Raus aus dem realen Leben

Die Leute sollten weniger Zeit im realen Leben verbringen und mehr Zeit im Internet. Das wäre für die Wahrheitsfindung und für das gesellschaftliche Leben wichtig.

Sind Menschen im Internet schlimmer?

Von den gewöhnlichen seltsamen Dingen, die ich tue, einmal abgesehen, war ich jüngst in einer Singlebörse unterwegs, um dort eine Frau zu finden, die auch ganz schön seltsam ist. Wie von meinen vorherigen Erfahrungen mit so etwas erwartet, war es eher desillusionierend. Man kann ja nie genug zerstörte Illusionen bekommen als philosophischer Aufklärer. Auf der anderen Seite wären mehr positive Erfahrungen allmählich eine psychologische Notwendigkeit.

Manche meinten dann zu mir, dass sich die Leute im Internet schrecklicher verhalten würden als in echt oder dass im Internet und vor allem in Partnerbörsen mehr schreckliche Leute unterwegs wären. Beurteilt an meiner Lebenserfahrung stimmt das nicht. Hier wie dort sagen und tun die Leute die unglaublich verletzendsten und absurdesten Dinge.

Es kann sein, dass sie sich persönlich weniger direkt äußern, aber das ist auch der einzige Unterschied. Eine Veganerin meinte im realen Leben zu mir, ich soll mal mehr aus dem Internet raus und ins echte Leben. Aber wozu? Vielleicht wäre ich dann auch Veganer – und würde allerlei falsche und weltfremde Dinge über Tiere und Tierhaltung glauben. Wie sie.

Raus aus dem realen Leben

Die Leute sollten mehr ins Internet und nicht weniger. Und dort mit Menschen diskutieren, die eine andere Weltanschauung haben. Das machen viele im realen Leben nämlich offenbar nicht. Hier in Hamburg gibt es viele Leute, die jene politisch korrekte, links-grüne Großstadtweltanschaung teilen. In ihrem ganzen Leben hatten die noch nie mit jemandem zu tun, der die Welt anders sieht, da bin ich mir geradezu sicher.

Im Internet, etwa auf Twitter und Facebook, wird man herausgefordert und kritisiert. Ich komme inzwischen damit gut klar, man muss mit einer gewissen Aggressivität und Selbstsicherheit auftreten. So ergeben sich interessante Diskussionen und man entzieht Trollen den Nährboden.

Wären die Leute mehr im Internet, wären die aktuellen Bauern-Demos nicht nötig gewesen. Im Internet erklären die Landwirte den veganischen Großstädtern, wie „Massentierhaltung“ wirklich funktioniert (Tieren geht es darin besser als jemals zuvor in der Geschichte) und was es mit der konventionellen Landwirtschaft auf sich hat (effizienter und umweltschonender als die ökologische Landwirtschaft).

Die großen Medien informieren darüber leider nicht objektiv, die werden von weltfremden und ahnungslosen, dabei überheblichen Großstadt-Hippies produziert. Im Internet hingegen erfährt man die Wahrheit. Dasselbe gilt für Themen wie Atomkraft (verursachte bislang weniger Tote als jede andere Energiequelle) und den Nahostkonflikt (Israel ist das Opfer).

Solche Dinge erfährt man nicht nur im Internet, sondern auch in Fachbüchern. Diese wären zu bevorzugen, aber wer liest schon Fachbücher (außer Fachleuten und komischen Leuten wie mir)? Es stimmt, dass im Internet auch viel Unsinn steht – aber die Widerlegung des Unsinns ist meist nur einen Mausklick entfernt. Mit ein wenig Übung kann man das eine vom anderen unterscheiden.

Also: Raus aus dem realen Leben. Und rein ins Internet!