Auf Wiedersehen, Prometheus

Ich verabschiede mich von der prometheischen Ikonografie meines Blogs und Online-Auftritts.

Ich wurde von zwei Philosophen darauf hingewiesen, wie der Blogauftritt mit Prometheus bei Uneingeweihten ankommen könnte.

  1. Es könne überheblich wirken, als Gott aufzutreten.
  2. Prometheus wird nicht nur mit der Aufklärung assoziiert, sondern auch mit jenem anderen „Lichtbringer“: Luzifer. Mit dem Teufel.

Stimmt, wenn man so darüber nachdenkt … ist es ja nicht bescheiden, als Gott aufzutreten.

Meine eigene Wahrnehmung war natürlich eine andere: Ich verstand Prometheus als Personifizierung der Aufklärung und wollte meinen Blog damit assoziieren. Ich dachte, es wäre witzig, den absurden Vorwurf von Gläubigen aufzugreifen, wonach sich Atheisten selbst als Götter sehen würden. Und ich wollte ihrem einen Gott der Aufklärung entgegensetzen. Verschiedene Gedanken also, aber „Ich bin wirklich selbst Gott“ war keiner dieser Gedanken. Das ist wohl ein typischer Fall von „einleuchtend für mich“ und für sonst niemanden.

Wenn Hitler dein Lieblingsbild mag

Schließlich hat sich herausgestellt, dass offenbar Adolf Hitler mein ikonisches Lieblingsbild mochte. Gemeint ist „Prometheus bringt den Menschen das Feuer“ von Heinrich Friedrich Füger (1751 – 1818). Natürlich hat das Gemälde aus dem 18. Jahrhundert ursprünglich nichts mit den Nazis zu tun, die im 20. Jahrhundert die Welt terrorisierten. Lange Zeit wurde Prometheus vielmehr mit dem schöpferisch begabten Künstler in Verbindung gebracht.

Aber dann: „Im Dritten Reich mutierte der griechische Heros zum Fackelträger der deutschen Nation und war elementarer Bestandteil der völkisch-nationalsozialistischen Ikonographie. Fügers Gemälde war ebenso wie »Herakles befreit Prometheus« spätestens seit 1940 in Reichsbesitz und für das von Hitler geplante Museum in Linz vorgesehen.“ (Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, S. 56-57, Kat.Nr. 39.)

Diese Assoziation brauche ich natürlich gar nicht. Es sollte klar sein, dass weder die griechische Antike mit ihren Mythen noch ein Künstler aus dem 18. Jahrhundert mit den Nazis sympathisierte. Die wurden nachträglich für diesen Unsinn missbraucht.

Ich war bislang nie auf die Idee gekommen, dass sich die Nazis das Gemälde und Prometheus als Figur unter den Nagel gerissen haben könnten. Dabei ist es offensichtlich: Ein weißer, kräftiger „Übermensch“ in stolzer Pose. Es ist eine wahnsinnig dumme Interpretationslinie, aber leider ist es wohl eine.

Bescheidenheit statt Gottheit

Ich habe das Gemälde durch „Demokrit unter den Abderiden“ von François-André Vincent (1746 – 1816) ersetzt. Demokrit war Materialist, was ich nicht mehr bin. Aber er war auch ein genialer, früher Wissenschaftler und Universaldenker. Was ich natürlich schon bin – als Gott der Aufklärung! Ist doch das mindeste. Spaß! Im Gegenteil zeigt das Gemälde Demokrit beim demütigen Grübeln. Er verachtete den Ruhm, sein zufriedener Ausspruch ist „Ich kam nach Athen und niemand kannte mich.“

Und niemand kennt heute noch den Feuerbringer-Blog, gemessen an den Aufrufen. Außer den Leuten, die mich „Feuerbringer“ nennen irgendwie. Er hatte einst über 400 Besucher am Tag. Hätte wohl nicht aufhören sollen, etwas zu predigen, ob den Antitheismus oder den Objektivismus. Jetzt bin ich nur noch, oder endlich, Philosoph.

Ergänzung: Ich schließe es nicht aus, auch den Blogtitel zu ändern, damit er besser zum neuen Auftritt passt. Die URL sollte aber gleich bleiben.

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