Das „Nicht genug Sex“-Argument

Ich habe gerade mal wieder in einer Facebook-Diskussion das „Nicht genug Sex“ oder „Du bekommst wohl keine Frau/Mann“-Argument gesehen, das jemand gegen einen anderen Diskutanten einsetzte, der sich skeptisch gegenüber dem „Brexit“ ausgesprochen hatte. Dieses „Argument“ ist inzwischen fast so häufig in Diskussionen anzutreffen wie das Reductio ad Hitlerum -Argument, das natürlich auch kein echtes Argument ist, sondern ein Denkfehler. Es wird von beiden verbliebenen Seiten des politischen Spektrums gebraucht (ich gehöre zu keinen davon). Also werfen wir einmal einen näheren Blick darauf.

(Anmerkung: Ein Leser wies mich dankenswerterweise darauf hin, dass der Versuch, ein solches Argument ernsthaft zu analysieren, zu einem ziemlich ekelerregenden Ergebnis führen musste und geführt hat. Somit ist das meine erste philosophische Analyse, die ich hiermit erst ab 18 Jahren freigebe).

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Die Partei der Social Justice Warrior

Die SPD? War das nicht mal die Partei der Arbeiterklasse, die sich an der Seite der Gewerkschaften für höhere Löhne engagierte? Nun, jetzt ist es die Partei der elitären Social Justice Warrior-Snobs, die auf die Arbeiterklasse spuckt und überall Rassismus, Sexismus und Homophobie wittert, außer bei sich selbst. Aber was ist das eigentlich, „Social Justice Warrior“? Der Begriff wird anschaulicher durch das folgende Beispiel. Stelle Dir vor, Du bist ein neuer Schüler, der gerade in die fünfte Klasse Gymnasium kommt. Weiterlesen

Kutschera und die Gender-Ideologen

Was motiviert die Gender-Ideologen wirklich? Ich war am 19. Dezember bei einem Vortrag des Biologen Ulrich Kutschera in Hamburg, der von der örtlichen Regionalgruppe der Giordano Bruno Stiftung und von der Richard Dawkins Foundation veranstaltet wurde und danach war ich mit den Leuten essen (womit ich sagen will, dass ich die Veranstaltungen der beiden Organisationen weiterempfehle). Jetzt habe ich Zeit, ein paar Kommentare zur Veranstaltung nachzutragen. Insbesondere soll es um die Gender-Ideologie gehen und ob sie wirklich auf John Money zurückgeführt werden kann. Weiterlesen

Mein Artikel über Tierrechte für den Ethikunterricht

Ethik & Unterricht 4/2016, Friedrich Verlag

Ethik & Unterricht 4/2016, Friedrich Verlag

In der aktuellen Ausgabe von „Ethik & Unterricht“ 4/2016 (eine Fachzeitschrift für Ethiklehrer) wurde ein Artikel namens „Tiere haben keine Rechte“ von mir auf S. 53 publiziert (eine gekürzte Fassung meines gleichnamigen Artikels für Novo Argumente). Außerdem wurde er für Schüler aufbereitet und mit passenden Übungsaufgaben versehen. Falls also ein Lehrer der Fächergruppe Ethik, Werte und Normen, Praktische Philosophie und LER nun Positionen für und gegen Tierrechte besprechen möchte – hier finden Sie Unterrichtsmaterialien dafür.

Der Großteil der anderen Beiträge in dieser Zeitschrift tritt für Tierrechte oder Tierschutz ein, darunter solche von Ursula Wolf („Ethik der Mensch-Tier-Beziehung“), Peter Singer („Animal Liberation“), Jonathan Safran Foer („Tiere essen“) und Karen Duve („Anständig essen. Ein Selbstversuch“).

Von diesem Artikel abgesehen ist meiner Ansicht nach „Ein Hoch auf das Versuchstier des Jahres“ mein bester Beitrag über Tierrechte.

