Rückblick auf meine Bücher

Es ist einige Jahre her, dass ich Bücher geschrieben habe. Auf der Blogseite „Bücher“ habe ich nun einige Absätze ergänzt, in denen ich sie aus heutiger Sicht einschätze (nicht identisch mit dem Text hier im Beitrag). Außerdem habe ich den Sammelband Humanistik und Philosophie 2022 ergänzt, der einen Essay von mir enthält.

Mein ursprüngliches Ziel war es tatsächlich, als Schriftsteller leben zu können. Hätte ich mich mehr um Dinge wie Agenten und Verlage gekümmert statt nur um die Qualität meiner Bücher, wäre zumindest mehr daraus geworden. Dafür hatte mir das Selbstvertrauen gefehlt. Man muss aber realistischerweise sagen, dass so ziemlich niemand außer Stephen King wirklich vom Schriftstellertum leben kann.

In meinen Büchern steckt daher eine enorme Energie. Nach „Der Westen. Ein Nachruf“ hatte ich eine Art kreativen Burnout, begleitet von der Einsicht, dass es in vielerlei Hinsicht verschwendete Liebesmühe ist, so viel Kraft in Bücher zu investieren.

Die Leute lesen immer weniger Bücher. Und immer mehr Texte auf dem Handy. Auch gewinnen Bilder und Videos an Bedeutung. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen im Westen und eines, das unseren Gesellschaften teuer zu stehen kommen wird.

Nur Bücher können komplexe Zusammenhänge angemessen vermitteln. Wir entwickeln uns zurück zu einer mündlich und visuell geprägten Stammeskultur. Das bedeutet langfristig den Untergang komplexer Gesellschaftsformen wie der freiheitlichen Demokratie. Primitive tribalistische Ideologien wie jene der Neuen Rechten und „linke“ Identitätspolitik passen zu diesem Zeitgeist.

Ich finde es irritierend, dass sich Medienschaffende vordergründig die Frage stellen, wie sie auf diese Trends reagieren sollen. Mehr Instagram-Posts? Wir sprechen hier vom schleichenden Untergang der Schriftkultur. Entweder wir stoppen diesen Trend oder die moderne Zivilisation stirbt und damit nicht nur die Medienbranche, sondern unsere gesamte Lebensweise und die komplette arbeitsteilige Wirtschaft.

Aber so ist es nun auch. In unserer literaturbefreiten Selbstdarstellerkultur versteht man eben nichts mehr, was auch nur minimal vom eigenen Leben entfernt liegt. Und irgendwann wird es auch nichts mehr zum Verstehen geben.

Um mit etwas Positivem zu schließen: Ich führe gerade die Diskussion mit meinem einstigen Philosophielehrer fort, inzwischen geht es um das Fine-Tuning-Argument. Daraus werde ich voraussichtlich einen Beitrag mit den wichtigsten Argumenten basteln. Wer also noch Interesse an intellektuellen Themen hat, wird hier im Blog weiterhin einen Zufluchtsort finden.

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