Sollte man mit Nazis reden?

Man sollte generell mit den Menschen reden. Vor allem mit denen, die eine andere Weltanschauung haben. Im Dialog lernt man einerseits, seine Argumente zu schärfen und seine eigenen Überzeugungen zu hinterfragen, andererseits lernt man Verständnis für die Überzeugungen anderer.

Ich bin jemand, der schon mit allen möglichen Leuten online und offline geredet hat und auch jemand, der sehr genau weiß, wie es ist, ausgegrenzt zu werden. Wie es ist, wenn sich jemand weigert, mit einem zu reden. Und sogar, wie es ist, wenn fast niemand im eigenen sozialen Umfeld mit einem redet.

Die Einstellung der Kommunikation ist eine extreme Maßnahme. Nicht mit jemandem zu sprechen bedeutet, dass man dieser Person den sozialen Tod wünscht. Es ist eine Maßnahme, die gerechtfertigt und genau bedacht sein muss.

Ich bin mir allerdings mit Michael Blume, Landesbeauftragter gegen Antisemitismus von Baden-Württemberg, einig, dass es bestimmte Leute gibt, mit denen man tatsächlich nicht reden sollte.

Und diese Leute sind solche, die einem Todesdrohungen schicken. Konkret ging es um gewaltbereite Extremisten, die ich „Troll-Nazis“ genannt habe. Wer mag, kann sich dieses Drohschreiben von der Fraktion durchlesen.

Mit denen sollte man echt nicht reden und sie den Behörden überlassen. Ich hatte vor einigen Jahren tatsächlich eine Auseinandersetzung mit solchen Nazis und hatte mich dummerweise über sie lustig gemacht. Klar, die sind echt doof und ihre Nazi-Gruppen haben lächerliche Namen. Aber denkt euch das mal besser und lasst sie das nicht wissen.

Ich hatte andererseits auch schon durchaus kultivierte Diskussionen mit einem Holocaustleugner und mit einem Befürworter von Kolonialismus und Sklaverei. Ich weiß nicht, ob die wirklich Nazis im engen Sinne waren, ich glaube nicht. Sie hatten keine sehr kultivierten Positionen, aber man kann kultiviert darüber reden.

Meine Gesprächspartner hatten auf Drohungen, Beleidigungen und dergleichen verzichtet. (Die Debatte mit dem Holocaustleugner habt ihr nicht verpasst, sondern ich hatte sie nicht veröffentlicht. Weil, na ja – er leugnet den Holocaust. Und das ist in Deutschland illegal). Wahrscheinlich hatte ich sogar zeitweise einen schlechteren Eindruck gemacht als die beiden Gesprächspartner, obgleich ich ebenso auf fragwürdige Mittel verzichtet hatte.

Mit Muslimen verschiedener Art habe ich auch schon geredet, mit den Mitgliedern zwei verschiedener christlicher Sekten, mehrmals schon mit Antifa-Mitgliedern, mit radikalen Feministen, mit Social-Justice-Linksradikalen, alles davon übrigens auch persönlich und nicht nur online.

Mit diesen drei Gruppen sollte man nicht reden

Ich denke, es gibt insgesamt drei ideologische Gruppen, mit denen ich eine Diskussion nicht empfehlen würde: Nazis (im eigentlichen Sinne, echte Nazis), Islamisten und die Art von Linksextreme, die einen hintenrum angreifen, also die einen zum Beispiel beim Arbeitgeber anschwärzen. Ok, mit Radikalfeministen reden ist jedes Mal enorm nervig, aber die bringen einen nicht gleich um.

Die gewalttätigen Nazis sagen einem direkt, dass sie einen töten oder verprügeln (im meinem Fall verprügeln) werden. Das ist mies, aber immerhin ehrlich. Die Islamisten bedienen sich bei Methoden wie Lügen, Verdrehen, Verwirren, von ihren wahren Absichten und Überzeugungen ablenken, einen als „islamophob“ oder „Rassist“ (Rassist in meinem Fall) hinstellen. Das sind solche Arschlöcher. Es gibt noch Aufklärer und Freidenker, die mit denen reden, aber ich kann es nicht empfehlen.

Besonders übel sind auch die Linksextremen, die versuchen, einem das Messer in den Rücken zu stecken, als würden sie von der Dolchstoßlegende inspiriert werden. Die einen nicht direkt konfrontieren, sondern bei Dritten anschwärzen, zum Boykott aufrufen, über das persönliche Umfeld gehen. Mein politischer Mentor Mark Humphrys hat häufig mit denen zu tun. Die sind einfach feige. Nazis sagen einem, ok, ich bringe Dich um. Dann weiß man wenigstens, woran man ist. Aber Linksextreme, ich kann diese feigen Methoden nicht abhaben. Klar, ermordet werden ist auch doof.

Diese drei Gruppen jedenfalls sowie andere, die zu solchen Methoden greifen – mit denen sollte man nicht reden. Sie haben den sozialen Tod (die gesellschaftliche Ausgrenzung) verdient. Und ich rede auch nicht mehr mit denen.

Ergänzen würde ich, dass es spezifische Aussteigerprogramme, Extremismus-Experten, den Verfassungsschutz und ähnliche Fachkräfte gibt, die unter Umständen den Dialog auch diesen Fällen suchen sollten. Aber engagierte Bürger sollten sich hier besser raushalten.

Wie ich aber auch und vor allem sage (und Michael Blume stimmt dem offenbar zu): Man sollte den Kreis derer, mit denen man nicht reden würde, möglichst klein halten.