Schafft sich der Liberalismus selbst ab?

„Warum der Liberalismus gescheitert ist“ von Patrick J. Deneen ist eine unbedingt ernstzunehmende Kritik am Liberalismus. Mit „Liberalismus“ ist hier die Ideologie gemeint, die seit mehreren hundert Jahren den Westen prägt: Die der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Befreiung des Individuums. Wie Deneen ausführt, hat diese Ideologie eine innere Logik, die zur Selbstabschaffung des Liberalismus führe.

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„Kritik der vegetarischen Ethik“ von Klaus Alfs ist das wichtigste Buch zur Tierethik

Das Buch „Kritik der vegetarischen Ethik“ des ausgebildeten Landwirts und Diplom-Sozialwissenschaftlers Klaus Alfs ist ein neues Standardwerk zur Tierethik. Mit anderen Worten muss es jeder lesen, der sich mit Tierethik befassen möchte, und es reiht sich neben Peter Singers „Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere“ und Tom Regans „Case for Animal Rights“ ein. Im Unterschied zu diesen Klassikern argumentiert Alfs gegen übersteigerten Tierschutz beziehungsweise Tierrechte und gegen den Vegetarismus.

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Die fette Prinzessin und die vergebliche Sahnetorte

Ich habe wieder ein satirisches Märchen geschrieben. Es geht diesmal um den aktuellen Ernährungswahn. Was sollen wir essen, wie sollen wir aussehen und wo ist mein Ernährungsberater? Ich rate davon ab, beim Lesen etwas Süßes und Fettes zu verzehren, wenn ihr es nicht vor Lachen ausspucken wollt…

Die fette Prinzessin und die vergebliche Sahnetorte

Es war einmal in einem fernen Königreich. Unsere Geschichte handelt zu einer Zeit, als die Menschen noch nicht wussten, dass man nicht fett sein darf. Prinzessin Cuisine schaute aus dem Fenster ihres Gemachs in Schloss Avantgarde. Draußen jubelten ihr die Handwerker und Bauern zu und manche schnäuzten sich dabei die Nase, um zum Ausdruck zu bringen, dass sie längst nicht die vorbildlichen Sitten der Prinzessin erlernt hatten und mit ihrem niedrigeren Stand überaus zufrieden waren. Weiterlesen

Buchtipps und philosophische Gedanken

Wie so viele andere junge Menschen befasse ich mich gerade mit der Philosophie von Thomas von Aquin. Ich weiß, ich bin mal wieder uncool, weil ich bei solchen Trends erst mitmache, wenn sie schon wieder fast vorbei sind; als würde ich jetzt anfangen, Pokémon Go zu spielen. Der Trend, sich mit Aquin zu befassen, ist sogar schon seit einigen Jahrhunderten vorbei.

In diesem Beitrag empfehle ich zwei Bücher, die ich frisch gelesen habe und außerdem habe ich womöglich einige theologische Probleme gelöst. Ja, ist ein komischer Zeitvertreib für einen Atheisten, aber ich habe das Induktionsproblem (das letzte große philosophische Problem) erst einmal aufgegeben, weil es bislang nicht lösen könnte und mich das allmählich nervt. Ansonsten gibt es nichts mehr weiter zu tun in der Philosophie, daher also meine Lösung einiger theologischer Fragen. Steinigt mich, wenn’s euch nicht passt.

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Das Demokratie-Problem der Libertären

Viele Libertäre haben eine widersprüchliche Haltung zur Demokratie. Der Staat soll demnach möglichst wenig in die Freiheit der individuellen Bürger eingreifen. Viele bislang demokratisch entschiedene Themen sollen aus der demokratischen Abstimmung ausgeschlossen werden. Um die Bürger davon zu überzeugen, bedienen sich Libertäre selbst demokratischer Methoden wie Vorträgen und Artikeln in den Medien.

