Gedanken über die Gedanken

Für unsere Übersetzung Gedanken über die verschiedensten Gegenstände der britischen Satiriker-Giganten Jonathan Swift und Alexander Pope habe ich ja das Nachwort verfasst. Vielleicht werde ich mir als Lohn für die nächtlichen Ausflüge in die Unibibliothek für die Recherche sogar irgendwann ein Eis vom Bucherlös kaufen können!

Das Nachwort ist vor allem das Ergebnis meiner Überlegungen zu Jonathan Swift, enthält aber auch ähnlich lange Ausführungen über Pope. Beizeiten scheint Swifts Einfluss in meinen eigenen Texten durch. Eine Interpretation von Richard Webster in Why Freud Was Wrong über Gullivers Reisen fand ich übrigens besonders interessant. Weiterlesen

Der Stein des Anstoßes

Wo ich gerade daran zweifle, ob ich weiterhin deutschsprachige Bücher schreiben soll, kommt eine neue Rezension über mein satirisches Werk Ist der Wald endlich tot? auf Amazon gerade recht. Normalerweise kommentiere ich keine Rezensionen – aber diese hier hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Zitat:

Es geht um alles Mögliche, nur nicht um den Wald. Absolut nicht lesenswert, wenn man sich objektiv informieren möchte. Keine Kaufempfehlung

Das wäre ja recht egal, wenn es nicht die Gesamtbewertung des Buches runterziehen würde. Der Titel des Buches ist als Replik auf Rousseaus Schlachtruf „Zurück zur Natur“ gedacht – ist also das Barbarische und Irrationale endlich tot und hat die Zivilisation endlich gesiegt? Na, offensichtlich nicht. Ich bin überzeugt, dass die Buchbeschreibung auf keine Art darauf hinweist, dass der Leser hier mit einem forstwirtschaftlichen Fachbuch konfrontiert ist. Mich bringt das in meiner aktuellen Verfassung sozusagen aus der Fassung und ich habe ein Gedicht als Replik auf die Rezension verfasst:

Sie glauben, ich schreib über Wald.
Ihre Meinung lässt mich kalt.
Hätt ich über Wald gedichtet,
Hätten Sie mir beigepflichtet.

Ich wäre Top-Förster unter Waldkennern.
Kein Spötter unter tausend Pennern,
Die an Linken und Islam nichts Gutes finden
Und in einem Meer aus blödem Quark ertrinken.

Meine Baumhütte wäre so groß wie die Kaaba,
Isoliert gegen blödes Gelaber.
Ich wäre der Scheich der Forstwirtschaft,
kein Knecht der deutschen Urteilskraft.



Sagst du was gegen politisch korrekt,
dann hast du eines nicht gecheckt:
Du bist nur ein Blogger mit einem Gedicht,
Du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Erspare dir subtiles Scherzen
Die Deutschen werden das ganz ausmerzen.
Halt die Fresse oder schreib ein ernstes Buch
Von deinen Witzen haben wir genug.

Geh nach England, da gehörst du hin
Wo die britischen Wälder sind.
Die Germanen wollen trockene Zeilen,
Wo Wörter noch wörtlich sind, geh dich beeilen.

Das schreibe ich natürlich nur hier. Aber wer mir einen Gefallen tun möchte und das Buch gelesen hat, der könnte auf Amazon eine kleine Rezension hinterlassen, die nicht vollkommen am Thema vorbeigeht…

(Auf der ernsthafteren Seite: Mein nächstes Buch ist sowieso noch deutschsprachig und im Übrigen bald fertig. Aber wie das mit meinen darauf folgenden Büchern aussieht – wird sich zeigen.)

Humanismus damals und heute

„Humanismus“ ist ein schillernder Begriff, der so freundlich klingt, dass sich fast jeder damit identifizieren möchte. Der historische Urquell des Humanismus ist die Epoche der Renaissance. Und wie sich nicht zuletzt bei der Lektüre von „Die Würde des Menschen“ von Giovanni Pico della Mirandola offenbart, hatten die Renaissance-Humanisten ein Menschenbild, das dem Menschbild vieler heutiger Humanisten diametral entgegengesetzt ist.

