Der Klimawandel hat nichts mit deinem Lifestyle zu tun

In unserer Biedermeierzeit sind die Leute von ihrem eigenen Lebensstil geradezu besessen. Man kauft bestimmte Dinge, um klimaschonender zu leben.

Es geht beim Klimaschutz jedoch höchstens am Rande um unseren persönlichen Lebensstil. Wir müssen uns ansehen, was am meisten Klimagase erzeugt. Alle Statistiken besagen dasselbe.

In Deutschland: „Der gesamte Energiesektor ist mit circa 82,8 Prozent im Jahr 2020 die größte Quelle anthropogener Treibhausgasemissionen (…)“ (Umweltbundesamt)

Weltweit sind Energieproduktion- und Verbrauch für 73,2 Prozent der Treibhausgase verantwortlich (Our World in Data)

Letztlich geht es immer um Energieumwandlungsprozesse. Die ganz große Baustelle ist die Energieproduktion. Wenn wir die auf CO2-arme Energiequellen wie Sonne, Wind, Atomkraft, Wasserkraft, Geothermie umstellen, ist der größte Schritt gegangen. Die Energie für andere Dinge beziehen wir ja überwiegend letztlich aus diesen Quellen, aus dem Stromnetz. Ausnahmen gibt es ein paar, darunter Autos mit Verbrennermotoren, die selbst kleine fossile Kraftwerke sind.

Das Transportproblem ließe sich durch den Umstieg auf E-Autos, Wasserstoff und E-Fuels lösen. Der Klimagas-Ausstoß in der Landwirtschaft ließe sich durch Fleischreduktion oder Laborfleisch sowie durch gentechnisch angepasste Nutzpflanzen stark reduzieren. Die weniger Fläche erfordern und resistenter gegen Hitze und Schädlinge sind.

Die Klimakrise hat nur geringfügig etwas mit unserem persönlichen Konsum und Lebensstil zu tun. Ich kann mich nicht dazu entscheiden, meine Energie aus einem CO2-armen Kraftwerk zu beziehen, es gibt nur ein Stromnetz und einen Strom darin. Fast alles hängt letztlich von unserer Stromproduktion ab. Auch E-Autos beziehen ihren Strom von Kraftwerken, ebenso kommt daher der Strom für die Produktion von E-Fuels und Wasserstoff.

Wer also etwas für den Klimaschutz bewirken will, muss sich in erster Linie für den Umstieg auf CO2-arme Energiequellen einsetzen. Der Rest ist sekundär und hängt größtenteils davon ab. Die Energieproduktion ist der Schlüssel für den Klimaschutz. Und für den spielt es keine Rolle, Produkte von bestimmten Marken zu kaufen.

Der Umstieg auf CO2-arme Energiequellen ist ein politisches, ökonomisches und ein technisches Thema. Es ist überhaupt kein Lifestyle-Thema. Wir interessieren uns also für genau die Dinge am wenigstens, die den größten Effekt für den Klimaschutz hätten: Politik, Technik, Wirtschaft. Und dafür am meisten, was den geringsten Effekt hat: Lifestyle.

So kommt es, dass die Leute gegen jedes neue Windrad demonstrieren und gegen Atomkraft und Gentechnik sowieso. Sie protestieren gegen alles, was wirklich einen Unterschied machen würde, und fokussieren sich auf bedeutungslose Lebensstilfragen. So wird das nichts mit dem Klimaschutz.