Sie säen die Saat

Durch ihre Gleichsetzung von Menschen und Tieren werten Tierrechtler keineswegs Tiere auf. Sie bereiten die Behandlung von Menschen wie Tiere vor. Die Bauernproteste sind auch durch die Lügen der Tierrechtsaktivisten begründet.

Für die Vorgehensweise der Tierrechtler ist eine aktuelle Twitter-„Diskussion“ ein gutes Beispiel, bei der mich ein Tierrechtler zu einem Urlaub unter den angeblichen Bedingungen der modernen Schweinehaltung eingeladen hat, um sich dann über mein Aussehen lustig zu machen („Krone der Schöpfung“).

Angeblich mit der Absicht, die vermeintlichen Haltungsbedingungen in der modernen Tierhaltung zu kritisieren, wurde ich mit folgenden Worten zu einem „Urlaub“ eingeladen: „Ich sperre Sie in einen Käfig, Sie dürfen in Ihrer Scheiße liegen, sehen keine Sonne, werden gemästet und jemand beißt Ihnen den Schwanz ab.“ Der Twitter-Nutzer ist der Meinung, er habe mich nicht mit einem Schwein gleichgesetzt, sondern die Haltungsbedingungen kritisieren wollen und der „Krone der Schöpfung“-Kommentar von einem anderen Nutzer, den er geliked hat, beziehe sich auf Menschen generell. Da dieser jedoch mit Bezug auf mich lautete „OMG hab ihn [die Krone der Schöpfung] nicht sofort erkannt …“ bezieht er sich offensichtlich nicht auf Menschen generell, sondern auf mich. Ich soll nicht so aussehen wie die Krone der Schöpfung. Ich bin weiterhin der Meinung, dass dies mit dem Davidstern auf meinem Twitter-Profilbild zusammenhängen könnte.

Der Kommentar mit dem Schwanz bezieht sich auf meine Ausführung in einem vorherigen Tweet, dass Schweine dazu neigen, sich gegenseitig in die Schwänze zu beißen und zeitweise auch darum fixiert werden, um sie davon abzuhalten und damit sie die Ferkel nicht zerdrücken. Das Verhalten ist jedem Landwirt, der Schweine hält, bekannt. Die Tierrechtler hatten offenbar noch nie davon gehört, weil sie keinerlei Ahnung von Tieren haben. Nun hatte ich also geschrieben, dass Landwirte Schweine zeitweise fixieren, um sie davon abzuhalten, sich gegenseitig zu schaden. Umso unangemessener die Bemerkung, ich sollte mal wie ein Schwein leben müssen, wobei mir jemand den Schwanz abbeißt. Genau das ist es ja, das Landwirte in der modernen Haltung unter anderem durch eine Fixierung oder die Unterbringung des Schweines in einem „Käfig“, in dem sie sich nicht umdrehen können, unterbinden und worüber sich die Tierrechtler gerade aufgeregt hatten.

Wir haben uns inzwischen gegenseitig geblockt, daher ist der Streit nicht mehr nachzuvollziehen. Außer durch meine Screenshots, aber ich habe kein Interesse daran, das Thema persönlich zu behandeln und dieser Art von Mensch zu irgendeiner Aufmerksamkeit zu verhelfen. Es gibt inzwischen wieder zahlreiche Leute in Deutschland, die so denken. Die Propaganda hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Lügen von Tierrechtlern gehören zu den Ursachen für die Bauernproteste, bei denen sich Landwirte dagegen wehren, als Buhmann der Nation dargestellt zu werden.

Über die Gleichsetzung von Mensch und Tier

Kommen wir also zum Kern des Argumentes: Der Idee, ich sollte als Mensch einmal für ein paar Wochen wie ein Schwein leben müssen. Das ist keine zulässige Gleichsetzung, denn Menschen und Schweine haben grundlegend andere Bedürfnisse. Schweine haben kein Interesse an Schulbildung, Karriere, Ehefrau, Krankenversicherung, iPad, sondern sie haben einfachere Bedürfnisse wie Fressen und Schlafen und keine konzeptuelle, sondern eine instinktiv-perzeptuelle Wahrnehmung der Welt. Dass ich wie ein Schwein leben soll, sagt so viel aus wie die Idee, ein Schwein sollte wie ich leben. Also Lesen, Schreiben, Diskutieren, Diskussionsrunden und Vorträge besuchen und so weiter. Es ist vollkommen sinnlos.