Wie sollte man diesen Politikverzicht letztlich durchsetzen, wenn nicht durch die Demokratie, wobei er durch die Demokratie auch wieder abgeschafft werden könnte? Durch eine libertäre Verfassung, durch einen König? Unter anderem dieses Demokratie-Problem der Libertären behandle ich in meiner Rezension des Buches „Über die Anmaßung der Politik“ vom amerikanischen Philosophen Michael Huemer bei Novo. Zur Besprechung: https://www.novo-argumente.com/rezension/wider_die_anmassung_der_politik_von_michael_huemer

Ayn Rand auf Deutsch

Einige von Ayn Rands philosophischen Werken sind nun auf Deutsch erhältlich. Siehe:

Für den neuen Intellektuellenayn_rand_Tugend_Egoismus

Ich habe inzwischen in die Übersetzung von „Für den neuen Intellektuellen“ von Philipp Dammer reingesehen. Sie ist verständlich, aber etwas holprig und gebraucht veraltete Ausdrücke.

Unter anderem stört mich die Übersetzung von „Second Hander“ als „Zweithänder“. Es gibt keinen „Zweithänder“. Es gibt jedoch auch in Deutschland viele „Second Hand“-Läden und die Deutschen können sich gewiss mehr unter einem Menschen vorstellen, der „Second-Hander“ ist (der sich weltanschaulich an anderen orientiert), als an einem „Zweithänder“.

Phrasen wie „Ohne einen Gedanken an die Zukunft blindwütig nach der Zweckdienlichkeit des Momentes handeln“ lassen Rand wie einen typischen deutschen Philosophen klingen, der sich mit seiner Wortwahl vom gemeinem Volk absetzt. Dabei sind Rands Werke im englischen Original, im Gegenteil, sehr gut verständlich. Für ihre klare, bildreiche und brachiale, Nietzsche-artige Ausdrucksweise ist Rand in den USA bekannt. Davon bleibt nicht mehr viel übrig.

Trotzdem: Ich respektiere die Arbeit, die sich Philipp Dammer bei der Suche nach deutschen Verlagen für Rands Werke gemacht hat und auch sein Engagement. Und ich empfehle die Bücher jedem, dessen Englisch nicht gut genug ist und der sich für Rands Denken interessiert. Eine andere Wahl hat er ehrlich gesagt sowieso nicht, wenn er Rand lesen möchte. Die Übersetzungen sind zwar holprig, aber inhaltlich verständlich, und darauf kommt es letztlich an.

Das europäische Ayn Rand Institute möchte sich dann auch mit der Förderung von Rands übersetzten Werke begnügen. Ich hätte mir etwas mehr von dem Institut erhofft. Es ist insgesamt gut, dass die Lücken gefüllt werden und nun Rands Werke auf Deutsch erscheinen. Wer sich für eine eher akademische Herangehensweise an Rands Denken interessiert, ihre Philosophie lernen möchte, die Geschichte und verwandte Denker, ist weiterhin bei mir gut aufgehoben. So fügt sich das alles gut zusammen.

Zu „Für die neuen Intellektuellen“ bei Amazon.

Zu „Die Tugend des Egoismus“ bei Amazon.

Ein Leben des Lebens wegen

Charles Ernest Butler: Tod eines Wikingerkriegers (1909)

Charles Ernest Butler: Tod eines Wikingerkriegers (1909)

Die schönste Stelle im Gesamtwerk der amerikanischen Philosophin und Romanautorin Ayn Rand findet sich meiner Ansicht nach in „We the Living“. Das ist Rands früher semi-autobiografischer Roman über das Leben in der Sowjetunion. In der Passage geht es um die einzige Geschichte über einen Helden, den die junge Protagonistin Kira, ein russisches Mädchen, als Kind gelesen hat. Die Zusammenfassung der Geschichte in „We the Living“ ist bereits ein Vorbote von Rands späterer Philosophie.

