Rechte Besetzung

Versperrter Weg (Foto: Andreas Müller)

Begriffe wie „Querdenker“, „Andersdenkende“, „Skeptiker“ wurden von Rechten besetzt. Dabei haben auch viele „Linke“ geholfen. So gilt nun jeder, der nicht die dominante Meinung zu irgendetwas vertritt, als rechter Idiot.

Das ist verletzend und Rechtsreaktionäre bis Rechtsradikale nutzen das, um ihre Solidarität mit den Andersdenkenden auszudrücken, ihnen gut zuzureden und sie so in ihre Gedankenwelt zu ziehen.

Rechte nutzen die Ängste der Menschen, um ihre Unterstützung zu gewinnen. Mit dieser streben sie Macht an, Macht über Menschen, um ihre irrationalen Launen auszuleben.

Feindliche Übernahme

Noch ein genialer Schachzug war die Einverleibung von Libertären und zunehmend Liberalen durch Rechte. Das liberale Weltbild ist laut Definition und Tradition eigentlich das direkte Gegenteil des reaktionären, rechten Weltbilds. Aber viele Accounts mit gelben Flaggen machen im den sozialen Medien gemeinsame Sache mit Rechten.

Die Deutschlandflagge haben Rechte ebenso besetzt und nennen sich in diesem Zusammenhang „konservativ-liberal“, was logisch nicht zusammengeht.

Nützliche Idioten

Diese rechten Besetzungsstrategien sind so diabolisch wie genial. Erschütternd eigentlich nur die Unterstützung, die ihnen so viele „Linke“ dabei zukommen lassen. Sie fallen komplett darauf herein und machen mit.

Da sie sowieso in die rechte Ecke gestellt werden, distanzieren sich zunehmend viele Andersdenkende, die inhaltlich gar nicht rechts sind, immer weniger von Reaktionären. Und nähern sich ihnen dann auch inhaltlich an.

Tanzen nach der identitären Pfeife

Die heute dominante links-autoritäre Ideologie spielt den Rechten in die Hände. Und ist immer schwieriger von rechter Ideologie zu unterscheiden.

In erster Linie betrifft dies die Identitätspolitik, die Minderheiten stärken soll. Mit sozialem Druck und Zwangsmaßnahmen von Cancel Culture bis hin zu Gesetzen soll der Anteil von nach oberflächlichen Kriterien definierten Minderheiten in allen möglichen Bereichen erhöht werden.

Ob mehr alte Transgender-Schauspieler oder schwarze Politikerinnen, das identitäre Denken funktioniert genau wie das Denken, das es zu bekämpfen vorgibt: Rassistisch, Sexistisch, Altersdiskriminierend („alte, weiße Männer“). Sogar die Betonung von Blut und Boden haben „Linke“ durch ihren Fokus auf regionalen Konsum verstärkt — der ökologisch nichts bringt und daher andere Ursachen haben dürfte.

Dabei bemerken die identitären Linken nicht, dass sie 1. immer mehr so denken wie ihre Gegner und 2. dass sie keinen identitären Kampf gegen Rechte gewinnen können. Der identitäre Kampf ist seit Jahrhunderten das Metier der Rechten.

Werden sich die Menschen eher mit ihrer Heimat und mit Menschen, die wie sie aussehen und leben, identifizieren, oder mit Minderheiten, die anders aussehen und anders leben?

Zurück zur Vernunft

Man hätte bei diesem Spielchen niemals mitspielen dürfen. Wir, als emanzipatorische, aufklärerische Kräfte aller Art, sollten uns vielmehr wieder auf den Universalismus fokussieren, auf gemeinsame Bedürfnisse, Interessen, Werte und auf den Charakter, den Geist, die Seele, das Herz der Menschen. Nicht auf Oberflächlichkeiten wie Hautfarbe, Geschlecht, Wohnort, sexuelle Vorlieben.