Andreas lebt einen Alltag

Wir wussten es alle: Nichts Gutes kann dabei herauskommen, wenn ich meine Wohnung verlasse. Dem Vorurteil nach mache ich deshalb auch nicht, aber die Wahrheit ist viel schlimmer.

Hier erzähle ich einige Anekdoten aus meinem Alltag.

Des Baumarkts finsteres Geheimnis

Ich weiß jetzt, warum Baumarkt-Mitarbeiter solche Arschlöcher sind.

Baumärkte sind der Ort in unserer Gesellschaft, wo ein Übergangsritus praktiziert wird, der Jungs zu Männern macht. In bestimmten Naturvölkern wird ein pubertierender Junge in den Wald an einen abgeschiedenen Ort gebracht. Die Männer des Stammes vergewaltigen den Jungen, dann muss er einige Wochen alleine in der Natur überleben. Schließlich kehrt er als Mann zurück.

Ähnlich der Besuch eines Baumarkts. Wenn Du einen Mitarbeiter ansiehst und ihm eine Frage stellen willst, zischt er nur, „Was schaust Du mich an?“ Wenn Du Beratung haben möchtest, wie Du ein Loch in der Wand reparieren kannst, erfährst Du nur, „Zement ist dahinten irgendwo.“ Wenn Du Dich über die Pflege von Pflanzen informieren möchtest, heißt es, „Die brauchen halt Wasser.“

Im Baumarkt erfährst Du, dass Du alleine bist auf der Welt. Niemand hilft Dir in einer feindlichen Umgebung, die Dich am liebsten tot sehen würde. Hier musst Du Dir selbst suchen, was Du zum Überleben brauchst und selbst herausfinden, wie Du es zusammenbaust. In Deutschland ist es nicht Dein Stamm, sondern der Baumarkt, der Dich in den Arsch fickt, bis Du ein Mann bist.

Diese Anekdote ist nicht jugendfrei. Stellt euch vor, ich hätte das oben geschrieben.

Vorbereitung auf die Zombie-Apokalypse

Corona war nur Stufe 1. Stufe 2 ist ein Zombie-Apokalypse. Um mich für den Ansturm der Untoten vorzubereiten, übe ich Bogenschießen. Gibt dafür einige Anlagen in Hamburg. Zum Beispiel die Fußgängerzone. Aber auch Bogenschießanlagen.

Man würde meinen, dass man mit einem Bogen genau zielen sollte, sonst schießt man noch jemandem ins Auge. Tatsächlich zielt man gar nicht. Man starrt wie ein Besessener auf das Ziel und lässt irgendwann den Pfeil los. Je besessener man es anstarrt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass man es trifft. Auf 15 Metern Entfernung kann ich das Ziel schon relativ gut treffen. Der Rekord liegt bei rund 1,2 Kilometern. Das schaffe ich auch noch.

Dabei verwende ich echte High-Tech: Einen Recurvebogen, mit dem sich bereits die akkadischen Könige im Jahr 2.400 vor Christus darstellen ließen.

Ich übe noch etwas, dann können die Untoten kommen. Falls ihr in ein paar Wochen von einem Wahnsinnigen lest, der in der Stadt mit einem Bogen rumläuft – ich habe ihn wahrscheinlich mit einem Pfeil außer Gefecht gesetzt.

Besuch beim Afghanen

Als ich das erste Mal beim Afghanen war und ein Buch von Richard Dawkins gelesen habe, dachte ich, sie würden mich wahrscheinlich gleich umbringen. Nicht mehr lange, dann stürmt die Taliban den Laden.

Aber dann habe ich mich genauer informiert über das Gastrecht afghanischer Stämme (in deutschen afghanischen Restaurants arbeiten die Mitglieder afghanischer Stämme. Schätze ich mal). Und es ist wirklich so, dass die Leute einfach schreckliche Vorurteile haben.

Sie wissen nicht, dass die Afghanen zwei Wochen lang auch Ungläubige gastfreundlich aufnehmen müssen, bevor sie sie töten dürfen.

Wer hängt schon länger als 2 Wochen in einem Restaurant herum?

Diesmal hatte der Wirt mit zwei Afghanen ein längeres Gespräch und sie haben mich gelegentlich angesehen. Habe ich nicht verstanden. Aber es ging wohl so:

„Kann gar nicht den Ablauf der zwei Wochen erwarten, um diesen lächerlichen Ungläubigen zu töten.“

Denke mir: Hey, die Quark-Minz-Soße ist wieder super.

„Das verstehe ich. Wir helfen Dir, sein Dorf abzufackeln, Ahmed.“

Lamm ist wieder perfekt zubereitet, so zart.

„Habe dem Lamm wieder so lange in die Eier getreten, bis es zart wurde. Wie es unsere primitiven und grausamen Schächtungsrituale vorsehen.“

„Du bist so ein Sack, Ahmed. Lass das doch Deine Frau machen.“

Weiß gar nicht, warum mich so viele Leute für einen Rassisten halten.Wie viele Rassisten haben ein afghanisches Lieblingsrestaurant?

Nach dem Kraftsport

Ich bin angeblich der einzige Mensch, dem mein Trainer jemals gesagt hat, dass er ZU intensiv trainiere.

Die 10 Phasen nach dem Kraftsport:

1. Ich fühle mich super fit. Gleich noch Radtour.

2. Erstmal kurz hinlegen und ausruhen.

3. Ach, ich fahre nur mal kurz in den Park.

4. Nö, dort treffe ich vielleicht morgen schon mit irgendwem.

5. Ich sollte was zu trinken holen.

6. Küche zu weit weg.

7. Schaue ich eben fern.

8. Fernbedienung 30 Zentimeter entfernt. Oh mein Gott.

9. Ich stehe gar nicht mehr auf.

10. Muss diese spannenden Beobachtungen ins Internet reintippen.

Andreas besucht einen Bücherkasten

Oh, jemand verschenkt sein altes Physik-Schulbuch und einen Groschenroman.

Diese öffentlichen Orte, wo Leute ihre Bücher zum Verschenken reinstellen: Das sind praktisch immer alte Bücher, die sie nicht mehr wollen und bei denen sich das Verkaufen nicht lohnt. Da braucht sich keiner auf die Schulter zu klopfen, dass er eine gute Tat vollbringt.

Wenn ich jemandem etwas schenke, ist es entweder neu oder zwar gebraucht, aber wertvoll und könnte zu einem vernünftigen Preis verkauft werden. Ansonsten werfe ich es weg und tue nicht so, als würde ich großherzig etwas verschenken. Ihr Säcke.

Andreas fährt U-Bahn

Heute war der U-Bahn-Fahrer ziemlich schockiert. Ein junger Mann mit schwarzem Shirt, schwarzer Hose und rotem Schal als Maske stieg in einem hinteren Wagen aus, rannte bei einer Haltestelle einige Wagen nach vorne und stieg wieder ein.

Dann dasselbe bei der nächsten Haltestelle, er rannte weiter nach vorne. „Bitte einsteigen!“, sagte der Fahrer als Durchsage. In der Hand hielt der Mann einen Gegenstand, etwa einen Molotow-Cocktail?

Bei der nächsten Haltestelle erreichte er schließlich den vordersten Wagen, darin die Fahrerkabine und klopfte an die Tür.

Ich gab dem Fahrer eine Brieftasche, die jemand hinten im Zug vergessen hatte.

„Ach, deshalb haben Sie das gemacht! Oh, Mann! Danke, ich gebe sie weiter!“, sagte der Fahrer erleichtert.

Vielleicht sollte ich nicht mit dieser Antifa-Kluft rumlaufen.