Das Nürnberger Christkind Benigna Munsi und das Schicksal der Indianer

Der AfD-Kreisverband München veröffentlichte auf Facebook einen Beitrag mit einem Foto des neuen Nürnberger Christkinds Benigna Munsi, begleitet von den Worten: „Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen.“ Munsi hat einen indischen Vater und eine braune Hautfarbe. Offenbar wird das weiße, deutsche Volk in den Augen des AfD-Kreisverbands bald vertrieben bis ausgerottet wie einst die Indianer – und zwar durch nicht-weiße Christkinder.

Das ist immerhin eine Bedrohung, von der man bislang wenig mitbekommen hat. Und trifft es zu, steht uns eine unterhaltsame Endzeit-Schlacht bevor. Fliegende Christkinder bewerfen die rassenreinen Deutschen mit Lebkuchen, bis sie sozusagen vom multikulturellen Weihnachten erschlagen werden. Ich schrieb dazu: „Die Heiligen Drei Könige werden dieses Jahr von Weißen gespielt und nicht von Arabern oder Schwarzen – obwohl die Könige aus dem Morgenland kamen. Bald wird es uns wie den Indianern gehen.“ Tatsächlich lassen sich aus dem Indianer-Spruch eine ganze Reihe lustiger Meme basteln.

Dieser wahnsinnig dumme Facebook-Beitrag war Anlass einer gar nicht so dummen Debatte auf Facebook zwischen Akif Pirinçci und mir. Es ging um Kultur, Tradition, negative Diskriminierung und Intersektionalismus. Dadurch konnte ich meine eigenen Gedanken und Argumente zum Thema schärfen. Die möchte ich nun hier darlegen.

Muss das Christkind weiß und blond sein?

1933 wurde die Tradition des Nürnberger Christkinds eingeführt. Damals wurde es von einer Schauspielerin gemimt. Zur Rolle gehörte stets eine blonde Perücke. Man stellte sich auch vorher schon das Christkind wie ein blondes, blauäugiges Mädchen vor, aber das muss man nicht so sehen. Man kann darüber streiten, ob sich diese Tradition wandeln sollte oder nicht.

Ich finde, es ist in Ordnung, wenn das Christkind von jemandem gespielt wird, die nicht weiß und blond ist. Es gibt ja kein echtes Christkind und es gab nie eines. Was da variiert, ist ein Schauspiel. Umgekehrt sollten eine weiße Hautfarbe und blonde Haare auch kein Hinderungsgrund sein. Ich finde also, dass es keine negative und keine positive Diskriminierung geben sollte. Aber gab es die? Jedenfalls dem offiziellen Statement der Jury nach nicht.

„Ihre frische, herzliche, empathische und unbekümmerte Art, ihre Ehrlichkeit und Offenheit hat die Jury beeindruckt“, kommentierte der städtische Pressesprecher. https://www.google.com/…/AfD-postet-rassistischen…

Weihnachtsmann als dicker, weißer Mann mit rotem Mantel

Oder gehört das nordische Aussehen des Christkinds einfach zur ikonischen, traditionellen Darstellung? Sollte es so aussehen, weil etwa auch der Weihnachtsmann meist als dicker, weißer Mann mit rotem Mantel dargestellt wird?

Gerade beim Beispiel Weihnachtsmann gibt es unzählige, sich wandelnde Variationen. Er selbst ist eine Verschmelzung aus dem Nikolaus und Knecht Ruprecht. Das Christkind stand (und steht) in Konkurrenz zum Weihnachtsmann. Beide beschenken angeblich zu Weihnachten die Kinder. Aber nicht beide gleichzeitig.

Man kann der Meinung sein, die Schauspielerin sollte aus ästhetisch-traditionellen Gründen weiß und blond sein oder man kann meinen, das Christkind darf auch ein anderes Mädchen spielen. Ich sehe das locker und denke an die vielen Wandlungen, die Weihnachtstraditionen schon durchlaufen haben (Weihnachten selbst geht auf den heidnischen Mithraskult zurück und Christus wurde nicht am 25. geboren), andere möchten die Tradition streng so erhalten sehen. Mit welchem objektiven Kriterium ließe sich das entscheiden?

Wahl der Schauspieler der Kunst unterordnen

Es gibt tatsächlich eine kulturelle Neigung im Westen, der positiven Diskriminierung und dem Intersektionalismus entsprechend gezielt vormals weiße, vor allem männliche Figuren durch Minderheitenvertreter darstellen zu lassen. Ich finde, die Wahl der Schauspieler sollte alleine dem Werk, der Kunst untergeordnet sein und keinerlei politische Motivation haben. Manchmal ist es egal, manchmal ist es wichtig, wer die Figur spielt.

Ich finde etwa, bei James Bond, einem traditionellen britischen Gentleman, ist es wichtig. Gerüchten zufolge soll der neue 007 eine schwarze Frau werden. Das finde ich verrückt, weil es einfach nicht zur Figur passt. Es gibt bereits unzählige Filme mit Frauen als Heldinnen (Ripley in „Aliens“, Sarah Connor in „Terminator“, Angelina Jolie als Lara Croft in „Tomb Raider“, etc.). Es gibt keinen Grund, warum in JEDEM Film eine Frau die Heldin sein sollte.

Wer will, kann sagen, beim Christkind ist es ihm auch wichtig, wer es spielt. Ich sehe da aber keine große Bedeutung für den Kern der Tradition, dass die Schauspielerin weiß und blond sein müsste. Über die Aufgabe des Nürnberger Christkinds erfährt man von der Stadt Nürnberg: „Weit über 100 Termine stehen im Dezember an. Dazu zählen Interviews, Fernsehauftritte und Stippvisiten auf Weihnachtsmärkten in anderen Städten. Genauso besucht das geflügelte Wesen Altenheime, Kindergärten, Behinderteneinrichtungen und Krankenhäuser. Am Heiligen Abend beschert es junge Patienten in Nürnberger Kinderkliniken.“

Das kann auch jemand machen, der nicht weiß ist und nur eine blonde Perücke als das traditionelle Kostüm trägt.