(Update: Generelle Entwicklungen des heutigen Humanismus herausgearbeitet) Weiterlesen

Schule ohne freien Willen

Andreas Müller liest Isch Geh Schulhof

Der Test zeigt: Egal, wie lange man ungläubig ein Buch anstarrt – der Inhalt bleibt gleich. (Foto: AM)

Philipp Möllers Isch Geh Schulhof ist zu einem deutschen Bestseller avanciert. Der einstige Hilfslehrer Philipp Möller beschreibt in dem Buch seinen Schulalltag an einer Berliner Problemschule. In die Erzählung sind analytische Elemente eingeworfen, die Interpretations- und Lösungsansätze für die Schulmisere bieten.

Während der Großteil des Buches eine unterhaltsame, flüssig zu lesende Geschichte darstellt, die einen Einblick in die muslimische Parallelwelt in Berliner Schulen gewährt – so ist der Analyseteil wenig überzeugend und steht in einem befremdlichen, oft widersprüchlichen Verhältnis zum übrigen Buch.

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Die Moderne schön verachtet – Roger Kimballs „The Long March“

long-march-library-edition-roger-kimball-audio-cover-artSelbst ihre eigene Kultur hassen die Amerikaner mit mehr Stil und Esprit als wir unsere – und erst recht als wir ihre. Der amerikanische Intellektuelle Roger Kimball beweist dies mit seinem Buch The Long March, welches sich mit der kulturellen Revolution der 1960er befasst. Kimball gehört zu der Variante amerikanischer Konservativer, die die Werte der Aufklärung gegen das, was danach kam, verteidigen (also nicht zur „Adam und Eva haben mit den Dinos gelebt“-Variante).

In Kimballs The Long March nimmt  der Kritiker die „Vordenker der Revolution“ auseinander, darunter Norman Mailer, Susan Sontag, Timothy Leary, Eldridge Cleaver und Herbert Marcuse. Wer die einfühlsamen Porträts Linksradikaler von David Horowitz gewöhnt ist (siehe meine Rezension von Radicals), der darf sich auf eine literarische Tracht Prügel freuen. Kimball reduziert mit einem ätzenden Sarkasmus die 68er zu einem winselnden Häufchen Elend. Weiterlesen

Die Ethik der Notfälle

Alfred Hitchcocks "Lifeboat" (20th Century Fox)

In der Dichtung sind Notfälle ein beliebtes Thema: Alfred Hitchcocks „Lifeboat“ (20th Century Fox)

Der Objektivismus hält nicht viel von der Besessenheit der modernen Ethik mit absurden Dilemmata und Notfallsituationen, die von manchen Denkern als Anlass genommen werden, die Harmonie der Interessen (zwischen Menschen, die im aufgeklärten Eigentinteresse handeln) in Zweifel zu ziehen oder die sogar als metaphysische Grundlage von Ethiken genommen werden (wie Peter Singers Präferenzutilitarismus). „Der Mensch lebt nicht in einem Rettungsboot“, ist Ayn Rand bekannteste Aussage zu diesem Thema.

Ethik beruht auf einem bestimmten Kontext, auf bestimmten metaphysischen Gegebenheiten. Die objektivistische Ethik beruht auf dem Leben in einer modernen Zivilisation. Würden wir in der Wildnis leben, wäre nicht jedes Element der Ethik weiterhin gültig, nur die grundlegenden Prinzipien, in besonders schlimmen Situationen vielleicht nur noch eines: Tue alles, um zu überleben.

Hin und wieder gibt es aber auch in der Realität Notfälle – und der Objektivismus bietet auch hierfür eine Richtlinie. Ayn Rand über die objektivistische Notfallethik: Weiterlesen

Radikale: Porträts einer zerstörerischen Leidenschaft (David Horowitz)

Horowitz: RadicalsDas Buch Radicals: Portraits of a Destructive Passion von David Horowitz bietet einen Einblick in die Denk- und Gefühlswelt bekannter amerikanischer Linksradikaler. Als Ex-Marxist zeigt Horowitz eindringlich auf, wie das linke Weltbild mit der Realität kollidiert und zerstörte Seelen zurücklässt.