Der Kult der identitären Linken

Nach Brexit, dem Wahlsieg Trumps und dem Aufstieg der AfD auf ein Ergebnis von über zehn Prozent laut verschiedenen Sonntagsfrage-Statistiken und den Erfolgen anderer rechter Parteien in Europa würde man meinen, dass Linke einmal eine Schweigeminute einlegen, in sich kehren und nachdenken würden, warum sie auf einmal solche Verluste hinnehmen müssen. Aber nein. Sie bleiben weiterhin in ihrem ideologischen Spiegelkabinett und wehren jegliche Kritik und sämtliche Argumente von Andersdenkenden gleich welcher Art mit den üblichen Tricks ab, von Denkfehlern wie Strohmännern zu persönlichen Angriffen.

Das tun zwar auch Anhänger anderer Ideologien, aber inzwischen ist es doch eine Spezialität vor allem von identitären Linken (bzw. Social Justice Warrior oder Regressive Linke) geworden. Vor allem persönliche Angriffe sind ihr Lieblingswerkzeug. Wer nicht so „denkt“ wie sie, wird gleich als „Rassist“, „Sexist“, „Nationalist“ und dergleichen gebrandmarkt.

Das pubertäre Verhalten, die Arroganz, die bösartige Art, wie sie mit Andersdenkenden diskutieren und mit ihnen umgehen, das ist der Grund, warum so viele Menschen derart die Nase voll haben, dass sie sogar bereit sind, jemanden wie Trump zum US-Präsidenten zu wählen und eine Partei wie die AfD zu unterstützen. Weiterlesen

Atheisten: Wir sind nicht besser als die

Es ist wieder Zeit für mein Wort zum Sonntag. Heute geht es um die Frage, warum so viele „säkulare Humanisten“ einen schlechten Charakter haben. Dass dem so ist, ist mir in dem Jahrzehnt, seitdem ich in dieser Szene aktiv bin, leider häufig aufgefallen.

Viele, wenn nicht die meisten Leute, die sich dieser Tage „säkulare Humanisten“ nennen, sind nicht einmal Humanisten, haben also keine Ethik, die den Menschen ins Zentrum setzt (und es geht hier nicht um Kleinigkeiten oder geringfügige Meinungsverschiedenheiten). Das, was sie „atheistisch“ nennen, ist lediglich ein nihilistischer reduktionistischer Materialismus, der sich im politischen Bereich als eine Variante des Marxismus äußert.

Da ich nun auf mehrere Beispiele für den miesen Charakter und die offensichtlich anti-humanistischen Ansichten vieler „säkularer Humanisten“ (wie sie sich selbst nennen) im Detail eingegangen bin, möchte ich nun die Frage nach den Ursachen für dieses Phänomen zu beantworten versuchen. Weiterlesen

Ist Intoleranz tolerant, wenn sie links ist?

Michael Schmidt-Salomon ist ein Genie. Ein PR-Genie. Kaum ein anderer öffentlicher „Intellektueller“ unserer Zeit hat ein so gutes Gespür dafür, was er schreiben muss, um von Mainstream-Medien hofiert zu werden. Er erkennt den Zeitgeist genau und passt seine Sprache und Meinung daran an. Schmidt-Salomon ist der vielleicht größte Anpasser des ganzen Landes.

Als Philosoph schreibt er zwar nur Unsinn, aber man kann nicht auf allen Gebieten Überragendes leisten. Der neueste Essay des Vorstandssprechers der Giordano Bruno Stiftung befasst sich mit der Frage, ob und inwieweit wir als Gesellschaft Intoleranz tolerieren müssen.

Wie schon seine Streitschrift „Keine Macht den Doofen!“ (eine Auflistung von Beleidigungen von Konservativen) ist der Essay gegenüber Andersdenkenden atemberaubend intolerant. Er plädiert dabei jedoch, oberflächlich betrachtet, für mehr Toleranz. Das entspricht der Haltung der Social Justice Warrior, die für mehr Toleranz gegenüber Minderheiten wie Transgender und Muslimen eintreten, aber nur, sofern die Minderheiten genau ihrer politischen Meinung sind (was sie oft fälschlicherweise glauben). Weiterlesen