Rotlichtviertel, Prostitution und Ethik

Rotlichtviertel und Prostitution werden von der breiten Bevölkerung eher amüsiert wahrgenommen. In der Regel nimmt man die Dienste dort als Durchschnittsbürger nicht in Anspruch, aber hat auch kein Problem damit. In Hamburg gilt das Rotlichtviertel St. Pauli als Amüsiermeile, wobei sich dort auch nicht-erotische Kneipen, Discos und Theater befinden.

Wie zu so vielem habe ich auch hierzu wieder eine ganz eigene Meinung.

Diese lockere Haltung gegenüber Rotlichtmilieu und Prostitution ist Resultat einer individualistisch-liberalen Sichtweise, wonach Frauen selbst entscheiden können, ob sie sich prostituieren wollen oder nicht. Leider lässt dies die Frage unbeantwortet, ob es eigentlich moralisch gut bis erstrebenswert ist, sich zu prostituieren, und wie es dazu kommt, dass es jemand tut.

Im Grunde ist es einfach. Jeder möge sich die Frage stellen, ob er es gerne sehen würde, wenn sich die eigene Tochter oder der eigene Sohn prostituiert. „Ich wünsche mir für meine Tochter diese Zukunft: Dass sie von betrunkenen Fußballern nach einem Spiel, von Taxi- und LKW-Fahrern nach Feierabend und von Manager-Playboys durchgevögelt wird und so ihr Geld verdient.“

Praktisch kein Vater, keine Eltern werden sich das wünschen. Nun ist es so: Prostituierte haben alle Väter. Sie haben Mütter, Omas, Schulfreunde von damals, sie sind Teil der Gesellschaft. Und wenn nicht, spricht das für ein noch größeres Versagen der Gesellschaft. Aus Berufsgründen möchten sie als Sexobjekte betrachtet werden. Doch man sollte sie nicht so betrachten, sondern als Menschen.

Laut der objektivistischen Philosophie ist Sex nur im Kontext einer ernsthaften Beziehung angemessen. Sex ist eine Antwort auf Werte, jemand muss es in den Augen des anderen Wert sein, als Sexualpartner in Frage zu kommen. Man muss es sich verdienen, indem man ein guter Mensch und ein erstrebenswerter Partner ist.

Prostitution umgeht diese Anforderung. Sie erzeugt die Illusion, ein Mensch hätte sich den höchsten Ausdruck von liebevoller Zuneigung verdient. Verdient als Mensch, als Einheit von Geist und Körper.

Die Freier betrügen sich selbst und die Prostituierten ermöglichen ihnen dies.

Ja, letztlich ist es die Entscheidung der Beteiligten, dies so handzuhaben. Aber ich halte ethisch nichts von dieser Entscheidung. Dazu kommt der Aspekt, dass manche sich nur prostituieren, weil sie keinen anderen Beruf finden, etwa wegen Diskriminierung. Für Transexuelle ist das umfassend genug aufgezeigt worden. Dass sie diese Rolle gewählt hätten, gilt nicht für alle, es sei denn, man braucht für eine Wahl nur noch weniger attraktive Optionen als Alternativen. Manche Frauen sehen es auch als Möglichkeit an, schnell viel Geld zu verdienen, sicher sind die Motivationen unterschiedlich.

Nicht alles, was legal ist, ist erstrebenswert. Es ist legal, sich in den Straßengraben zu setzen und sich zu Tode zu trinken. Aber es ist nicht gut. Man kann sich prostituieren, aber es ist weder gut für einen selbst noch für die Freier.

Dazu kommt der Aspekt, dass Rotlichtviertel häufig eine höhere Kriminalitätsrate haben und verwahrlost aussehen. In der Gesamtbetrachtung finde ich daher weder Prostitution noch Rotlichtviertel attraktiv und meide sie lieber.

Ich will nichts verbieten. Aber ich finde es auch nicht gut. Und ich habe bislang keine inhaltliche Replik dazu vernommen.