Ungewöhnlich daran ist, wie tief Horowitz die Psyche seiner ehemaligen Genossen und anderer Linker erkundet – und, dass es vornehmlich darum geht, wie sich Linke mit ihrem verqueren Weltbild selbst zerstören. Normalerweise schreiben Konservative Bücher gegen den politischen Gegner, die davon handeln, wie sie andere zerstören. Dieses ist sozusagen humanistischer. Es ist vom Versuch geprägt, Menschen zu verstehen. Weiterlesen

Neue Kategorie: Gratis Bücher

Bildung: Das Wichtigste zuerst

Für arme Studenten und andere Parasiten habe ich in der rechten Spalte des Blogs, wenn man runterscrollt, vor den Buchtipps eine Kategorie namens „Gratis Bücher“ eingeführt. Dort kann man auf das jeweilige Buchcover klicken und darf sich ein Buch gratis als PDF runterladen. Darunter sind empfehlenswerte Bücher von Objektivisten und anderen Liberalen, aber bestimmt nicht von mir. Die Gratis Bücher werden durch liberale Stiftungen ermöglicht, die Autoren (zu den ich nicht gehöre – eine Runde Mitleid) dafür entschädigen, dass sie sich hier prostituieren und ihr heiliges Eigentum an undankbares Gewürm verschenken dürfen.

Wenn ihr noch mehr liberale Werke kennt, die man sich legal (!) gratis runterladen kann, so möget ihr mir das bitte mitteilen. Ich kenne noch ein paar und werde die Kategorie mit der Zeit ergänzen.

Jenseits des Wohlfahrtsstaates

After the Welfare State ist ein Buch, dass sich mit der Geschichte und den Problemen des Wohlfahrtsstaates beschäftigt. Neun Aufsätze hat der Herausgeber Tom G. Palmer zwischen die Buchseiten gepackt, die auf nur 136 Seiten das Thema angehen.  In dem Aufsatz “Bismarck’s Legacy” erinnert Palmer an die preußischen Wurzeln des Wohlfahrtsstaates. Abhängigkeit, schreibt Palmer, sei keine “unbeabsichtigte Konsequenz” des Wohlfahrtsstaates, sondern sein vorrangiges Ziel. Otto von Bismarck machte daraus auch gar kein Hehl: “Wer eine Pension hat für sein Alter, der ist viel zufriedener  und viel leichter zu behandeln als wer darauf keine Aussicht hat.” (Bismarck, Gespräche, Bd. 2, S. 337).

Ari Armstrong (“The Objective Standard” Sommer 2013) hält  After the Welfare State für  eine exzellente Einführung in die Thematik, auch wenn er kritisch vermerkt, dass das Buch nicht beschreibt, wie der Wohlfahrtsstaat beendet werden kann und wie freiwillige Institutionen seinen Platz annehmen können. Aber wie auch immer man dieses Buch bewerten möchte, man muss nicht unbedingt bezahlen, wenn man sich den Inhalt ansehen möchte: das Download ist kostenlos.

Klassiker der Ökonomie

Ich mache jetzt was total Komisches. Ich empfehle ein normales Buch. Gut, nicht von der massentauglichen Hugendubel-Variante, aber dennoch ein mainstreamiges, gemeinhin als normal empfundenes Buch ohne Verbindung zu irgendwelchen marktradikalen Philosophen und Ökonomen. Na ja, ok, irgendwo kommen sie schon darin vor.

Es heißt „Klassiker der Ökonomie. Von Adam Smith bis Amartya Sen“ und wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben. Das Buch enthält Zusammenfassungen und Interpretationen der Hauptwerke von historischen Ökonomen verschiedener Schulen. Die spanischen Scholastiker und die französischen Physiokraten (die ersten Ökonomen) sind mal wieder nicht dabei, aber ansonsten erhält man einen guten Überblick.

