Tierethik erklärt für Idioten

Wieder wurde ich bombardiert mit Spitzfindigkeiten, Ausweichmanövern und radikalem Zweifel. Es gebe wichtige Unterschiede zwischen Tier und Mensch. Die sind moralische Objekte, wir sind moralische Akteure. Wir gehörten einer anderen Kategorie an als Tiere, Komapatienten empfinden nicht bewusst, also kann man sie quälen?

Nehmen wir einige klassische Beispiele der Tierquälerei: Ein Mann tritt wild auf seinen Pudel ein. Eine Gruppe Jugendlicher wirft Steine auf eine Katze.

Niemand würde ankommen und etwas faseln von moralischen Objekten, Akteuren, verschiedenen Kategorien, unbewussten Komapatienten. Ein solches Verhalten ist einfach zum Kotzen, fertig.

Aber wenn wir denselben Grad an Tierquälerei in der Massentierhaltung beobachten, kommen auf einmal absurde Rechtfertigungen und Ausweichmanöver.

Hier ein Beispiel aus der Massentierhaltung: Hühner gehören fast alle zu Hochleistungsrassen, die so viele Eier legen, dass sie nicht mehr genug Kalzium für ihre eigenen Knochen haben. Das wandert in die Eierschalen. Und daher brechen sie sich häufig die dünnen Knochen und verbringen ihr Leben mit Schmerzen.

Anderes Beispiel: Kaninchen-Massentierhaltung laut Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt.

„In der Intensivtierhaltung erfahren Mastkaninchen regelmäßig die folgenden Schmerzen, Leiden und Schäden, die in erster Linie infolge der artwidrigen Haltungsbedingungen (z. B. eingeschränkte Bewegungsfreiheit, Haltung auf Gitterboden) entstehen:

  • Knochenschwäche, schmerzhafte Knochenbrüche
  • Störungen in der Bewegungskoordination bis hin zum Verlust der Hoppelfähigkeit
  • Technopathien (z. B. wunde Läufe = Pododermatitis, Wirbelsäulenverkrümmungen, Sohlengeschwüre, Knochengewebshypoplasie)
  • Fütterungsbedingte Erkrankungen (z. B. Kokzidiose)
  • diverse Infektionskrankheiten“

Wer ein in seiner Wohnung gehaltenes Kaninchen so misshandeln würde, der würde als Unmensch gelten. Doch in der Massentierhaltung ist das völlig normal in Deutschland.

Natürlich ist das ethisch falsch. Es ist in diesem Zusammenhang unnötig, auf Fragen einzugehen wie, ob man Tiere unter Umständen essen darf und ob Tiere Rechte haben. Tiere zu quälen ist ethisch falsch. Und wir quälen sie in der Massentierhaltung. Das sollten wir lassen.

Einfacher wird’s nicht. Da gibt es nicht viel zu philosophieren.