Wie passt das alles zusammen?

Diese Frage werden sich neuere Leser meines Blogs wahrscheinlich stellen. Wer im Feuerbringer-Magazin stöbert, stößt auf Polemiken gegen Feminismus, die aber aus einer pro-feministischen Position geschrieben sind, gegen Kommunismus und für eine Politik, die einigen Kommunisten gut gefällt, gegen Reaktionäre und doch für manche konservative Werte. Für Libertarismus — und für Kommunitarismus.

Was geht hier vor sich?

Teilweise erklärt sich die Paradoxie durch meine intellektuelle Entwicklung, bei der einige Auffassungen komplexer geworden sind. Es gibt grundlegende Gemeinsamkeiten, hier und da einen Gesinnungswandel.

Dieser Blog ist ein seltener Fall, der es einem erlaubt, die Entwicklung eines Denkers seit 2009 nachzuvollziehen. Vermutlich sind die meisten Menschen noch viel „verrückter“, als die scheinbare Paradoxie meines Blogs mich aussehen lässt, da sie nicht im Rampenlicht stehen und ihre Ideen nicht öffentlich rechtfertigen müssen. Wenn man das muss, ergibt sich der Druck, die eigenen Gedanken systematischer zu ordnen und argumentativ zu grundieren.

Hier einige Grundlagen meines Denkens, die sich nie verändert haben:

  1. Wir sollten versuchen, unser Weltbild auf erfahrbaren Tatsachen zu begründen.
  2. Daher hat die Bildung einen hohen Stellenwert.
  3. Jeder individuelle Mensch sollte in Freiheit und Würde leben dürfen.
  4. Der höhere Sinn meines Lebens ist mein Engagement für die Aufklärung und gegen das Irrationale.

Eine Quelle möglicher Verwirrung sind Begriffe, die zugleich verschiedene Bedeutungen haben. Ich bin etwa in einem bestimmten Sinn für den Feminismus, in einem anderen dagegen. Je nachdem, was damit gemeint ist. Also zur Klarstellung:

  1. Ich bin für den Feminismus, soweit er die Gleichberechtigung und individuelle Selbstbestimmung von Frauen bezeichnet. Gleiche Rechte sollten gesetzlich garantiert sein — und sind sie in Deutschland heute auch. Ich bin gegen den Feminismus, soweit er nicht Gleichberechtigung fordert, sondern Privilegien, die Unterwerfung von Männern oder Andersdenkenden, sofern er Menschen nicht auf Augenhöhe von einem bestimmten Frauenbild überzeugen, sondern sie von oben herab steuern und manipulieren möchte.
  2. Ich bin gegen den Kommunismus, soweit er die Unterwerfung des Menschen unter ein Kollektiv wie die Arbeiterklasse fordert. Ich bin gegen Planwirtschaft und Diktatur, die nach der marxistischen Theorie aber eher „Sozialismus“ genannt werden. Manche (etwa meine Kollegen von Novo/Spiked) verstehen daher etwas völlig anderes unter „Kommunismus“ als die Tyranneien unter Mao und Stalin, nämlich vielmehr die letzte Stufe des Histomat, der menschlichen Geschichte nach Marx. Eine Utopie, in der die Menschen, befreit von materiellen Zwängen, frei ihren Interessen nachgehen können. Ich weiß nicht, wie realistisch das ist. Aber ich bin nicht unbedingt „dagegen“. Ich bin auch nicht gegen das Schlaraffenland oder Dinotopia.
  3. Ich bin für die Gleichberechtigung aller Menschen, also natürlich gegen die Diskriminierung von Farbigen, Homosexuellen, Transgender und irgendwem sonst. Wie beim Feminismus bin ich konsequenterweise gegen Privilegien auch dieser Gruppen („positive Diskriminierung“) und gegen irgendeine Bewusstseinsmanipulation, gegen Eingriffe in Kunst, Meinungsfreiheit, Sprache.
  4. Ich bin jemand, der stark nach Bedeutung, Stabilität und Sinn sucht und diese braucht. Ich halte nichts davon, menschliche Beziehungen wie Fast Food anzugehen. Ich halte Ehe und Familie für wichtige Stützpfeiler der Zivilisation und für Institutionen mit einen spirituellen Gehalt. Ich habe noch niemanden getroffen, der das ähnlich sehen würde, also habe ich keine Frau oder Familie.

Die meiste Zeit war mein Weltbild Ayn Rands Philosophie „Objektivismus“, die für Realität, Vernunft, aufgeklärtes Eigeninteresse, Laissez-Faire-Kapitalismus eintritt. Mit der Widerlegung eines der Fundamente dieser Philosophie, der Metaethik, ist ein wichtiger Teil meines Weltbilds weggebrochen.

Ich musste und muss mich darum neu orientieren. Ich bin also im Moment zum Teil wieder ein „Suchender“. Ich habe in manchen Bereichen mehr Fragen als Antworten. Und je mehr ich lese, desto weniger scheine ich sicher zu wissen.

Besonderen Eindruck haben auf mich die Werke einiger Kommunitaristen wie Patrick J. Deneen gemacht, welche die Probleme eines zu weit gefassten Liberalismus aufzeigen. Aktuell höre ich mir die Werke des katholischen Intellektuellen G.K. Chesterton an, die mich zutiefst beeindrucken und mich grundlegend ins Grübeln bringen. Ich kenne bereits herausragende konservative — nicht reaktionäre — Autoren wie Theodore Dalrymple, der mich auch einen Artikel von ihm für mein Buch „Der Westen. Ein Nachruf übersetzen ließ, und Roger Scruton. Aber G.K. Chesterton ist noch einmal eine andere Hausnummer.

Natürlich wäre da mein eigener Beitrag „Müssen wir an etwas glauben?„, der den Religionsforscher Michael Blume so begeisterte (ich glaube, wir streiten uns gerade mal nicht). Er zeigt die Grenzen der Aufklärung auf. Und ich werde leider selbst noch nicht schlau aus meinem eigenen Beitrag. Ebenso habe ich keine wirkliche Antwort auf William Lane Craigs kosmologisches Kalam-Argument. Vielleicht stoßen wir hier einfach generell an die Grenzen unseres Verstandes.

Ist das Universum ewig? Wie könnte es das sein? Ich habe keine verdammte Ahnung!

Ich werde wohl kein Katholik werden, vielmehr möchte ich ausdrücken, wie schade es ist, mit intellektuellen Scheuklappen durch die Welt zu irren, was heute so viele tun. Man verpasst so viel. Meinetwegen irre ich auch ein wenig durch die Welt, aber ohne Scheuklappen. Vielmehr mit ehrfürchtigem Erstaunen. Vielleicht kann ich euch keine klare Orientierung mitgeben, aber Denkanstöße, ein wenig die Augen öffnen für die Welt der Ideen.