort, nämlich dass wir eine konkrete Politik ablehnen, aber weiterhin unseren Prinzipien treu bleiben können und sollten. „Hartes Geld“ hat die meisten seiner Tweets in unserer Diskussion gelöscht, weil er mich falsch eingeschätzt hatte, aber meine Erläuterungen und meine Positionierung zum Thema sowie ein abschließender Kommentar von ihm sind weiterhin online zu finden und zwar hier: Feuerbringer vs. Hartes Geld.

Die Diskussion ist ein gutes Beispiel dafür, dass man miteinander und nicht übereinander reden sollte und kann – umso mehr, wenn man die Welt anders sieht.

2. Die oben erwähnte philosophische Debatte behandelt den Zusammenhang zwischen empirischen Daten und wissenschaftlichen Theorien. Anlass der Diskussion war der Artikel Science and Data: Notes on a Misconception von Lucas Smalldon im Freidenkermagazin Quillette. Da mein Diskussionspartner Michael Golding von der modernen Philosophie ausgeht und entsprechende Begrifflichkeiten verwendet und ich die objektivistische Epistemologie vertrete, ist die Debatte nicht ganz einfach – bis völlig unverständlich, sofern ihr keinen Doktortitel in Philosophie habt. Also viel Spaß: Zur Debatte über Wissenschaftstheorie.

3. Die Reaktion der Uni Hamburg auf das Vorgehen der Antifa gegen Bernd Lucke war ein Riesenskandal. Ich bin stark für die freie Debatte und gegen Gewalt und Geschrei, obendrein sind für mich Universitäten heilige Orte, quasi Tempel. Hier hat die Universitätsleitung selbst dazu beigetragen, dass der Tempel des Wissens verunreinigt wurde durch einen stumpfsinnigen Extremisten-Mob. Mein wichtigster Beitrag zur Auseinandersetzung war wohl mein schneller Hinweis auf einen Kommentar in der NZZ von Jonas Hermann unter der zweiten Stellungnahme der Uni. So war dafür gesorgt, dass der Kommentar, dem ich zustimme, an der richtigen Stelle die nötige Aufmerksamkeit erhält.

4. Das Deutsche Umweltministerium hat die Schweiz aufgefordert, ihre Atomkraftwerke zeitnah stillzulegen. Die Deutschen kommandieren weiterhin den Rest von Europa herum. Womit haben wir uns das eigentlich verdient?

5. Die Debatte „Haltung zeigen oder selber denken?“ zwischen Matthias Politycki und Dr. Carsten Brosda in der Freien Akademie der Künste in Hamburg war sehr interessant. Matthias Politycki ist ein deutscher Schriftsteller, der sich politisch im grünen Spektrum verortet, aber die Intoleranz und das Sektierertum in diesen Reihen mit deutlichen Worten kritisierte. Dr. Carsten Brosda ist Senator der Hamburger Behörde für Kultur und Medien und SPD-Politiker. Er stimmte mit Politycki weitgehend überein und sprach sich auch für weniger Scheuklappen und offene Debatten aus zwischen Menschen mit unterschiedlichen Weltanschauungen. Es war erfrischend, das einmal aus den Reihen der SPD und den Grünen zu hören. Schade nur, dass im Anschluss keine Zuhörerfragen möglich waren. Mehr Infos zu den Hintergründen gibt es von Susanne Baumstark.

6. Bürger sollen dem Verfassungsschutz Bremen „auffällige Verhaltensweisen“ ihrer Mitbürger melden, damit die Behörde Neonazis vorzeitig auf die Schliche kommen kann. Wie ich auf Twitter bemerkt habe, dürfte die Twitterati so ziemlich jeden beim Verfassungsschutz melden, schließlich gilt für dieses ganz spezielle Großstadtmilieu jeder als Nazi, der nicht genauso denkt wie sie. Eine wirklich hilflose und riskante Maßnahme, welche geeignet ist, die Demokratie zu untergraben, die der Verfassungsschutz bewahren sollte. In erster Linie ist das allerdings die Aufgabe des Bürgertums, so einsam man auch dasteht, wenn man so etwas mal wirklich tut.

Feuerbringer heimsuchen

Ich werde voraussichtlich diesen Vorlesungen/Diskussionen beiwohnen. Ich freue mich wieder, wenn jemand mitkommt. Schreibt mir gerne: feuerbringer(at)hotmail.de

Am Montag, 21. Oktober, um 19 Uhr: „Ist Nietzsche noch aktuell?“ In der Hamburger Unibibliothek

https://www.uni-hamburg.de/newsroom/veranstaltungen.html…

Am Donnerstag, 24. Oktober, 19 Uhr: „Spannungsfeld Verkehr und Klima“ von der FDP. Hamburger Rathaus Raum A.

https://radverkehrsforum.de/…/1498-fdp-spannungsfeld-verke…/

Am 29.10. bin ich ab 19 Uhr im Literaturhaus Hamburg bei der Diskussion „Welche Zukunft hat das Lesen?“

https://www.literaturhaus-hamburg.de/programm/veranstaltungen/2019-10-29/welche-zukunft-hat-das-lesen-3-where-have-all-readers-gone