Wir reden nicht so

Es gibt da diese merkwürdige Szene in Roland Emmerichs „The Day After Tomorrow“, dem apokalyptischen Hollywood-Film über die globale Erwärmung im Schnelldurchlauf. Über diesen Aspekt ließe sich auch einiges sagen, aber die Szene, über die ich etwas zu sagen habe, hängt nicht mit dem Klimawandel zusammen. Vielmehr suchen einige Studenten anlässlich einer einbrechenden Eiszeit in einer Universitätsbibliothek Unterkunft (Drehort war die Rechtsfakultät der McGill Universität in Montreal) und beraten sich darüber, ob sie Bücher des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche verbrennen sollen. Weiterlesen

Hassrede für die Freiheit

Gegen den „Hass“ agitieren sie wieder, die Freiheitsfeinde. Und Hass ist immer das, was die anderen tun, die anderer Meinung sind. Die sich nicht fügen wollen dem eigenen Willen, dem eigenen Herrschaftsanspruch. Aber wer Emotionen wie Hass verbieten will, wird von anständigen Menschen gehasst.

Wie der Vormärz-Dichter Georg Herwegh von der Obrigkeit gehasst wurde, der im Jahr 1841 die folgenden Worte schrieb: Weiterlesen

Hexenjagd 2018: Wenn der Vater AfD wählt

Die „Ihr seid alle AfD bis auf mich und meine Homies“-Generation ist eine Sekte. Es ist typisch für Sektierer, selbst ihre engsten Verwandten gegenüber der Obrigkeit und den anderen Kultisten zu denunzieren, sie als Ungläubige zu outen und sie dann ihrem Schicksal zu überlassen. Dieses Ritual dient auch dazu, den eigenen Status als vertrauenswürdiges Kultmitglied zu festigen und so in der Hierarchie aufsteigen zu können. Also in etwa das zu tun, was der Soziologiestudent mit dem Pseudonym „Leopold Löffler“ mit seinen eigenen Eltern im Tagesspiegel-Artikel „Wenn der Vater AfD wählt“ getan hat.

So ähnlich muss es in der DDR gewesen sein, wenn der Nachwuchs die Eltern bei der Staatssicherheit anschwärzte, um bei der Freien Deutschen Jugend aufzusteigen. Nur geschieht es diesmal anonym, ganz so konsequent wollen wir nicht sein dieser Tage. Es gibt ja noch freie und geheime Wahlen, Persönlichkeitsrechte, Recht auf Privatsphäre, Recht auf Meinungsfreiheit, Schutz der Familie und all diese reaktionären AfD-Dinge von damals, also konnte Löffler den echten Namen seines Vaters (und seinen echten Namen) nicht nennen – jedenfalls, bis auch diese braunen Relikte Geschichte sind. Weiterlesen

Das „Nicht genug Sex“-Argument

Ich habe gerade mal wieder in einer Facebook-Diskussion das „Nicht genug Sex“ oder „Du bekommst wohl keine Frau/Mann“-Argument gesehen, das jemand gegen einen anderen Diskutanten einsetzte, der sich skeptisch gegenüber dem „Brexit“ ausgesprochen hatte. Dieses „Argument“ ist inzwischen fast so häufig in Diskussionen anzutreffen wie das Reductio ad Hitlerum -Argument, das natürlich auch kein echtes Argument ist, sondern ein Denkfehler. Es wird von beiden verbliebenen Seiten des politischen Spektrums gebraucht (ich gehöre zu keinen davon). Also werfen wir einmal einen näheren Blick darauf.

(Anmerkung: Ein Leser wies mich dankenswerterweise darauf hin, dass der Versuch, ein solches Argument ernsthaft zu analysieren, zu einem ziemlich ekelerregenden Ergebnis führen musste und geführt hat. Somit ist das meine erste philosophische Analyse, die ich hiermit erst ab 18 Jahren freigebe).

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