Wenn Tierrechtler einem Zweifler sagen, man solle ihn mal wie ein Huhn in den Käfig stecken oder wie ein Schwein anbinden, dann meinen sie vielleicht, sie kritisieren nur die Haltungsbedingungen. Aber sie setzen Menschen und Tiere implizit – wenn nicht explizit – gleich.

Schließlich leiden Schweine ja angeblich genau wie wir, wenn wir angebunden würden oder Hühner wie wir, wenn wir in einem Käfig sitzen. Genau das ist eben nicht wahr, da Tiere eine andere Lebensweise haben, andere Bedürfnisse und eine andere Wahrnehmung. Ein Fisch muss unter Wasser, um überleben zu können. Wir ertrinken darin. Ein Vogel will fliegen, wir können das nicht. Man kann Haltungsbedingungen nur kritisieren mit Fachkenntnissen über die Bedürfnisse der jeweiligen Tiere.

Und die Tatsache ist: Tieren geht es in der modernen „Massentierhaltung“ entschieden besser als 1. jemals zuvor in der Geschichte der Tierhaltung und 2. in der Wildnis, wo sie eine nachweisbar deutlich kürzere Lebenserwartung haben. In der Wildnis erfrieren oder verhungern Tiere, werden von Parasiten oder Raubtieren gefressen oder kommen auf andere Art viel früher und grausamer ums Leben als in der „Massentierhaltung“. Wer das Leiden der Tiere reduzieren möchte, sollte sich wünschen, dass alle Tiere vom Menschen gehalten werden, gerne auch in der „Massentierhaltung“.

Und wenn es um Juden und den Holocaust geht, dann sollten sich Tierrechtler ganz genau überlegen, was sie sagen. Das „Mensch = Tier“-Argument hat eine spezielle Tradition. Der Europäische Gerichtshof entschied, dass Bilder von Schlachttieren neben Bildern von toten oder noch lebenden KZ-Insaßen in Deutschland nicht zumutbar seien. Vergleiche der „Massentierhaltung“ mit dem Holocaust sind in Deutschland trotzdem weiterhin beliebt. Wer möchte, muss nur „Massentierhaltung Holocaust“ googeln, und wird eine Reihe von aktuellen (!) Beispielen finden, ganz zu Schweigen von früheren Aussagen dieser Art. Das ist nichts anderes als eine Verharmlosung des Holocaust und es gibt genau einen Grund, den Holocaust zu verharmlosen. Mit Tieren hat der nichts zu tun.

Argumente gegen Tierrechte

Wer sich für Argumente gegen Tierrechte, Vegetarismus und Veganismus interessiert, dem empfehle ich „Kritik der vegetarischen Ethik. Wie vernünftig ist der Verzicht?“ von Klaus Alfs. Alfs, der wie ich Novo-Autor ist, hat mir das Buch vor einer Weile dankenswerterweise zukommen lassen, ich habe aber erst die – hervorragende – erste Hälfte des 400-Seiten-Werkes gelesen. Eine Rezension folgt noch. Bereits auf den ersten rund 200 Seiten erfährt man wichtige empirische Fakten und logische Argumente zum Thema vom ausgebildeten Landwirt und Diplom-Sozialwissenschaftler.

Schließlich empfehle ich meine Novo-Artikel zum Thema: Tiere haben keine Rechte und Ein Hoch auf das Versuchstier des Jahres.

Zum Schluss noch ein allgemeiner Hinweis an Twitter-Nutzer, die sich auf die beschriebene Weise verhalten:

Wenn der Diskussionspartner immer wieder Argumente nennt und Du sie ignorierst, bis er keine Lust mehr hat – dann bedeutet das nicht, er hätte „keine Argumente mehr“ und würde sich aufregen, weil er „die Debatte verloren“ hat.