Radikal für die Aufklärung

The burning of Granville, 14 November 1793

Das Afghanistan-Desaster hat die Selbstaufgabe des Westens für alle anschaulich gemacht. Diese Katastrophe ist „schlimmer als Saigon“, wie Brendan O’Neill bei Novo schreibt. Der woke Westen übt sich lieber in Selbstverachtung, als für seine Werte wie Vernunft, Freiheit, Demokratie oder nur sein bloßes Überleben einzutreten. Der müde und bequeme Relativismus hat den Glauben an die universalistischen Werte der Aufklärung untergraben.

Herrschaft des Woke-Mobs

Wir leben in einer Zeit, in der sich erwachsene Menschen ihr Weltbild von intoleranten Twitter-Trollen vorschreiben lassen. Eine Generation hat das Sagen, die mit South Park und Family Guy aufwuchs und jetzt einen Safe Space braucht, um sich vor fremden Ideen wie Vernunft und Gedankenfreiheit zu verstecken. Rationalen Argumenten hat sie nichts entgegenzusetzen als „Cancel Culture“, also Bücherverbrennung, Ketzerverfolgung und Mobgewalt.

Nein, ich glaube nicht an „systemischen“ Rassismus und Sexismus, an denen jeder Schuld trage, nur weil er im Westen existiert. Ich bin weder Sexist noch Rassist. Ich trage keine angeborene Schuld wegen meiner weißen Hautfarbe oder wegen meines männlichen Geschlechts. Ich glaube nicht, dass Menschen in oberflächliche Kriterien dieser Art unterteilt werden und überall entsprechend „repräsentiert“ sein müssen. Ich glaube, dass Rasse, Geschlecht, sexuelle Orientierung bedeutungslos sind. Was zählt, sind unsere klugen Entscheidungen, unser guter Charakter. Das, wovon die Woke-Ideologen am wenigsten verstehen.

Ich hatte während des Beginns des Afghanistan-Einsatzes geschrieben, dass der Krieg mit Bestimmtheit geführt werden muss, bis er gewonnen ist. Bis unsere Feinde besiegt sind. Stattdessen hat man das Konzept der „Feindschaft“ als rückschrittliches Vorurteil abgeschafft, sodass nun wieder mittelalterliche Barbaren in Afghanistan herrschen. Ohne dass man sie noch so nennen dürfte, das wäre rückschrittlich. Aber progressiv genug sind den Woke-Ideologen Mädchenschulen sprengen, vergewaltigte Frauen wegen Ehebruch steinigen und Ungläubigen den Kopf abhacken. Wer sind wir, eine andere Kultur zu verurteilen? Wir sollten sie besser fair repräsentieren. 50 Prozent Kopf abhacken für alle.

Zerstörung von Innen

Die Rechten irren sich. Wir können unsere Kultur nicht schützen, indem wir uns isolieren, unsere Kultur wird nicht von außen zerstört. Sie wird von Innen zerstört. Ich hoffe, dass die Geflüchteten, die aus Afghanistan, dem Iran und anderen Tyranneien zu uns gekommen sind, uns daran erinnern, wofür wir stehen sollten, warum es hier besser ist als dort. Für mich sind sie willkommen. Für mich ist jeder willkommen, der die Werte der Aufklärung verteidigt. Und wer schon hier ist und sich erdreistet, Freiheit, Vernunft und Demokratie zu verraten und doch jeden Tag von ihnen zu profitieren, kann verschwinden. Wer die Wissenschaft für ein patriarchal-imperialistisches Komplott hält, soll sich den Trotteln von der Taliban anschließen, die sie für ein Komplott Satans halten.

Gegen die Taliban hilft nur eine„Taliban der Aufklärung“. So hatte Michael Schmidt-Salomon mich einmal genannt. Ich weiß, wie die Alternative zur freiheitlich-demokratischen Gesellschaft aussieht. Die Errungenschaften der Aufklärung zu bewahren, ist notfalls jedes Opfer wert. Und nur mit der Haltung sind wir morgen noch da.

Wie Heinrich von Kleist (1777-1811) im „Katechismus der Deutschen“ schrieb:

„Gleichwohl ist, wenn der Zweck des Kriegs nicht erreicht wird, das Blut vieler tausend Menschen nutzlos geflossen, die Städte verwüstet und das Land verheert worden.“

Antw. „Wenn gleich, mein Vater.“

Fr. „Was; wenn gleich! – Also auch, wenn alles unterginge, und kein Mensch, Weiber und Kinder mit eingerechnet, am Leben bliebe, würdest du den Kampf noch billigen?“

Antw. „Allerdings, mein Vater.“

Fr. „Warum?“

Antw. „Weil es Gott lieb ist, wenn Menschen, ihrer Freiheit wegen, sterben.“

Fr. „Was aber ist ihm ein Greuel?“

Antw. „Wenn Sklaven leben.“