„Selber dogmatisch“

Der revisionistische Intuitionismus und die Begründung der metaphysischen Axiome sollen ebenfalls dogmatisch sein. Das bekomme ich gelegentlich zu hören. Unter anderem, weil ich meinte, dass die Verabsolutierung des Geltungsbereichs des Münchhausen-Trilemmas dogmatisch ist, wie sie Hans Albert vornimmt.

Leute, ich bin ganz Ohr. Erklärt mir gerne, inwiefern Aspekte meiner Philosophie dogmatisch sind, und ich werde sie verwerfen. Darin habe ich ja Übung. Aber wenn ihr einfach nur ohne Erklärung behauptet, dass sie dogmatisch seien, dann muss ich eure Kritik ignorieren beziehungsweise, wie hier, kritisieren.

Auf Twitter meinte jemand, mein Intuitionismus sei eine „emotivistische Version des Dogmatismus“. Zwei Probleme damit:

1. Er hat nichts mit Emotionen zu tun, sondern mit der Vernunft. Eine Aussage erscheint uns wahr, sobald wir sie intellektuell verstehen. Darum geht’s. Es gibt auch Leute, die Intuitionen irgendwie mit Emotionen verbinden, aber was interessiert mich das? Wer etwas über den revisionistischen Intuitionismus erfahren und in der Lage sein möchte, ihn zu kritisieren, kann „Ethical Intuition“ von Michael Huemer (Amazon-Partnerlink) lesen oder wenigstens irgendwas kommentieren, was ich tatsächlich zum Thema geschrieben habe.

2. Michael Huemer, der diese Version des Intuitionismus erdacht hat, ist ein scharfer Kritiker des Emotivismus.

Metaphysische Axiome: Ihr glaubt also nicht an Existenz, Identität und Bewusstsein. Das heißt, ihr habt keinen Geist, seid nichts Bestimmtes und existiert im Grunde gar nicht. Was kümmert mich dann eure Kritik?

Ayn Rand hat sich mit vielem geirrt, aber nicht damit: „Ein axiomatisches Konzept ist die Identifikation einer primären Tatsache über die Realität, die nicht weiter analysiert, das heißt in andere Fakten oder Komponenten heruntergebrochen werden kann. Es ist in allen Fakten und in allem Wissen implizit. Es ist das fundamental Gegebene und wird direkt wahrgenommen oder erfahren, was keinen Beweis und keine Erklärung erfordert, aber worauf alle Beweise und Erklärungen aufbauen.“

Und: „(…) wenn die Vernunft zerstört werden soll, müssen axiomatische Konzepte zerstört werden.“

Man darf sich fragen, was eigentlich die Implikation des kritischen Rationalismus nach Hans Albert ist: die Zerstörung der Vernunft? Ohne „Letztbegründung“ hat auch das Wissen selbst kein Fundament, von der Moral ganz abgesehen. Wir wissen nichts, haben keine Handlungsorientierung, sind nichts. Jeder kann alles, was seinen Interessen dient oder seinem Wahn, in einem „Diskurs“ einbringen und versuchen, es durchzusetzen. Wir irren uns nicht zur Wahrheit nach diesem Prinzip, wir irren uns zum Wahnsinn.

Das passt wundbar zum Zeitgeist.

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