Engel und Dämonen sind willkürliche Ideen

Nun habe ich viel Lob gefunden für die Verteidigung der Vernunft durch thomistische Katholiken. Allerdings lässt sich der christliche Glaube nicht überzeugend und teils gar nicht mit der Vernunft begründen, wie auch das „Handbook of Christian Apologetics“ des katholischen Philosophen Peter Kreeft für mich aufzeigt.

Im Gegenteil ist unter anderem seine Verteidigung der realen Existenz von Engeln und Dämonen willkürlich. Während es für die Existenz eines Gottes ein bis zwei Argumente gibt, über die es sich näher nachzudenken lohnt, auch wenn sie mich nicht überzeugen, sieht es für andere Aspekte des Christentums weniger rosig aus.

Zunächst einmal kann man feststellen, dass Peter Kreeft versucht, möglichst logisch konsistent den katholisch-christlichen Glauben zu verteidigen. Er macht dabei keine Kompromisse und keine Zugeständnisse. Was er verteidigt, ist der katechistische katholische Glaube in Reinform. Keine moderne Theologie ist hier anzutreffen. Diese bezeichnet er als „Häresie“, und das, rein logisch betrachtet aus katholischer Sicht, auch berechtigt.

Angelehnt an Thomas von Aquin ist Kreeft der Auffassung, da draußen gäbe es wirklich moralisch gute und moralisch böse Geistwesen: Engel und Dämonen. Sein Grund dafür lautet, dass die Bibel das behauptet. Engel sind angeblich für Gott tätig und Dämonen für den Teufel. Hier kann man einräumen, dass Atheisten diese Konzepte nicht immer richtig verstehen. Und es ist auch für Nichtgläubige aus kulturell-historischen Gründen wichtig nachzuvollziehen, was diese Wesen aus Sicht von Gläubigen tatsächlich darstellen sollen. Und was nicht.

Was Katholiken wirklich über Engel und Dämonen glauben

In Filmen werden Engel und Dämonen oftmals als menschliche oder tierähnliche Wesen dargestellt, die physisch mit Menschen interagieren. Engel und Dämonen kommen demnach sozusagen vom Himmel herunter oder aus der Hölle herauf. (Nur dass der Himmel aus christlicher Sicht nicht wirklich „da oben“ – oder physisch irgendwo – ist und die Hölle auch nicht „da unten“. Es sind transzendente Orte jenseits unserer materiellen Welt.) Dann laufen, aus dieser populär-künstlerischen Sicht in Filmen, Engel und Dämonen da draußen herum. Sie lassen sich hin und wieder einmal blicken, so ähnlich wie laut Mythos Vampire. Das glauben Christen aber nicht.

Sie glauben Kreeft zufolge, dass Engel und Dämonen keine materiellen Wesen sind, sondern Kreaturen aus einem menschenähnlichen Bewusstsein, also ein Geist ohne Körper. Im Vergleich zu Menschen seien sie allerdings viel intelligenter und mächtiger, im Vergleich zu Gott wiederum deutlich weniger intelligent und mächtig. Sie stehen also zwischen Menschen und Gott.

Vermutlich glauben Menschen aus unterschiedlichen Kulturen an solche Wesen, weil sie von der Existenz des menschlichen Geistes und ihrem Wissen, dass es unterschiedlich schlaue Menschen gibt, darauf schließen, dass es noch schlauere reine Geistwesen geben „muss“. Es gibt unseren Geist, warum nicht einen noch stärkeren? Warum nicht Wesen, die ohne einen Körper auskommen?

Nun sind diese Wesen dem christlichen Glauben nach unsichtbar und nicht durch wissenschaftliche Methoden und durch irgendwelche unserer Sinne zu erkennen. Außer in den seltenen Momenten, wo sie mit dem menschlichen Geist bestimmter Personen interagieren, wo sie Menschen in deren Geist erscheinen und ihnen entweder Gottes Botschaft mitteilen oder versuchen, sie zum Bösen zu verführen. Das macht Engel und Dämonen zu Paradebeispielen für das, was Objektivisten „willkürliche Behauptungen“ nennen.

Engel und Dämonen sind willkürliche Ideen

„Eine willkürliche Behauptung ist eine, für die es keine Beweise gibt, weder auf Wahrnehmungs- noch auf begrifflicher (deduktiver) Ebene. Man kann also nicht beurteilen, ob sie mit der Realität übereinstimmt (wahr) oder ihr widerspricht (falsch).“ (siehe „Epistemologie„).

Sofern man die Idee akzeptiert, dass es Engel und Dämonen gibt, könnte man niemals wissen, ob sie wirklich mit einem Menschen, der das behauptet oder dem es nachgesagt wird, interagiert haben oder nicht. Für Außenstehende sind diese Wesen nicht wahrnehmbar und auch jene, die solchen Wesen zu begegnen meinten, lagen damit nicht immer richtig, sondern haben vielleicht halluziniert. Manche derjenigen, die von Geistwesen besucht worden sein sollen, wurden zu Heiligen erklärt, andere wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Je nachdem, was die Kirche vermutete.

Willkürliche Behauptungen sind pures Gift. Sie sind ohne jede Erwägung abzuweisen oder man zerstört seine Vernunft.