Lasst Blumen sprechen

Bei meiner letzten Philosophievorlesung wurde ich nach meiner Meinung zu Michael Blume gefragt. Er ist ein deutscher Religionsforscher und Antisemitismusbeauftragter der baden-württembergischen Landesregierung. Nun, ich habe eine positive Meinung von ihm. Ich werde noch ein letztes Mal auf dieses Thema eingehen.

Zu der Zeit meines Vortrags wurde Blume (mal wieder) von rechten Trollen angegriffen, diesmal warfen sie ihm Antisemitismus vor. Die Rechten versuchten, mich für ihre Kampagne einzuspannen. Ich weigerte mich und verteidigte Blume öffentlich auf Twitter.

Die Rechten waren auf den Gedanken gekommen, weil ich vor über zehn Jahren mal eine fachliche Meinungsverschiedenheit mit Blume hatte. Es ging um die Frage, ob Religiosität evolutionär direkt selektiert wird oder ob es sich um ein Nebenprodukt der natürlichen Selektion handelt. Sie hatten ein paar alte Artikel herausgekramt, wo wir uns darüber gestritten hatten. Es wird mir natürlich im Traum nicht einfallen, jemandem Antisemitismus vorzuwerfen, nur weil wir mal eine fachliche Meinungsverschiedenheit hatten.

Ich hatte Blume nach einem gewissen Geplänkel damals vor über zehn Jahren spaßhaft meinen „Erznemesis“ genannt. Leider nahmen das einige organisierte Humanisten zu jener Zeit ernst. Michael Schmidt-Salomon hatte gerade an seinem Buch „Jenseits von Gut und Böse“ gearbeitet, in dem er argumentiert, dass es keine Willensfreiheit und keine objektive Moral gebe. Er hatte besonders gespitzte Antennen für Äußerungen, die Menschen in Gut und Böse einteilen, wie meine Bezeichnung Blumes als „Erznemesis“. Er sprach mich auch darauf an und ich wiederholte den Begriff mit Ironie in der Stimme und Lächeln auf den Lippen. Aber er sah mich darauf ernst und streng an. Ich fand das vollkommen unpassend. Für wie blöd hält der mich?

Für mich war das ein Begriff, der Assoziationen mit Comicbüchern weckte und der ganz offensichtlich nicht ernst gemeint sein konnte. Wie absurd!

So, das war damals diese Geschichte. Ich hatte bei meinem jüngsten Vortrag versichert, dass Blume natürlich kein Antisemit sei, weil ich dachte, dass es um die aktuelle Kontroverse ginge. Aber es ging wohl um den alten Streit. Also, Michael Blume und ich haben den schon längst vergessen und wir haben ein gutes Verhältnis. Gerade höre ich mir sein Buch als Audiobuch an. Das empfehle ich auch meinen Lesern.