In den an Zusammenfassung und Hintergrund anschließenden Kommentaren wird das vorgestellte Werk eher wohlwollend bewertet, selbst wenn es böse ist, wie Das kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels. Manchmal kann man sich also ordentlich aufregen. Trotzdem. Didaktisch ist das Einführungswerk hervorragend gemacht und man versteht die Denkweise der einflussreichsten Ökonomen und auch das, was heute so gesagt wird, besser als zuvor. Weiterlesen

Die Ideologie der Zerstörung

„Dem sozialistischen Denken stellt sich die Überführung der Gesellschaftsverfassung in den Sozialismus als ein Übergang von irrationeller zu rationeller Wirtschaft dar. Die Anarchie der Produktion wird durch planmäßige Leitung der gesamten Wirtschaft abgelöst; die Gesellschaft, die man sich als Fleischwerdung der Vernunft denkt, tritt an die Stelle, die bisher von den unvernünftigen und nur auf den eigenen, dem allgemeinen entgegenstehenden Vorteil bedachten Individuen eingenommen wurde. Die ungerechte Verteilung der Güter macht einer gerechten Platz. Not und Elend verschwinden, Wohlstand für alle erblüht. Vor uns liegt ein seliges Paradies, und die Erkenntnis der Gesetze der geschichtlichen Entwicklung gibt uns die Gewißheit, daß wir oder doch unsere Nachfahren dorthin gelangen müssen. Denn alle Wege der Geschichte führen in jenes gelobte Land, und alles Geschehen der Vergangenheit war nur Vorstufe zum Heil, das dort verbeißen ist. Weiterlesen

„Entsetzlicher Abschaum“ – Ayn Rand über C.S. Lewis

Gut gebrüllt, Aslan - aber Ayn Rand brüllt noch besser!

Die privaten Randnotizen der aufklärerischen Philosophin Ayn Rand in ihren Büchern sind nicht unbedingt von zurückhaltenden Urteilen geprägt. Hier ihr Fazit über Die Abschaffung des Menschen – eine Vortragsreihe, die in einem Buch zusammengefasst wurde – des christlichen Philosophen C.S. Lewis (Die Chroniken von Narnia):

„Der Mistkerl meint tatsächlich: Je mehr der Mensch weiß, desto stärker ist er an die Realität gebunden, desto mehr muss er sich an eine „A ist A“-Existenz von absoluter Identität und Kausalität halten – und das ist es, was er als „Unterordnung“ unter die Natur oder als die Macht der Natur „über den Menschen“ (!) bezeichnet. Er widerspricht der Macht der Realität. Die Wissenschaft schrumpft das Reich seiner Launen (!!). Wenn er über Werturteile spricht, dann meint er Werte, die durch Launen bestimmt werden – und er weiß, dass es dafür keinen Platz in der Natur gibt, d.h. in der Realität. (Dieser entsetzliche Abschaum!)“

Lewis: „Jede neue Macht, die der Mensch gewinnt, ist auch eine Macht über den Menschen. Jeder Fortschritt lässt ihn sowohl stärker, als auch schwächer zurück.“

Rand: „Also wenn man Menschen von Tuberkulose, Syphilis, Skorbut, den Pocken und Tollwut heilt – dann macht man sie schwächer!!!“

Lewis: „Nichts, was ich sage, wird manche Menschen davon abhalten, diesen Vortrag einen Angriff auf die Wissenschaft zu nennen.“

Rand: „Allerdings!“

Lewis: „Das ernsthafte magische Unterfangen und das ernsthafte wissenschaftliche Unterfangen waren Zwillinge: Einer war krank und starb, der andere war stark und gedeihte. Sie sind beide aus demselben Antrieb erwachsen.“

Rand: „Dieses billige, dumm schwafelnde Nichts!“

Lewis: „Wenn man alles durchschaut, dann ist alles durchsichtig. Aber eine vollkommen durchsichtige Welt ist eine unsichtbare Welt. Alles zu ‚durchschauen‘ ist dasselbe wie nicht zu sehen.“

Rand: „Oh, Bullshit! – und absoluter Bullshit!“

Quelle: Ayn Rands leidenschaftlicher Hass auf C.S. Lewis