Ergänzung: Wie ich erfahren habe, gab es in den 1950er-Jahren eine deutsche Übersetzung, die „Vom Leben unbesiegt“ heißt. Davon besitze ich keine Ausgabe. Ich habe die Stelle im Folgenden selbst ins Deutsche übersetzt: Weiterlesen

Garantierte Expektorationen

Garantierte Exporationen heißt die neue Aphorismensammlung des Philosophen Michael Wollmann. Wie die Vorgänger Tradierte Aberrationen, Segregierende Egregationen und Entgrenzte Grauzonen beweist auch Garantierte Exporationen das Gespür Wollmanns für den Titel-Geschmack eines Massenpublikums. Wie gewohnt macht er mit anspruchsvollen Aphorismen die Bestsellerlisten unsicher, oder zumindest meinen Bücherschrank. Weiterlesen

Libertarianism: For and Against

LibertarianismIm Buch Libertarianism: For and Against diskutieren die Philosophen Tibor Machan und Craig Duncan über das Für und Wider des Libertarismus. Duncan spricht sich für „liberal democracy“ aus, womit er das aktuelle westliche System meint, das man „Öko-Sozialdemokratie“ nennen könnte.  Tibor Machan argumentiert für einen libertären Minimalstaat und gebraucht dafür Argumente aus Ayn Rands objektivistischer Philosophie. Weiterlesen

Aktuelles

Das große Ego (Bild: AM, Spreadshirt)

1. Die überarbeitete Einführung „Die Philosophie von Ayn Rand“ ist fertig. Leider bin ich noch immer etwas erkältet. Sobald ich es nicht mehr bin, gebe ich einen Termin für das Webinar bekannt. Inzwischen haben sich für die Webinare Mittwoch und Freitag um 19:30 Uhr eingebürgert.

Ich entschuldige mich für die längere Pause. Es ist eine ganze Menge dazwischengekommen, das mich von meiner liebsten Tätigkeit abgehalten hat. Nach der Einführung gibt es das Webinar über die Induktionstheorie und die analytisch-synthetische Dichotomie. Trotz dieser zwei Fachbegriffe werde ich auch dieses Webinar wieder allgemeinverständlich gestalten.

Neu: Die Teilnehmer erhalten bei „Die Philosophie von Ayn Rand“ zusätzlich zur Präsentation ein PDF mit 14 Seiten Erläuterungen und Ergänzungen zu den Folien. Das ist nützlich, wenn man die Inhalte nach dem Seminar selbst noch einmal durchgehen möchte und wenn noch etwas unklar ist, das man nur auf den Folien liest. Es ist außerdem praktisch für Leute, die etwas über den Objektivismus lesen möchten, denen aber ein Buch zu viel wäre. Wer stattdessen ein Buch haben möchte, wird auch noch eines erhalten (mein Einführungsbuch in den Objektivismus schreibe ich im Anschluss an die Webinare. Gibt es dann auch als Print-Ausgabe).

Übrigens: Wer beim Seminar in Nürnberg dabei war, kann die Dokumente ebenso gerne von mir haben.

2. Das Feuerbringer-Magazin ist in letzter Zeit recht instabil gelaufen. Das liegt ausnahmsweise mal nicht an Spam und Crasher-Attacken, sondern an Wartungsarbeiten des Server- und Domainanbieters Greatnet. Außerdem war zuvor der Server aufgrund meiner Podcasts überlastet. Das Magazin sollte bald wieder rund laufen.

3. Das Ayn Rand Institute Europe steht gerade in den Startlöchern. Ich habe mich mit der Organisation in Verbindung gesetzt. Wahrscheinlich werden wir dann etwas zusammen machen. Auch hat das ARI Europe von mir unabhängig tolle Sachen geplant.

„Dem Tod zur Hand gehen“ von Edgar Dahl ist erhältlich!

Edgar Dahl Dem Tod zur Hand gehen Buchcover

Die neue Streitschrift des Philosophen Edgar Dahl ist jetzt als eBook erhältlich: „Dem Tod zur Hand gehen. Ein Plädoyer für den ärztlich-assistierten Suizid“. Herausgegeben von mir. Und es ist nicht nur bei Amazon verfügbar – sondern bei sämtlichen großen Buchhändlern:

Durch die eBook-Publikation ist es möglich, auch kürzere Streitschriften wie diese an den Mann und an die Frau zu bringen. Ich finde es großartig, dass sich Edgar dazu entschieden hat und ich bin froh, dass ich ein wenig bei der Publikation helfen konnte. Jetzt kommen wir somit in den Genuss eines wichtigen Buches, das sonst wohl nie das Licht der Welt erblickt hätte. Ein Buch, das man in der politischen Debatte über die Sterbehilfe unbedingt beachten sollte – und das ich inhaltlich voll unterstütze.

Teaser:

Im Herbst 2015 wird der Bundestag über verschiedene Gesetzentwürfe zur Regelung der Sterbehilfe entscheiden. In dieser kurzen Streitschrift plädiert der Bioethiker Edgar Dahl für eine liberale Lösung.

„Nichts ist demütigender, als von anderen vorgeschrieben zu bekommen, wie man zu sterben habe.“ Ronald Dworkin Im Herbst 2015 wird der Bundestag über verschiedene Gesetzentwürfe zur Regelung der Sterbehilfe entscheiden. In dieser kurzen Streitschrift plädiert der Bioethiker Edgar Dahl für eine liberale Lösung: Unheilbar kranken Patienten sollte es ermöglicht werden, sich von ihrem Arzt eine tödliche Dosis eines Schlafmittels geben zu lassen, mit dessen Hilfe sie ihrem Leben – falls ihr Zustand unerträglich werden sollte – selbst ein Ende setzen können.

Zum Buch bei Amazon…

Einladung zum Webinar heute um 19:00 Uhr

Objektivistische Ästhetik PNG

Sieben Plätze sind noch frei für mein Online-Seminar über Kunst heute um 19:00 Uhr. Hier könnt ihr euch anmelden:

https://www.edudip.com/webinar/Was-ist-Kunst/107130

Geht einfach z.B. via Facebook + Link-Bestätigung in der Mail. Es genügt, wenn ihr einen PC mit Bildschirm, Lautsprecher oder Kopfhörer und eine Tastatur habt. Und das hat wohl jeder. Die aufwändige Technik mit Webcam, Mikrofon, Leinwand und co. brauche nur ich.

Es werden auch Themen und Aspekte behandelt, über die es von mir bislang noch nichts zu lesen gab.

Einige der Leitfragen:

1.Wozu dient Kunst?

2.Wie beurteilt man Kunst?

3.Was sagt ihre Kunst über eine Kultur aus?

Der Vortrag enthält kurze Besprechungen von Werken der Romantiker und der Naturalisten, die gegenübergestellt werden.

Meine Qualifikation, wer es noch nicht weiß: Ich habe einen akademischen Abschluss in der Germanistik und Anglistik und arbeite für die Kunststiftung Art Renewal Center. Außerdem bin ich der einzige deutsche Intellektuelle, der Bücher über den Objektivismus veröffentlicht und Vorträge über diese Philosophie hält.

Ziel des Webinars: Die Teilnehmer entwickeln ein besseres Verständnis der Rolle von Kunst im menschlichen Leben.

Vor allem geht es um bildende Kunst und Literatur. Musik, Architektur und co. können noch in einem zukünftigen Seminar Platz finden.

Ich freue mich auf eure Teilnahme!

Und es ward doch gut

Selbstporträt (Bild: Andreas Müller)

Selbstporträt (Bild: Andreas Müller)

Wie das leider so ist mit Philosophen und mit Künstlern – und wehe dem, der beides ist, wie ich – man wird ständig hin- und hergerissen von leidenschaftlicher Selbstüberzeugung und rasendem Selbstzweifel. Um es überhaupt durchzuhalten, ein Buch zu schreiben, muss man sich während des Schreibens für das Großartigste halten, was je unter Gottes gelber Sonne gediehen ist. Die Korrekturen und die Bescheidenheit kommen später. Man schwankt grundsätzlich zwischen Extremen. Weiterlesen